Google-Drohne soll Internet in die Wüste bringen

Der Internetkonzern Google kauft den Drohnenhersteller Titan Aerospace. Das Unternehmen will damit seine Pläne vorantreiben, drahtloses Internet auch an die entlegensten Orte der Welt zu bringen. Auch Facebook verfolgt ähnliche Pläne.

Ein Drohne fliegt über das Meer.

Bildlegende: Der Wettlauf um die weltweite Internetversorgung zwischen Google und Facebook ist eröffnet. Keystone

Karge Wüsten, kein Schatten und kein Wasser – aber Internetempfang: So ungefähr könnte die Zukunft bald aussehen. Möglich machen soll dies der Internetkonzern Google, der drahtloses Internet auch an die entlegensten Orte der Welt bringen will. Dafür kauft Google den Solardrohnen-Hersteller Titan Aerospace. Dies teilten beide Unternehmen mit.

Titan soll am Projekt Loon mitarbeiten. Dieses sieht vor, drahtloses Internet mit Hilfe von Ballons, an denen Antennen befestigt sind, auch in die abgelegensten Regionen der Erde zu bringen.

Afrika profitiert von Googles Plänen

SRF IT- und Digitalexperte, Peter Buchmann, ist von den Vorhaben Googles überzeugt: «Nicht zuletzt weil Facebook unabhängig dieselben Ziele verfolgt», sagt er. Daher müsse etwas an den Plänen dran sein.

Insbesondere für afrikanische Staaten könnte sich der plötzliche Internetempfang lohnen: «Da die Bankinfrastrukturen ungenügend entwickelt sind, wickeln die Bewohner – wo möglich – Zahlungen über ihr Handy ab». Irgendwann könnten dies alle Bewohner tun.

Sind unsere Phones doch nicht so smart?

Buchmann zweifelt hingegen an der Leistung heutiger Mobiltelefone: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Handys für die Verbindung mit den Drohnen technologisch genügend ausgereift sind». Wahrscheinlich würden erst die künftigen Geräte imstande sein, mit den Drohnen in weiter Distanz in Verbindung zu treten.

Wettlauf zwischen Facebook und Google

Die Drohnen von Titan, welche sich noch in der Entwicklung befinden, sollen mit Hilfe von Sonnenenergie angetrieben werden. Sie können so fünf Jahre in einer Höhe von etwa 19 Kilometern fliegen.

Mit einer Spannweite von knapp 50 Metern haben die Drohnen in etwa die Dimension einer Boeing 767. Die Technik soll bis 2015 einsatzbereit sein.

Ein Kaufpreis für das Unternehmen, an dem auch Facebook interessiert war, wurde nicht genannt. Laut dem US-Sender CNBC ging es um etwa 60 Millionen Dollar. Facebook übernahm stattdessen den britischen Drohnen-Entwickler Ascenta. Facebook verfolgt mit der Technik die gleichen Ziele wie Google und möchte ebenso Internetanschlüsse an entlegene Orte auf der Welt bringen.

Nur ein Drittel online

Das Kundenpotential für die beiden Unternehmen ist dabei immens. Derzeit ist nur etwa ein Drittel der Weltbevölkerung online.

In armen und dünn besiedelten Regionen sind die Infrastrukturen für ein Datennetz für die meisten Telekom-Anbieter zu hoch. Facebook und Google setzen darum auf eigene Projekte.