Freihandel USA-EU: Was sich die Schweiz wünschen sollte

Die USA und die EU verhandeln derzeit über ein Freihandelsabkommen. Was bedeutet das für die Schweiz? Eine Studie liefert Antworten.

Eine Schweizer Flagge in den Alpen im Wind.

Bildlegende: Je genauer das Abkommen zwischen der USA und EU, desto besser für die Schweiz. Keystone

Seit einem Jahr verhandeln die EU und die USA über ein Freihandelsabkommen. Dabei geht es um den Abbau von Zöllen, aber auch um Sicherheitsstandards, Normen oder Wettbewerbsregeln. Doch was genau und wie es geregelt werden soll, ist offen. Über den derzeitigen Stand der Verhandlungen ist wenig bekannt.

Klar ist: Werden sich USA und EU einig, entsteht ein Wirtschaftsraum mit mehr als 800 Millionen Menschen. Etwa die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung entfällt auf die beiden. Von einem solchen Wirtschaftskoloss wäre also auch die Schweiz betroffen. Für sie ist entscheidend, wie genau das Abkommen ausgestaltet ist.

Umfassend ist gut für die Schweiz

Eine Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) gibt nun Antworten. Die Studie des Welthandels-Instituts der Universität Bern (WTI) stützt sich auf verschiedene Szenarien. Als Basis für die Szenarien wurde das Jahr 2030 gewählt, weil das Freihandelsabkommen erst in fernerer Zukunft voll implementiert sein dürfte.

Das Fazit der Forscher: Je umfassender und tiefgreifender das derzeit verhandelte Freihandelsabkommen zwischen USA und EU ausfällt, desto weniger hat die Schweiz zu fürchten. Kommt es zu einem umfassenden Abkommen mit einer Vereinheitlichung von Produktionsstandards im US- und EU-Markt käme ein Zuwachs des Schweizer BIP von 1 Prozent zustande. Durch ein solches Abkommen nämlich würden gemäss den Forschern faktisch neue globale Produktionsstandards entstehen. Und diese erleichtern den Marktzugang allgemein.

Bauen die Partner dagegen nur die Zölle ganz ab und technische Handelshemmnisse nur ein wenig, dürften Einbussen beim Bruttoinlandprodukt resultieren. Die Forscher rechnen mit einem Schweizer Bruttoinlandprodukt, das im Schnitt um 0,17 bis 0,51 Prozent tiefer liegen würde.

Die Folgen für die einzelnen Sektoren

Auf die einzelnen Sektoren gesehen stellten die Wissenschaftler überraschend starke und unterschiedliche Auswirkungen fest. Grund dafür sind die unterschiedlichen Abhängigkeiten der Branchen von der EU und den USA.

  • Den stärksten Ausschlag zeigt die Industrie. Bei einem umfassenden USA-EU-Abkommen könnte die Produktion knapp 3 Prozent steigen, bei einem auf Zollabbau beschränkten um 0,3 bis 0,8 Prozent sinken.
  • Landwirtschaft und Nahrungsmittelsektor können im idealen Fall mit bis zu 2,3 Prozent mehr Absatz rechnen, weil EU und USA hier derzeit recht protektionistisch sind.
  • Generell leiden dürften hingegen Anbieter im öffentlichen Beschaffungswesen. Schweizer Firmen wären auf dem europäischen Markt einem verschärften Wettbewerb ausgesetzt. Auch sähen sie sich einem teilweisen Ausschluss auf dem US-Markt gegenüber EU-Konkurrenz ausgesetzt.
  • Bei den Dienstleistungen, im Investitionsschutz und beim geistigen Eigentum erwarten die Studienverfasser kaum Auswirkungen.