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Saudis bauen Wirtschaft um Grossbanken wittern grosse Geschäfte

Weniger abhängig vom Erdöl werden, mehr privatisieren. Für Investmentbanken tut sich in Riad gerade ein Eldorado auf.

Legende: Audio UBS und CS wittern lukrative Geschäfte in Saudi-Arabien abspielen. Laufzeit 02:53 Minuten.
02:53 min, aus Echo der Zeit vom 30.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Saudi-Arabien baut zurzeit seine Wirtschaft massiv um. Kernstück ist das Reformprogramm «Vision 2030».
  • Das Programm soll die Abhängigkeit von Erdöl verringern. Dazu gehören auch Privatisierungen wie etwa der Börsengang des weltgrössten Erdölkonzerns Aramco.
  • Das eröffnet für Grossbanken neue Geschäftschancen. Auch die UBS und Credit Suisse bringen sich in Stellung.

Aus Sicht von Investmentbanken ist Saudi-Arabien eine Art Eldorado: Der bisher geschlossene Aktienmarkt wird gerade für ausländische Investoren geöffnet, Teile der staatlichen Ölgesellschaft Aramco werden an die Börse gebracht, der Privatsektor gefördert. Zudem gibt der Staat neue Anleihen aus, weil er in Zeiten niedriger Ölpreise dringend Geld braucht. Kurzum: Milliarden von Dollar sind gerade in Bewegung. Das verspricht lohnende Geschäfte auch für die beteiligten Banken.

Für Eckart Woertz, Ökonom und Nahost-Experte am «Barcelona Centre for International Affairs», der als Banker in der Golfregion gearbeitet hat, ist klar: Bei der Umsetzung der Pläne kommen auch ausländische Institute zum Zuge. «Saudi-Arabien war nie Nordkorea. Der Kapitalmarkt war vielleicht geschlossen, aber ansonsten ist die Wirtschaft sehr offen, was die Zolltarife, den Handel und den Kapitalverkehr angeht.»

Kundenberater gesucht

Und so versucht derzeit alles, was in der westlichen Finanzwelt Rang und Namen hat, sich im harten Wettbewerb am Golf zu positionieren: Von den US-Banken Goldman-Sachs und Citibank über die britische HSBC bis zur Deutschen Bank. Und auch die Schweizer Grossbanken sind dabei.

Wirtschaftsagenturen berichten, dass die Crédit Suisse derzeit neue Kundenberater für ihr Saudi-Arabien-Geschäft sucht und bereits 600 Millionen Dollar für den Ausbau ihres dortigen Geschäfts beiseite gelegt hat. Die Bank dementiert das auf Anfrage nicht.

CS strebt volle Banklizenz an

Offiziell lässt die CS nur verlauten, dass sie Saudi-Arabien als wichtigen Wachstumsmarkt für ihre Vermögensverwaltung erachtet. Geschäften kann sie dort aber auch schon jetzt: Sie kann Dienstleistungen und Produkte für vermögende Kunden anbieten, allerdings nur zusammen mit einer lokalen Bank, welche die Depot-Abwicklung für die Schweizer übernimmt.

In einem zweiten Schritt will die Crédit Suisse nun eine volle Banklizenz für das Königreich beantragen. Allerdings wohl erst im kommenden Jahr, wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist. Die Bank könnte dann auch eigene Zweigstellen eröffnen.

UBS bereits seit acht Jahren im Königreich aktiv

Konkurrenten wie J.P. Morgan, Deutsche Bank oder UBS sind schon weiter. Sie haben bereits volle Banklizenzen und wachsen im Königreich, indem sie Minderheitsbeteiligungen an lokalen Banken kaufen.

Die UBS ist nach eigenen Angaben schon seit acht Jahren in Saudi-Arabien aktiv und hat Büros vor Ort, unter anderem in der Hauptstadt Riad. Es sei ein wichtiger Markt mit viel Potenzial, heisst es. Einzelheiten zum Geschäftsumfang oder den angelegten Kundengeldern will aber auch die UBS nicht preisgeben.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Solche Meldungen zeigen die Verlogenheit der Politik des Westens auf, z.B. wenn der Westen die Regierungen von Syrien oder Russland verteufelt und sanktioniert. Es geht nicht um Menschenrechte, Demokratie usw. sondern ums Geschäft. Die Saudis sind die "Guten", weil sich mit ihnen verdienen lässt. Irak, Libyen, Syrien und Russland wie viele andere zuvor auch, werden angegriffen, weil sie sich den westlichen Interessen in die Quere stellen. Der Westen geht fürs Geschäft über Leichen.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Unsere Banken tätigen Geschäfte mit einem mörderischen Regime und tragen so direkt zum Leid der Menschen im Jemen bei; Bild online: Hölle Jemen-Was die Saudis mit diesen Kindern zu tun haben-Journalisten sollen nicht über Hunger, Krieg und Krankheit berichten. Der Standard.at: Saudi-Arabien bestätigt Einsatz britischer Streubomben im Jemen-Menschenrechtsorganisationen hatten der Militärkoalition vorgeworfen, Wohngebiete, Märkte, Schulen und Krankenhäuser mit Streubomben angegriffen zu haben.
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  • Kommentar von Giovanni Serini (FreivonReligion)
    Geschäfte mit dem Teufel lohnt sich...Menschenrechte oder Terror hin oder her....
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