Für ein iPhone: Kiewer schuften 30 Mal länger als Zürcher

Wer wie lange arbeiten muss, um sich Dinge wie einen Big Mac oder ein Smartphone zu kaufen, hängt davon ab, wo jemand erwerbstätig ist. Städte wie Zürich, Kiew und Jakarta unterscheiden sich in Sachen Preise, Löhne und Kaufkraft aber nicht einfach so, sondern aufgrund aktueller Geschehnisse.

Die Menschen sind ein emsiges Völkchen. Rund um die Welt gehen sie einer Arbeit nach. Doch wieviel sie für ihre Leistung kriegen und was sie mit dem Entgelt kaufen können, hängt ganz davon ab, in welcher Stadt sie leben.

Die UBS hat ihre Studie über Preise und Löhne veröffentlicht und hierin nicht bloss mit kargen Zahlen jongliert, sondern handfeste Rechnungen aufgestellt. Diese laufen auf folgende Fragen hinaus: Wie lange arbeitet man für ein iPhone, einen Big Mac, einen Haarschnitt – beispielsweise in Zürich, Kiew, Jakarta?

Höchste Nettolöhne in Luxemburg, Genf und Zürich

Der Wert der Löhne lässt sich laut UBS am besten durch einen Kaufkraftvergleich für Waren ermitteln, die weltweit möglichst homogen sind. Das mag ein Big Mac sein oder – heute vielleicht begehrter – ein iPhone.

Grundsätzlich ist in Luxemburg, Zürich und Genf der Nettostundenlohn am meisten wert, weil damit am meisten Waren und Dienstleistungen aus dem standardisierten Warenkorb gekauft werden können.

Ein Iphone.

Bildlegende: Vom Bic-Mac-Index zum Iphone-Index. Die Studie trägt der aktuellen Nachfrage Rechnung. Keystone

Nach neun Minuten Arbeit kann sich der Hongkonger mit einem Big Mac verköstigen

Das Privileg besagter Städte zeigt sich indes auch am Einzelfall. Beispielsweise verdienen Angestellte in Zürich und Genf in elf Minuten genug, um sich einen Big Mac kaufen zu können. Damit sind sie weltweit die drittschnellsten.

Vor ihnen rangiert Hongkong. Hier brauchen die Arbeitnehmer lediglich neun Minuten, um sich im McDonald den Hunger zu stillen. Dagegen müssen Angestellte in Nairobi durchschnittlich fast drei Arbeitsstunden schuften, um sich einen Bic Mac leisten zu können.

Für das iPhone 6 müssen die Zürcher 21 Stunden krampfen. Zum Vergleich: Die Kiewer müssen 30 Mal länger am Arbeitsplatz ausharren.

iPhone 6 Ein Arbeitnehmer in Kiew braucht rund 30 Mal länger als ein Zürcher, um sich das begehrte Smartphone zu kaufen. UBS

Arbeitnehmer in Jakarta und Nairobi mit relativ mageren Löhnen

Nebst den Nettosalären sind auch die Bruttolöhne in Zürich am höchsten. Es folgen Genf und Luxemburg. Ihnen stehen drei Schlusslichter gegenüber. In Nairobi, Jakarta und Kiew verdienen Arbeitnehmer nur rund 5 Prozent des durchschnittlichen Bruttolohns der Zürcher.

Wenn die Zürcher aber auch am besten verdienen, sehen sie sich indes auch mit den höchsten Preisen konfrontiert. Bei Lebensmitteln ist die Zwinglistadt die teuerste Stadt. Ein Korb aus 39 Nahrungsmitteln kostet hier 4,5 Mal so viel wie in Kiew – der günstigsten Stadt.

Der Preis für Dienstleitungen korreliert mit dem örtlichen Lohnniveau. Dementsprechend nimmt auch hier Zürich eine Spitzenposition. Um sich die Haare schneiden zu lassen, die chemische Reinigung zu beanspruchen oder im Internet zu surfen, geben Zürcher am zweitmeisten Geld aus. Nur in Oslo berappt man noch mehr.

Fleissige Hongkonger

In 19 Weltstädten – die meisten davon in Asien und im Nahen Osten – arbeiten die Menschen mehr als 2000 Stunden pro Jahr. Wer es gerne etwas ruhiger angeht, sollte sich in Paris nach einem Job umsehen. Hier arbeitet man jährlich 1604 Stunden. Der Workaholic ist demgegenüber in Hongkong gut aufgehoben. In der Stadt liegt die Zahl der Arbeitsstunden um 1000 höher.

Die meisten Ferien gönnen sich die Menschen in Manama, der Hauptstadt des Königreichs Bahrain. Sie machen jährlich 34 Tage Urlaub. In Rom – 32 Stunden – ziehen die Menschen mehr Freitage ein als in Zürich – 24 Stunden. Am allerwenigsten Ferientage räumen sich aber die Arbeitnehmenden in Shanghai ein: nämlich gerade mal 7 Tage.

Ferientage pro Jahr Ein Arbeitnehmer in Schanghai oder Bangkok muss auf ausgiebige Urlaubsreisen verzichten. In der Hauptstadt Bahrains geniesst man hingegen viele Freitage. UBS

Kennzahlen im Kontext

Die wirtschaftlichen Ereignisse haben die Kennzahlen geprägt und dementsprechend auch die Listen beeinflusst. Dass etwa die Schweizerische Nationalbank die Franken-Euro-Bindung aufhob, liess die Städte Zürich und Genf Plätze wettmachen. Andere Städte in der Eurozone rutschten gleichzeitig ab. Russische und ukrainische Städte gaben ferner nach wegen des Ukraine-Konflikts und der daraus resultierenden Sanktionen gegen Russland. Nicht zufällig ist Kiew also auf allen Listen das Schlusslicht.

Die Studie

Die UBS hat Preise, Löhne und Kaufkraft von Erwerbstätigen in 71 Städten der Welt untersucht. Die Analyse, die seit 1971 etwa alle drei Jahre publiziert wird, trägt mehr als 68'000 Datenpunkte zusammen und spiegelt nicht nur die synchronen Differenzen der Städte wider, sondern auch die wirtschaftlichen Ereignisse, die die Städte geprägt haben.