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Hackerangriff auf Coincheck Räuber machen fette Beute mit Kryptowährung

Was ist passiert? Bei einem Angriff auf die japanische Börse Coincheck erbeuteten Hacker letzten Freitag digitale Münzen der Kryptowährung Nem im Wert von 534 Millionen Dollar. Bestohlen wurden rund 280'000 Kunden von Coincheck.

Wer ist Coincheck? Coincheck ist eine Wechselstube für Kryptowährungen und eine der grossen solchen Tauschbörsen auf dem japanischen Markt.

Was ist Nem? Diese Digitalwährung gibt es seit knapp drei Jahren. Ihr Name ist eine Abkürzung für «New Economy Movement». Die Entwickler sehen sie als Zahlungsmittel, das ähnlich wie Bitcoin nicht von Staaten oder Notenbanken kontrolliert wird. Aktuell kostet ein Nem etwa 0,95 Dollar.

Wozu dient Nem? Deren Erfinder sehen die Kryptowährung als Mittel für schnelle und kostengünstige weltweite Transaktionen. Gemäss dem Branchendienst CoinMarketCap.com ist Nem mit einer Marktkapitalisierung von 8,6 Milliarden Dollar die Nummer zehn der knapp 1500 Kryptowährungen.

Wie war dieser Millionen-Diebstahl möglich? Laut SRF-Digitalredaktor Peter Buchmann ist offensichtlich, dass Coincheck die Sicherheit vernachlässigt hat: So waren etwa die Konten für die digitalen Währungen direkt mit dem Internet verbunden. Zudem waren sie nur mit einem Passwort geschützt. Für eine bessere, technische anspruchsvolle Sicherung habe Coinchek zu wenig Personal, begründete der 27-jährige Geschäftsführer diese Nachlässigkeiten.

Wer sind die Räuber? «Man weiss nicht, wer das Geld gestohlen hat», sagt Buchmann. Bekannt ist aber, dass die gut 500 Millionen Dollar digitalen Münzen der Kryptowährung Nem auf elf Konten verteilt wurden. Diese Konten sind übers Internet öffentlich einsehbar. Denn bei vielen Kryptowährungen sei die Buchhaltung (sogenannte Blockchain aus unzähligen Computern) öffentlich, man könne also alle Transaktionen einsehen. Wem jedoch jeweils ein Konto gehöre, bleibe geheim.

Können die Diebe so mit der Beute überhaupt etwas anfangen? Für sie ist es nicht einfach, die gestohlenen digitalen Münzen unbeobachtet zu verschieben. Noch schwieriger wird es laut Buchmann, wenn sie die Kryptowährung in eine konventionelle Währung wechseln möchten. Anonym sei dies kaum möglich, schon gar nicht wenn es um Millionenbeträge gehe.

Haben die Coincheck-Kunden ihr Geld nun verloren? Nein, sie kommen mit einem blauen Auge davon. Denn die Verantwortlichen der Firma haben versprochen, die Kunden grösstenteils zu entschädigen. Coincheck will ihnen rund 400 Millionen Dollar zur Schadensbegrenzung bezahlen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Tanner (mikado5034)
    Coincheck hat die Konti nur mit Passwort geschützt vom Internet zugänglich gemacht. Aha! Dumm ist, wer dummes tut. "Kann ja mal vorkommen... " - Aber noch viel dümmer ist, wer zulässt, dass Dumme mit seinem Geld Dummes tun. Die ganze Cryptowährungs-Dings scheint mir ganz besonders ein Tummelplatz Dummer und noch viel Dümmerer auf dem Spielplatz Krimineller zu sein. Fehlt noch, dass die ganze Cryptowährungs-Dings öffentlich wird und die Gesellschaft für Schäden Dummer haftbar gemacht wird.
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  • Kommentar von Urs Ziegler (Urs Ziegler)
    Das ist der Bankraub 2.0: bequem von zuhause aus, stress- und verfolgungsfrei, Die Kryptowährungen sind eine wahrer Segen für diese Branche.
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  • Kommentar von Andrea Esslinger (weiterdenken)
    Und da möchte meine Bank immer noch, dass ich Internet Banking mache. Ich gehe gerne noch ein paar Schritte zu meiner Bank.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Sie vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Seit gut 15 Jahren nutze ich E-Banking und hatte 0 Probleme damit. Ihr Lohn/Rente dürfte auch über E-Banking ausbezahlt werden. Wären die Banken zudem gleich nachlässig wie Coincheck, so würde es Ihnen nichts bringen, ihr Geld händisch zur Bank zu tragen, denn es wurden die Konten direkt auf dem System von Coincheck geplündert und nicht Transaktionen manipuliert.
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    2. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Frau Esslinger, wenn Sie elementare Sicherheitsregeln beim Internetbanking beachten ist die Wahrscheinlichkeit hier deutlich geringer, dass Sie Geld verlieren, als wenn Sie Bargeld von der Bank holen oder dorthin bringen. Wie Herr Koller mache ich schon seit beinahe 30 Jahren Online-Banking (noch unter Videotex) und habe deswegen noch nie einen Franken verloren, aber sehr viel an Zeit und Gebühren gespart.
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