Gemeinsame Sache mit den Feinden

Blockchain ist die Technologie hinter der Digitalwährung Bitcoin. Die Währung selber könnte verschwinden, doch die dazugehörende Technologie Blockchain interessiert die Finanzbranche. UBS, CS und 40 weitere Konkurrenten haben sich im Konsortium R3 vereint, um gemeinsam an Blockchain zu forschen.

Digitaltunnel.

Bildlegende: Dezentral, autonom, verifiziert: Blockchain macht zentrale Stellen überflüssig. Colourbox

Gefahr von Hackern, Gefahr von kriminellem Missbrauch, technische Komplikationen – seit Jahren gerät die Digitalwährung Bitcoin immer wieder ins Kreuzfeuer. Sie könnte unter dieser Kritik scheitern – Blockchain, die Technologie dahinter, bleibt aber sicherlich bestehen. Die Finanzbranche glaubt an das Potenzial und forscht in zahlreichen Projekten daran.

Ein solches Projekt stammt vom Start-Up R3 in New York. Es hat 42 globale Banken vereint, darunter Credit Suisse und UBS. Gemeinsam wollen die Konkurrenten erforschen, wie sie Blockchain für ihre Zwecke nutzen könnten. «Wir glauben, dass die Blockchain-Technologie den Markt für Finanzdienstleistungen so revolutionieren kann, wie das Internet Medien und Unterhaltung revolutioniert hat», sagt R3-Geschäftsführer Charley Cooper.

Dezentral wie das Internet

Wie das Internet selber, besteht Blockchain im Wesentlichen aus einer dezentralen Datenbank, die auf Tausenden oder gar Millionen von Computern synchron geführt wird. Jede Transaktion wird auf jedem dieser Computer für immer festgehalten.

Charley Cooper

Bildlegende: Blockchain hat nach Meinung von Charley Cooper ein Revolutions-Potenzial wie das Internet. SRF

Die Computer kommunizieren direkt miteinander; eine zentrale Stelle wie etwa heute die SIX, ist nicht mehr notwendig. Geldüberweisungen können direkt von Computer zu Computer laufen.

Heute sind Auslandsüberweisungen teuer und dauern lange. Sie führen über mehrere zentrale Stellen, bis sie beim Empfänger angekommen sind. Mit Blockchain soll es möglich werden, Geld so schnell ins Ausland zu überweisen, wie eine E-Mail zu verschicken. Reinen Anbietern von internationalen Geldtransfers wie Western Union oder Moneygram droht eine massive Reduktion ihrer heutigen Gewinnmargen.

Auch für die Banken bietet Blockchain potenziell sehr hohe Sparmöglichkeiten. Laut einer Studie der spanischen Bank Santander könnten Banken dank Blockchain-Technologie ab 2020 bei grenzüberschreitenden Zahlungen 20 Milliarden an Infrastruktur-Kosten einsparen – pro Jahr.

Video «Erklärvideo Blockchain (engl., Financial News)» abspielen

Erklärvideo Blockchain (engl., Financial News)

3:05 min, vom 1.2.2016

Potenzial auch ausserhalb der Finanzbranche

Daniel Diemers war früher Programmierer, heute arbeitet er als Berater beim PwC-Unternehmen Strategy&. «Das Potenzial von Blockchain kann sich uns noch gar nicht erschliessen», sagt er. Ausserhalb der Finanzbranche könnte die Blockchain-Technologie eingesetzt werden, um Geburts- und Heiratsurkunden in einem Staat zu registrieren. Oder um Kunstwerke weltweit zu registrieren. Dank Blockchain wäre immer nachvollziehbar, zu welchem Zeitpunkt besessen und verkauft wurde.

Denn die Blockchain ist transparent und öffentlich. Jede Transaktion lässt sich nachvollziehen. Allerdings ist nur das Konto einsehbar, über das eine Transaktion läuft. Verborgen bleibt hingegen die Identität des Konto-Inhabers.

    • 1.
      Was bedeutet «Blockchain»?

      Eine Blockchain ist eine Datenbank, die aus einzelnen Blöcken von maximal 1 MB besteht. Ist ein Block vollgeschrieben, wird er als neues Glied einer Kette («chain») angehängt. In der dezentralen Datenbank sind sämtliche getätigten Transaktionen für immer verewigt. Die Datenbank ist auf Tausenden oder gar Millionen von Computern verteilt, die laufend synchronisiert werden und entsprechend deckungsgleiche Informationen enthalten.

    • 2.
      Wie funktioniert eine Blockchain?

      Blockchain ist die Technologie, die der digitalen Währung Bitcoin zugrundeliegt. Sie besteht bereits seit einigen Jahren und funktioniert wie folgt: Um eine Transaktion zu tätigen, bedarf es der Zustimmung aller beteiligten Server. Einer Transaktion stimmen die Datenbanken nur zu, wenn sich aus den Daten in der Blockchain erweist, dass das Geld tatsächlich vorhanden ist. Das verhindert etwa, dass jemand mehr Geld ausgibt, als er hat.

    • 3.
      Weshalb wird der Technologie so grosses Potenzial zugeschrieben?

      Informationen in einer Blockchain sind kaum manipulierbar. Die dezentrale Anordnung macht jede Kontroll- oder Verwaltungs-Instanz überflüssig. Das System kontrolliert sich selbst.

    • 4.
      Banken können überflüssig werden – weshalb sind sie interessiert?

      Das Ziel oder die Hoffnung der Banken ist, eine geschlossene Blockchain unter sich zu betreiben. Dann würden etwa Zahlungen immer noch über sie laufen, allerdings sichererer und zu einem geringeren Preis als heute.

    • 5.
      Wo sind die Grenzen der Technologie?

      Derzeit schafft es die Blockchain weltweit nur drei Transaktionen pro Sekunde abzuwickeln. Zum Vergleich: Das Kreditkarten-Unternehmen VISA verarbeitet weltweit 2000 Transaktionen pro Sekunde. Auch der Stromverbrauch ist ein Problem: In einer Sekunde verbraucht die Blockchain 300 Megawatt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Blockchain: Die Finanzwelt im Banne der Bitcoin-Technologie

    Aus ECO vom 1.2.2016

    Die Digitalwährung Bitcoin könnte scheitern – Blockchain, die dahinter liegende Technologie, bleibt aber sicherlich bestehen. Die Finanzbranche hat das Potential entdeckt. Das Start-up R3 hat mehr als 40 globale Banken vereint, darunter Credit Suisse und UBS. Gemeinsam wollen die Konkurrenten erforschen, wie sie Blockchain für ihre Zwecke nutzen könnten. «Wir glauben, dass die Blockchain-Technologie den Markt für Finanzdienstleistungen so revolutionieren kann, wie das Internet Medien und Unterhaltung revolutioniert hat», sagt R3-Geschäftsführer Charley Cooper.

    Mehr zum Thema