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Wirtschaft Fusionswelle: «Viele Multis schwimmen im Geld»

Die Liste von Firmenübernahmen und Zusammenschlüsse ist lang. General Electric und Siemens wollen Alstom übernehmen. Die Zementhersteller Holcim und Lafarge fusionieren. Es gibt gute Gründe, warum sich viele Firmen gerade jetzt zusammenschliessen, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Oberer.

Legende: Video Alstom ist kein Einzelfall abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.04.2014.

SRF: Eine Fusion, eine Übernahme folgt auf die nächste: Kann man diesen Trend mit Zahlen unterlegen?

Thomas Oberer: Alleine die Fusionen und Übernahmen seit Beginn dieses Jahres haben einen Wert von einer Billion Dollar, also 1000 Milliarden. Das ist sehr viel in knapp vier Monaten – so viel wie letztmals vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000.

Warum kommt es gerade jetzt zu all diesen Zusammenschlüssen?

Es gibt zwei Gründe: Einerseits sind die Zinsen weltweit immer noch sehr tief. Die Notenbanken versuchen damit die Wirtschaft anzukurbeln. Die Chefs der grossen Firmen nützen dies aus und beschaffen sich billiges Geld. Der noch wichtigere Grund ist jedoch, dass viele Firmen über sehr viel Bargeld verfügen. In den letzten Krisenjahren haben sie sich mit Investitionen zurückgehalten. Sie haben Geld beiseite gelegt, das sie jetzt für Übernahmen einsetzen.

General Electric möchte die französische Alstom übernehmen, der Pharmamulti Pfizer ist an der britischen Astra Zeneca dran – warum greifen amerikanische Firmen nach europäischen Konkurrenten und fusionieren nicht im eigenen Land?

Das hat mit dem Geld zu tun. Die US-Firmen haben riesige Mengen von Kapital im Ausland gebunkert. Man spricht von bis zu 2000 Milliarden Dollar. Wenn sie dieses Geld in den USA einsetzen würden, müssten sie darauf gut 30 Prozent Steuern zahlen. Wenn sie es in Europa investieren, kommen sie in den meisten Ländern viel günstiger weg. Sie können so in Europa die Steuern optimieren und gleichzeitig europäische Konkurrenten verhältnismässig billig schlucken.

Welche Ziele verfolgen denn Firmen in der Schweiz oder in Europa?

Für Schweizer und europäische Firmen steht die Steueroptimierung nicht im Vordergrund. Da geht es eher darum, wie die Firmen neu aufgestellt werden können, so dass mehr Gewinn möglich wird. Novartis ist dazu ein gutes Beispiel. Der Basler Pharmakonzern fokussiert sich auf Pharma, Augenheilmittel und Generika und stösst die renditeschwachen Sparten Impfstoffe, Tiergesundheit und rezeptfreie Medikamente ab. Die Firmenchefs in Europa überlegen sich im Moment genau, was noch zur Firma passt und was nicht. Je nach dem wird dann ge- oder eben verkauft.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Diese Firmen wachsen also nur noch durch Uebernahmen und nicht mehr aus eigener Schaffenskraft und Können. - So kann man es nämlich auch sehen.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Wo bleibt der angeblich freie Markt, welcher dank Konkurrenz für eine Mässigung der Gewinne sorgen sollte? In dieser Hinsicht hat die real existierende "freie" Marktwirtschaft völlig versagt.
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    1. Antwort von Paul Beaumont, Pfäffikon
      Das grosser Schwachsinn. Der freie Markt sorgt nicht für Mässigung der Gewinne. Hat er auch nie getan. Aber belohnt den Tüchtigen.
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    2. Antwort von Andreas Dante, Basel
      Oder denjenigen, der grosszügig geerbt hat. Oder vor kriminellen Aktionen nicht zurückschreckt (der Markt kennt kein legal/illegal). Oder diejenigen, die gerade Glück haben. Ein Hoch auf die Marktwirtschaft! – wir sollten den Staat abschaffen und all unser Geld den Reichen geben. Erst wenn die alles Geld haben, können sie es auch wieder zurückgeben und wir können uns an der "golden shower" des trickle-down-Kapitalismus laben. :)
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  • Kommentar von Samuel Bendicht, Bern
    Das Ergebnis der neoliberalen Politik ist kurz gefasst folgendes: Es gab noch nie so viele reiche Firmen, die nicht wissen wo sie mit dem Geld hin sollen. Es gab noch nie so viele Superreiche, die keine Ahnung mehr haben, wo sie ihre Milliarden anlegen sollen. Es gab noch nie so viele Staaten und Völker, die am Hungertuch nagen und nicht wissen, wie sie ihre Armen und Kranken am Leben erhalten können. Kann mir jemand verraten, was hier falsch läuft?
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Das Geldwesen: Geld wird zum Machtfaktor und Erpressungsmittel, wenn für Liquidität ein Mindestzins von 0% garantiert wird. Preisbildung durch Angebot und Nachfrage ist ausgehebelt, die Macht liegt beim Geldbesitz. Boden: natürliches Monopol ->als Geldanlage macht es die Bodeneigentümer leistungslos reicher auf Kosten der Leistungsträger. Patentrecht: eine einzige Katastrophe: schützt unanständige Gewinne, verhindert echte Innovationen usw. In allen 3 Bereichen sind Reformen not-wendig.
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Samuel Bendicht, Bern - In den Spiegel schauen und Sie sehen einen, der immer wiederkehrend sich als sog. (EU-)Wegbereiter oder als Mitläufer zur Verfügung stellt. Die EU will gehorsame Bürger für die Wirtschaft, dafür gibt es diese EU in dieser Form und Ausgestaltung. Da geht es nicht um die Freiheit des Bürgers, sondern um die Freiheit der Grossen & Mächtigen.
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    3. Antwort von Paul Beaumont, Pfäffikon
      Geld hat Bedeutung als Zahlungsmittel (Nachfolger vom Tauschhandel). Enorm viel Geld ist Macht. Diese Macht wird heute vielfach falsch angewandt. Falsch ist heute, dass die Märkte , teils durch die weltweite Vernetzung, teils durch die Schwäche der politischen Eliten, aber mehr noch durch die Ohnmacht der sozialen Strukturen ein solches Uebergewicht bekommen haben, dass wir wahrscheinlich demnächst das Ende einer Epoche erleben werden.
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    4. Antwort von Samuel Bendicht, Bern
      @ Bernoulli u. Beaumont: Herzliche Dank für die Antworten, denen ich nur zustimmen kann und @ Haller: Sie können ihre persönlichen Beleidigungen einfach nicht sein lassen? Solche trolligen Kommentare, wie der ihrige zeigen aber leider nur ein bedenkliches Niveau und übrigens, ersetzen sie mal in ihrem Posting jedes EU mit SVP und ihr Beitrag gewinnt extrem an Wahrheitsgehalt! Leider!
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