Zum Inhalt springen

Wirtschaft Genfer Lehrgang für Rohstoffhändler ist beliebt

Genf ist weltweit einer der wichtigsten Handelsplätze für Rohstoffe. Von drei Litern Erdöl, die auf dem Weltmarkt verkauft werden, wird einer über Genf gehandelt. Ein umstrittenes Business, das aber viele Studenten anzieht.

Legende:
Erdöl: Marktanteil der Rohstoffhändler in der Genfersee-Region am weltweiten Handel. Geneva Trading and Shipping Association (GTSA)
Ein Händler an der New Yorker Rohstoffbörse mit einem gelben Badge am schwarzen Jackett.
Legende: Händler an einer Rohstoffbörse: Ein Traumberuf? Die Universität Genf hat einen Trading-Masterkurs entwickelt. Keystone/Symbolbild

Master of Art in International Trading, Commodity Fincance & Shipping: So lautet der etwas längliche Titel des Rohstoffhandel-Lehrgangs, den die Universität Genf seit 2008 anbietet. Die Professorin begrüsst ihre knapp 30 Studenten. Dann geht es um zwingende Haftungsregeln für internationale Schiffstransporte.

Das Thema ist etwas trocken. Was interessiert diese jungen Leute in Shorts und Turnschuhen an diesem Studium? «Die gute Verbindung zwischen Theorie und Praxis», sagt eine griechische Studentin, die ihren Namen nicht nennen will. Theorie lernen sie an der Uni, die Praxis in einer der 500 Handelsfirmen in Genf. Denn um zugelassen zu werden, muss man bereits im Business arbeiten.

Geheimhaltung als oberste Tugend

Doch warum will man eigentlich Trader werden? Um viel Geld zu verdienen? Das sei einer von vielen Gründen, doch nicht der wichtigste, so der Tenor. Im Vordergrund steht für einen anderen Studenten das Reisen. Auch er will anonym bleiben. Anonymität ist ein Markenzeichen der Branche. Kaum ein Unternehmen veröffentlicht Zahlen, kaum ein Trader spricht mit den Medien. Warum diese Verschlossenheit?

Ein Trader sei kein Waschmittelverkäufer, der sein Produkt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen müsse. Ein Trader habe kein Interesse daran, dass man von ihm spreche, antwortet der gut 20-Jährige. Zumal man meist schlecht von ihnen spreche.

Der Vorwurf: Die enormen Margen werden auf Kosten der Umwelt und durch schlechte Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern erzeugt. Die Studentin aus Griechenland versteht die Kritik. Genau deshalb mache ihr Studium auch Sinn.

«Ziel eines Traders ist Geld verdienen»

Denn neben Trading-Kursen hätten sie auch Vorlesungen über unternehmerische Sozialverantwortung und Gastreferenten von Nichtregierungsorganisationen wie etwa der Erklärung von Bern. Was hat sie davon mitgenommen? Das sei schon etwas länger her, sagt sie. Auf die Schnelle weiss die Studentin das nicht mehr.

Ohnehin, sagt ihr Kollege, sei das Ziel eines Traders nicht die Verbesserung der Lebenssituation in Drittweltländern. Das Ziel sei schlicht, Geld zu verdienen.

Legende:
Kaffee: Marktanteil der Rohstoffhändler in der Genfersee-Region am weltweiten Handel. Geneva Trading and Shipping Association (GTSA)

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Emma Meier, Ehrendingen
    Die Studentin aus Griechenland "versteht zwar die Kritik", hat aber bereits vergessen, was sie an kritischen Einwänden (unternehmerische Sozialverantwortung, Ausbeutung, Umweltschäden, etc.) gehört hat. Worin, bitte, sieht sie denn trotzdem noch einen Sinn ihrer Ausbildung? Diese Mentalität und auch diejenige ihres Kollegen sind in ihrer Ignoranz nicht zu überbieten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen