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Umbruch bei Tamedia «Gefahr besteht, dass Einheitsbrei serviert wird»

Tamedia legt die Haupt-Ressorts ihrer Sonntags- und Tageszeitungen zusammen. Ein schlechtes Signal für den Medienplatz Schweiz, sagt SRF-Medienexperte Klaus Bonanomi.

Tamedia-Gebäude
Legende: Im Vorfeld war in den Medien über die Neuorganisation spekuliert worden. Gar von einem «Massaker» war die Rede. Keystone
  • Die Tamedia reagiert auf stark rückläufige Werbeumsätze und stellt die Redaktionen ihrer Sonntags- und Tageszeitungen neu auf.
  • Ab Januar 2018 werden zwei neue zentrale Redaktionen in der Deutschschweiz und der Romandie die Tamedia-Titel mit Inlands-, Auslands-, Wirtschafts- und Sport-Berichterstattung versorgen.
  • Laut Tamedia-Mitteilung soll es keine Kündigungen geben – alle Mitarbeiter würden weiter beschäftigt.

In der Deutschschweiz und der Romandie entstehen zwei sogenannte Redaktionen Tamedia, die gemeinsam einen Recherchedesk führen werden. In Bern, Lausanne und Zürich sind Kompetenzzentren vorgesehen. Diese Redaktionen werden die Zeitungstitel mit einer Mantelberichterstattung versorgen. «Die Kompetenzzentren werden die einzelnen Titel zum Teil auch mit massgeschneiderten Artikeln beliefern», sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer.

Einschätzung von SRF-Medienexperte Klaus Bonanomi

«Es besteht die Gefahr, dass ein Einheitsbrei serviert wird. Das haben im Vorfeld vor allem die Redaktionen von ‹Berner Zeitung› und ‹Bund› postuliert. Wenn eine grosse Redaktion die Berichterstattung prägt, hat sie grosse Macht: Sie kann Themen setzen und andere klein halten. Das zweite schlechte Signal: Tamedia geht es gut, die Mediengruppe hat im letzten Jahr 120 Millionen Franken Gewinn gemacht. Vor allem mit digitalen Markt-Plattformen, die wahre Goldgruben sind – Ricardo, Homegate und Co. Früher haben diese Plattformen den Informationsjournalismus querfinanziert. Das ist heute nicht mehr der Fall – und das ist bedenklich.»

Die deutschsprachige Redaktion wird Arthur Rutishauser als Chefredaktor führen. Er bleibt daneben Chefredaktor der «SonntagsZeitung». Die Redaktion Tamedia in der Romandie wird «Le Matin Dimanche»-Chefredaktorin Ariane Dayer führen. Judith Wittwer übernimmt Rutishausers Posten als Chefredaktorin des «Tages-Anzeigers». Mit Ausnahme von «24 heures», wo Claude Ansermoz auf Thierry Meyer folgt, behielten die weiteren Zeitungstitel ihre Chefredaktoren, schreibt der Verlag.

Wir haben mit massiv sinkenden Werbeumsätzen zu kämpfen. Allein 2017 sanken die Einnahmen um 15 Prozent.
Autor: Christoph ZimmerUnternehmenssprecher, am 17. August

Mit der Zusammenlegung reagiert Tamedia offenbar auf den anhaltenden Druck in der Medienbranche. Ziel sei, die wirtschaftliche und redaktionelle Unabhängigkeit der zwölf bezahlten Tageszeitungen und der beiden Sonntagszeitungen in der Deutschschweiz und der Romandie zu sichern, schreibt das Unternehmen. «Bei weiter rückläufigen Werbeeinnahmen werden nur diejenigen Tageszeitungen fortbestehen, die Teil eines grösseren Netzwerks sind», wird Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung, zitiert.

Gewerkschaften sind besorgt

Die Gewerkschaften Impressum und Syndicom sorgen sich nach der Ankündigung von Tamedia um die Medienvielfalt in der Schweiz. «Die aktuelle Situation ist sehr schwierig», wird die Zentralsekretärin von Impressum, Nathalie Weber, von der Nachrichtenagentur sda zitiert.

Um eine vielfältige Medienlandschaft aufrechtzuerhalten, genüge es nicht, den gleichen Inhalt über verschiedene Titel zu verteilen, schreibt Syndicom im einer Mitteilung. Die Unabhängigkeit der einzelnen Titel müsse garantiert werden – auf allen Kanälen. Syndicom warnt vor einem schleichenden Stellenabbau, welcher einen weiteren «Aderlass» für die «zusammengesparten» Redaktionen bedeute.

Künftig zentral belieferte Sonntags- und Tageszeitungen

Quelle: Tamedia
Tages Anzeiger
Sonntags Zeitung
BZ Berner Zeitung
Der Bund
Der Landbote
Zürcher Oberländer
Zürichsee-Zeitung
Berner Oberländer
Thuner Tagblatt
Le Matin Dimanche
24 Heures
Tribune de Genève

18 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Wir haben den Einheitsbrei ja schon lange....!
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Mal abgesehen davon, dass auch SRF wie das Gros der Schweizer Zeitungswelt nur Agenturmeldungen aufwärmen (und vielfach gleich auch ungeprüft deren Fehler übernehmen) ist das der Beste Grund, sich ein Weltwocheabo zuzulegen. Sei es nur aus Sicht der freien Meinungsbildung.
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    1. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      SRF wärmt "nur Agenturmeldungen auf"? Lieber Herr Ducrey, Sie haben offensichtlich keine Ahnung vom Funktionieren der Medien. Natürlich spielen die Agenturen eine Rolle - aber ihre Meldungen werden nur teilweise tel-quel weiterverbreitet. Vieles wird redaktionell aufbereitet und angereichert; dazu kommt Eigenes. Und die Agenturen sind (in aller Regel) von hoher Professionalität. Viel problematischer sind die zahllosen PR-Communiqués aus Politik und Wirtschaft, die die Redaktionen überschwemmen.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Nach meiner Erfahrung ist die Qualität insbesondere im Redaktionellen Teil von Deutschen online Erzeugnissen niedrig, die ihren Hauptmarkt in der Schweiz haben. (kleiner Markt) Am niedrigsten bei den Tages - Aktualitäten wie Sport und andere News. Offenbar gibt es keine Korrektoren mehr. Auf jeden Fall habe ich mich von der BZ online verabschiedet als sie angefangen haben für das Nieveau auch noch Geld zu verlangen. Wer Qualität will muss englisch lesen, z.B. Herald Tribune.
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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Es steht ja eh schon überall das Gleiche drin und kommt einer Gehirnwäsche gleich. Wer kann sich das noch eine eigene Meinung bilden.
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