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Sinkende Werbeeinnahmen Gewinneinbruch bei Tamedia

Legende: Audio Wieder Umsatzrückgang bei der Tamedia abspielen. Laufzeit 01:42 Minuten.
01:42 min, aus SRF 4 News aktuell vom 02.03.2017.
  • Der Reingewinn von Tamedia sank im vergangenen Jahr von 334 Millionen Franken auf nur noch 122,3 Millionen.
  • Im Vorjahr hatte allerdings die Fusion von search.ch und local.ch besonders viel Geld in die Konzernkasse gespült.
  • Der Umsatz sank ebenfalls, nämlich um 5,5 Prozent auf etwas über 1 Milliarde Franken.
  • Trotz Gewinneinbruch sollen die Aktionäre eine unveränderte Dividende von 4.50 Franken erhalten.

Die Tamedia-Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr belegen, dass der Medienkonzern weiter mit sinkenden Werbeeinnahmen zu kämpfen hat. Der Konzern gibt unter anderem den «Tagesanzeiger» und die «Sonntagszeitung» heraus – gleichzeitig ist Tamedia auch beteiligt an diversen digitalen Angeboten wie starticket.ch oder ricardo.ch.

Auch operativ schlechter

Den Umsatzrückgang begründet der Konzern mit dem strukturellen Wandel des Print-Werbemarktes, der Einstellung der Winterthurer Druckerei Ziegler auf Ende 2015 sowie mit dem Verkauf der Swiss Online Shopping AG.

Auch operativ schnitt Tamedia 2016 schlechter ab: So sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 13,1 Prozent auf 113,5 Millionen Franken.

«Unerfreuliche Entwicklung»

Dieser Trend hält nun schon seit mehreren Jahren an. Für Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident von Tamedia, eine «unerfreuliche Entwicklung» wie es in der Medienmitteilung heisst.

Zeitungen und Zeitschriften sind mit Abstand das wichtigste Standbein für Tamedia. Allerdings sind die Einnahmen aus dem Verkauf von Inseraten gerade in der regionalen Presse stark zurückgegangen.

Digitales immer wichtiger

Den digitalen Bereich hat Tamedia in den vergangenen Jahren schrittweise zu einem wichtigen Standbein ausgebaut – dazu gehören Doodle, homegate, zattoo oder jobs.ch. Tamedia macht damit inzwischen gut 20 Prozent seines Umsatzes.

Der Digitalanteil am Ergebnis hat sich im letzten Jahr weiter erhöht: So stammen bereits 31 Prozent (im Vorjahr 28 Prozent) des Umsatzes von den kommerziellen und publizistischen Digitalangeboten.

Einschätzung von Wirtschaftsredaktor Matthias Heim

Die Umwälzungen in der Medienwelt halten unverändert an. Insbesondere Inserenten wenden sich – wie seit Jahren – von der Tagespresse ab.
Bei Tamedia macht sich das in Form von sinkenden Einnahmen bemerkbar.

Gleichzeitig hat Tamedia bereits in den 2000-er Jahren begonnen, neue Geschäftsbereiche aufzubauen: Inzwischen ist der digitale Bereich für Tamedia zu einem wichtigen Pfeiler geworden. Insbesondere das Pendlermedium «20 Minuten» hat Tamedia zu einer erfolgreichen Marke aufgebaut und darum herum neue Angebote lanciert.

Trotzdem kann der digitale Bereich bislang die Ausfälle im analogen Bereich bei den Zeitungen und Zeitschriften (noch) nicht kompensieren. Kommt hinzu, dass gerade im digitalen Bereich die Beständigkeit des Geschäfts gering ist, was Tamedia wie auch andere Medienunternehmen zu steten Veränderungen und Anpassungen zwingt.

Weniger Lohn für den Chef

Entsprechend den rückläufigen Gewinnzahlen von Tamedia verdiente auch Konzernchef Christoph Tonini 2016 deutlich weniger: Sein Lohn ging auf 2,7 Millionen Franken zurück nach 6,1 Millionen im Vorjahr.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    120 Mio Gewinn bei 1 Mia Umsatz ist über 10% Gewinn! Das ist eine gute Quote! Aber heutige Aktionäre bekommen einfach den Hals nicht voll... In der Hochkonjunktur galten 10% Gewinn als beinahe unanständig hoch - und das war vermutlich genau der Grund, warum damals die Wirtschaft so gut lief - weil die Firmen das Geld ausgaben und investierten, anstatt es an die Aktionäre auszuschütten.
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  • Kommentar von Hermann Dettwiler (Alapeller)
    Es braucht keinen Gewinn - Hauptsache keine Verluste. Gewinn ist Profit für wenige, welche gar keine Leistung beigetragen haben.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Er wird ganz zusammenbrechen, wenn Tamedia an ihrem Clickbait-Konzept festhält und die Leute merken, dass sie nur noch sensationsgeile Mainstream- und politisch gesteuerte Berichterstattung zu sehen kriegen, die zum Klicken animiert. Unseriöser Journalismus darf ruhig ganz aussterben. In diesem Sinne prophylaktisch: Adieu Tamedia.
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