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Gute Führung Menschenfreund gesucht

Legende: Video Was ist ein guter Chef? – die Umfrage abspielen. Laufzeit 0:34 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.06.2018.

Soll ein guter Chef die Märkte im Blick haben? Oder seine Mitarbeiter? Und wie eng soll er sie führen? Je nach Generation ist das Ansichtssache.

«Ein guter Chef muss vor allen Dingen eines: Menschen mögen.» Das sagt Kerstin Humberg im Gespräch mit SRF 4 News am Swiss Economic Forum. Sie ist Leiterin Positive Business bei der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie. Sie führt aus: «Er muss das Gute in seinen Mitarbeitern sehen und auch versuchen, diese Potenziale zu entfalten.»

Dazu müsse ein Chef sich erst einmal sich selbst gut kennen. «Er muss wissen, wofür er steht, wie er tickt, er muss sich selbst gut führen können, um seine Mitarbeiter gut führen zu können.»

Gelingt das, könne ein Unternehmen vom sogenannten «Glücksvorteil» profitieren. Denn zufriedene Mitarbeiter seien kreativer, produktiver und auch loyaler.

Frau und Mann unterhalten sich.
Legende: Wie geht gute Führung? Kerstin Humberg und Daniel Baumgartner im Gespräch mit SRF 4 News. SRF

Dass die Angestellten im Zentrum stehen müssen, sieht auch Korpskommandant Daniel Baumgartner so. «Man muss auf die Leute eingehen und für sie Sorge tragen.» In der Armee allerdings gehe es um Hierarchien und darum, dass oben befiehlt und unten ausführt.

Ein veraltetes Führungsverständnis? «Ich glaube überhaupt nicht, dass es veraltet ist», sagt Daniel Baumgartner. «Man hat ein Ziel zu erreichen.»

Die Wissenschaft sagt dazu: Hierarchien wird es wohl immer geben. Aber sie müssen nicht mehr offiziell deklariert werden, sondern entwickeln sich durch Wissen und Können.

Urs Jörg

Urs Jörg

Urs Jörg ist Studienleiter des Masterstudiengangs Leadership and Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und lehrt dort gutes Führen.

SRF News: Urs Jörg, gehören Befehle und Anordnungen zum guten Führen?

Ob sie zum guten Führen gehören, lässt sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Ich möchte darauf hinweisen, dass sich gute Führung dadurch auszeichnet, dass wir einen Weg finden, einen konstruktiven Beitrag zum Unternehmenserfolg und für die Mitarbeitenden zu leisten. Wenn es in bestimmten Situationen angemessen ist, etwas anzuordnen, ist das durchaus legitim.

Wie haben sich denn die Ansprüche an einen guten Chef durch die Jahre geändert?

Ich denke, der Anspruch an Führungspersonen ist heute höher. Auf der einen Seite entwickeln sich Unternehmen wesentlich schneller. Wegen der Tatsache, dass sich die Ansprüche der Kunden aufgrund neuer Technologien schneller ändern, sind Organisationen viel stärker gefordert. Sie müssen bereit sein, Chancen zu erkennen und Verbesserungsinitiativen auch kontinuierlich zu fördern. Das ist aus meiner Sicht heute wesentlich akzentuierter.

Ist das Führen von Mitarbeitenden heute schwieriger als früher?

Ja, ich bin der Meinung, es sei schwieriger geworden. Gleichzeitig ist es auch spannender geworden und bietet mehr Möglichkeiten, weil viele Leute heute aufgrund ihrer Ausbildung auch mitgestalten wollen. Das ist ein unglaubliches Potenzial. Das kann man nutzen. Ich spreche vor allem von gut ausgebildeten Leuten.

Braucht es denn heute noch zwingend Hierarchien, um richtig führen zu können?

Das ist eine sehr spannende Frage und an der Frage finde ich vor allem den Ausdruck «zwingend» eher schwierig bis herausfordernd. Ich denke, dass es immer Formen von Hierarchien geben wird, wenn Menschen zusammenarbeiten.

Es stellt sich die Frage, ob diese Hierarchien offiziell deklariert sein müssen. Oder ob es genügt, dass sich Hierarchien aufgrund von Wissen und Können entwickeln. Selbst wenn deklariert wäre, dass es keine Hierarchie gebe, würde es trotzdem eine geben. Es sind nicht alle gleich, und es können nicht alle dasselbe.

Das Gespräch führte Kevin Capellini.

Interviews

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Alle «ECO Spezial»-Gespräche vom Swiss Economic Forum sind hier zu finden.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Gut führen kann nur der, der erkannt hat, welche Talente der Einzelne im Team besitzt und ihn dort wo seine Stärke und Freude liegt wirken zu lassen -dabei aber nie die gebührend höfliche Kontrolle der Arbeitsergebnisse vernachlässigen -selbst mutig zu den eigenen Anordnungen als Teamleiter stehen und Fehler immer mittragen. Gute Leistungen hervorheben und entsprechend belohnen. Ziele setzen und Zukunft absichern .
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  • Kommentar von Geneviève Schmid (Geneviève)
    Wissen und Können der Mitarbeiter schätzen und nutzen. Die Leute mit gestalten lassen. Gilt jedoch nicht nur für "gut" ausgebildete Leute - sondern für alle. Die, die den Job täglich machen - ob am Verkaufstresen, im Lager, beim Gleisbau, als Webdesigner, Lehrer, Ärztin, Pfleger, Gärtnerin, Reinigungskraft... - wissen Bescheid und sind wichtig für Verbesserungen..."oben" und "unten" müssen immer zusammenarbeiten.
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Es hat schon etwas, aber auch etwas von allem. Wenn man eine Gruppe sich selbst überlässt bis sich die Hierarchie selbst ergibt, ergibt das erwiesenermassen nicht das gewünschte Resultat. Sehr schnell führt das "Alphatier" und wenn sich das verrennt, kann es niemand korrigieren.
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