Generalversammlungen 2016: Ethos zieht vorsichtig positive Bilanz

Der Reigen der Generalversammlungen geht zu Ende. Einiges ist laut der Stiftung Ethos besser geworden - auch wenn die Boni immer noch höher werden.

Blick in einen vollen Saal an einer Generalversammlung.

Bildlegende: Die GV-Saison 2016 geht zu Ende: Einiges ist laut der Stiftung Ethos besser geworden. Keystone

Dominique Biedermann, Direktor der Stiftung Ethos.

Bildlegende: Dominique Biedermann, Präsident der Stiftung Ethos. Keystone

Die Generalversammlungen 2016 sind Geschichte. Mit dabei war häufig die Stiftung Ethos. Sie vertritt rund 200 Pensionskassen und Stiftungen und setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Firmen ihren Managern keine exorbitanten Boni mehr zahlen, dafür Umwelt- und Sozialstandards einhalten.

Mehr Transparenz bei den Bonussystemen

Dominique Biedermann, Präsident der Ethos-Stiftung, zieht eine vorsichtig positive Bilanz: «Die Transparenz der Vergütungssysteme hat sich stark verbessert. Das muss man zugeben.» Als Aussenstehender könne man heute besser verstehen, wie die Bonussysteme in den Firmen funktionierten. Das sei Folge der Minder-Initiative, die Druck aufgesetzt habe.

Die Boni steigen weiter

Weniger zufrieden ist Biedermann mit der Höhe der Boni. Was die Höhe der Vergütungen angehe, sehe man noch keinen signifikanten Effekt, so Biedermann. Im Schnitt erhielten die Verwaltungsräte der börsenkotierten Schweizer Firmen zwei bis drei Prozent mehr Boni. Da dies ein Durchschnittswert sei, gebe es Firmen, die einiges mehr bezahlten. Betrachte man aber deren Geschäftsverlauf, begreife man nicht immer, warum Verwaltungsrat und Firmenleitung derart mehr verdienten.

Mehr Kontakt zwischen Ethos und den Verwaltungsräten

Besser sei der Kontakt zwischen Ethos und den Verwaltungsräten geworden, stellt Dominique Biedermann fest: «Heute ist es insbesondere der diskrete Dialog mit den Verwaltungsräten, der am wichtigsten ist. Mit diesem Dialog erreichen wir viel mehr als mit einer Rede an der Generalversammlung.»

Früher hätte man ihnen fünf Minuten Redezeit an der Generalversammlung eingeräumt. Heute nähmen sich Verwaltungsräte auch von grossen Unternehmen mehrere Stunden Zeit, um mit ihnen über Firmenpolitik und Salärsysteme zu diskutieren. Das habe mit dem Wandel in der Aktionärsstruktur zu tun. Heute bestünde ein Aktionariat vor allem aus institutionellen Anlegern wie Pensionskassen. Mit diesen müssten die Verwaltungsräte einen direkten Dialog pflegen, da diese viel einflussreicher sind als die einstigen Privatanleger.

Vorbild Norwegen

Biedermann wünschte sich freilich noch viel aktivere Aktionäre, etwa so wie in Norwegen. Dort habe sich der Staat mit seinem Ölstaatsfonds schon lange entschieden, in ethische Kriterien zu investieren. Weil dieser Staatsfonds mit 800 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen sehr einflussreich ist, folgen ihm auch kleinere Pensionskassen, deren Mitglieder eine grünere und sozialere Wirtschaft verlangen mit moderaten Managerlöhnen. Doch davon ist man in der Schweiz noch weit entfernt.