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Google News Lab Journalisten-Förderung – nicht ohne Hintergedanken

Legende: Audio Ein Google News Lab für Journalisten abspielen. Laufzeit 08:17 Minuten.
08:17 min, aus Echo der Zeit vom 29.03.2018.

Das Geschäft läuft gut. Google sagt, man möchte deshalb auch etwas dem Journalismus zurückgeben und hat die «Google News Initiative» gegründet.

Rund 20 Journalisten haben sich im Google-Hauptquartier in der Nähe des Hauptbahnhofs versammelt. Sie bilden sich weiter. Und sind begeistert: «Sehr spannend, sehr viel Neues gehört. Spannende Tricks und Kniffs. Helfen mir sicher weiter in meinem Leben», sagt der freie Journalist Stephan Camenzind.

110 Milliarden Dollar Umsatz – mit Onlinewerbung

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Google ist mittlerweile der mächtigste Medienkonzern weltweit. Alphabet, der Mutterkonzern von Google erzielte 2017 einen Umsatz von rund 110 Milliarden Dollar. Rund eine Milliarde Umsatz erzielte Google 2017 alleine in der Schweiz. Mit Onlinewerbung. Das Geschäftssystem ist denkbar einfach. Man vermittelt die Inhalte anderer – und verdient an der Werbung.

Google hat eingeladen. Gratis zu einer Schulung im Rahmen der «Google News Initiative». Eines von mehreren Projekten, mit denen Google Medienschaffende bei ihrer Arbeit unterstützen möchte. Wie Vani Sütcü, derzeit Leiterin des Google Newslabs sagt.

«Das Newslab richtet sich unter anderem direkt an Redaktionen und Journalisten und erarbeitet Wege, mit der Zielgruppe neue Technologien von Google in die Berichterstattung einzuarbeiten.» Einzuarbeiten heisst: Im News Lab in Zürich lernen die Journalisten vor allem, wie man Suchbegriffe für Google definiert, Datenbanken mit Google durchsucht, Tools wie Google Maps und die Bildersuche effektiver nutzen kann.

Gratis-Suche für Nutzerdaten

Mehr als 90 Prozent der Schweizer griffen 2017 auf google.ch als Suchmaschine zurück. In Europa kommt Google gar auf einen Länderschnitt von mehr als 92 Prozent. Google hilft uns bei der Suche nach Bildern und zeigt uns die neuesten Artikel an.

Der Service ist gratis – im Gegenzug liefern wir unsere Nutzerdaten, unser Suchverhalten, und helfen Google dabei, unsere Gewohnheiten kennenzulernen und Werbung personalisiert, zeitgesteuert und regionalisiert anzuzeigen.

Bedrohung für Verlage

Damit wird Google für verschiedene Marktteilnehmer zu einer mächtigen Konkurrenz. Rund eine Milliarde Franken an Werbegeldern soll das US-Unternehmen 2017 laut Schätzungen mit Online-Werbung in der Schweiz verdient haben. Tendenz nach wie vor steigend. Das wäre mehr als die Hälfte des ganzen Online-Werbeetats überhaupt. Für die Schweizer Verlage ist Google darum nicht nur ein Konkurrent – sondern eine regelrechte Bedrohung.

Bei Google sieht man das nicht so. «Wir bei Google sind der Meinung, dass wir nur in Zusammenarbeit mit unseren Partnern, den Verlagspartnern und Medienorganisationen, unsere Produkte entwickeln und auch am Leben erhalten können. Und wir sehen da eine gemeinsame Zukunft mit unseren Partnern», sagt Sütcü von Google Newslab.

Google wäre es mittelfristig am liebsten, wenn sie ohne uns auskommen würden.
Autor: Jean-Claude FrickJournalist

Google hat aus diesem Grund bereits vor drei Jahren die «Digital News Initiative» lanciert. Ein 150 Millionen Euro schweres Förderprojekt für europäische Medienunternehmen. Gefördert wird nebst journalistischer Arbeit auch das Entwickeln von Applikationen, wie beispielsweise eine europäische Datenbank für Recherchemedien, um Artikel auszutauschen. Ein ganz kleiner Teil des Geldes fliesst dabei auch in die Schweiz – knapp drei Millionen waren es bisher – keine zwei Prozent.

Die teilnehmenden Journalisten sehen das Engagement des Medienriesen denn auch durchaus kritisch. «Man muss sich schon bewusst sein, dass das Google nicht ‹just for fun› tut. Das Unternehmen möchte ja, dass wir gegenüber Google positiv gestimmt sind», sagt etwa der Journalist Jean-Claude Frick. Auch wenn der Kurs gut gemacht sei: «Aber man muss sich ganz klar bewusst sein: Google wäre es mittelfristig am liebsten, wenn sie ohne uns auskommen würden.»

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Europas tragischer Fehler war, die US Online Giganten nicht zu blockieren, weshalb sich nie ein europäisches Biotop bilden konnte. China hat heute eine sehr innovative Online Welt, die teils schon viel fortschrittlicher ist als die Amerikanische. Ohne Blockieren von Google, Facebook und Co am Anfang wäre das nie möglich gewesen.
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    1. Antwort von Paul Soltermann (ps)
      Ich meine, es war nicht das primaere Ziel von China den Einheimischen Onlinemedien ein Biotop zu verschaffen. Die Blockierung der 'Fake-Medien' war die richtige und notwendige Antwort auf die von Aussen (vom Westen) angezettelten Aufstaende in der Moslem-Provinz und im Tibet. Das Resultat ist fuer 98% dieser Bevoelkerung eine wohltuende Ruhe. Die restlichen 2% sind Leute die eh gerne zündeln, die sich aber anpassen oder ins Gefaengnis gehen muessen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    'Google sagt, man möchte deshalb auch etwas dem Journalismus zurückgeben' scheint mir ein echtes Danaergeschenk zu sein. Je länger solche Geschichten laufen, zuerst aus Infrastrukturen, von Menschen, aus dem Gemeinwesen herausholen, was das Zeug hält, um es dann grosszügigerweise und in philanthropischer Manier zu 'schenken'... Es macht doch mehr Sinn, die Journalisten in Europa tun sich zusammen und starten ein eigenes Projekt. Die Unterstützung der breiten Öffentlichkeit wär ihnen gewiss.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Diese Förderung heisst von Googleseite ohne arbeitgeberische Verpflichtungen möglichst alles aus diesen Fachkräften rausholen. Denn eines sollte allen klar sein Grosskonzerne scheuen wie der Teufel das Weihwasser: arbeitgeberische und finanzielle Verpflichtungen in Form von Verträgen und Steuern...Denn das Finanzkapital muss ja nach liberalem Credo frei und ungebunden sein können....
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