Harter Franken: Die raren Gewinner der Schweizer Wirtschaft

Der harte Franken bringt zahlreiche Schweizer Unternehmen in Bedrängnis. Der Wegfall des Mindestkurses hat aber – zumindest in der Theorie – auch gute Seiten für die hiesige Wirtschaft. Dennoch sind eigentliche Gewinner auf Seiten der Unternehmen kaum auszumachen.

Ein Kran entlädt einen Container von einem Lastwagen im Hafen Kleinhueningen in Basel.

Bildlegende: Nach dem Wegfall des Euro-Mindestkurses passten Schweizer Importeure die Preise an, um Parallelimporte zu verhindern. Keystone

Seit dem Wegfall des Euro-Mindestkurses vergeht kein Tag ohne Hiobs-Botschaft aus der Schweizer Wirtschaft: Unternehmen streichen Stellen, verlegen Teile ihrer Produktion ins Ausland oder erhöhen die Arbeitszeit der Mitarbeitenden. Die Massnahme der Schweizerischen Nationalbank (SNB) setzt vor allem den Exportsektor unter Druck. Doch wie sieht es für die übrige Wirtschaft aus? Gibt es auf Seiten der Unternehmen Gewinner, für welche der sogenannte Franken-Schock ein Segen ist?

Schnellere Preisanpassungen als 2011

Es wäre naheliegend, wenn das Gegenstück zum Exportsektor, die Importwirtschaft, von der Aufwertung des Frankens profitieren würde. Tatsächlich konnte diese gemäss Rudolf Minsch, Chefökonom bei Economiesuisse, aber nur kurzzeitig ihre Margen erhöhen. Um einen sprunghaften Anstieg der Parallelimporte wie 2011 zu verhindern und ihren Marktanteil zu erhalten, passten die Importeure nämlich ihre Preise dieses Mal viel schneller an.

Mehr Kaufkraft für Unternehmen

Einen Vorteil bringt die Aufwertung des Frankes gemäss Minsch hingegen für Schweizer Unternehmen auf jeden Fall mit sich: Die Erhöhung der Kaufkraft. «Dadurch, dass die Cash-Positionen in Schweizer Franken der Unternehmen an Wert zugenommen haben, könnten gewisse Unternehmen nun leichter einen ausländischen Konkurrenten der Euro-Zone übernehmen», so Minsch.

Dank der grösseren Kaufkraft sei es Schweizer Unternehmen nun möglich, einen Teil des Kostennachteils, den sie gegenwärtig erleiden, dadurch wettzumachen, dass sie günstiger aus dem Euro-Raum Waren beziehen. Für KMU würden sich besonders Einkaufsgenossenschaften bezahlt machen: «Indem sie kollektiv grössere Warenmengen beschaffen, können sie bessere Konditionen durchsetzen», so Minsch.

Kein Vorteil für die Reisebranche

Auch Anbieter von Reisen in die EU konnten bisher entgegen aller Erwartungen kein Kapital aus den tiefen Euro-Preisen schlagen. Wie Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands erklärt, wurden die Wechselkurse nämlich für die gesamte Sommersaison bereits abgesichert. Dadurch seien die Reiseveranstalter zum Erhalt ihrer Konkurrenzfähigkeit gezwungen, einen Währungsrabatt auf die Katalogpreise von rund 15 Prozent zulasten ihrer Margen weiterzugeben.

Ferner ist gemäss Kunz unklar, ob die Reisen in Euro-Länder 2015 überhaupt zunehmen und die Reiseveranstalter von einem Kundenzuwachs profitieren werden können: «Wir erwarten ein schwieriges Jahr, weil aufgrund der Frankenstärke in vielen anderen Branchen Arbeitsplätze möglicherweise in Gefahr sind oder abgebaut werden könnten. Das verunsichert und drückt auf die Konsumentenstimmung.»

Autos zu Spottpreisen

Auch die Autobranche reagierte auf den Wegfall des Euro-Mindestkurses sehr schnell und konnte bisher nicht vom harten Franken profitieren. Anfang Februar waren Autos gemäss Andreas Burgener, Direktor der Vereinigung der Automobil-Importeure Auto Schweiz, so billig wie seit langem nicht mehr. Dabei entstanden grosse Wertverluste bei den Händlern, die Neuwagen oder Occasionen an Lager haben. Wie sich die Massnahme des SNB auf die Autoverkäufe im Verlauf des Jahres auswirken wird, steht Burgener zufolge derzeit nicht fest: «Wir wissen aber, dass es auf Seiten der Kunden sehr positive Reaktionen gab.» Es ist demnach nicht auszuschliessen, dass die tiefen Preise im Verlauf des Jahres zu einem Verkaufs-Boom führen könnten.

Fluch und Segen für die Immobilienbranche

Gute und weniger gute Seiten hat die Aufgabe des Euro-Mindestkurses für die Immobilienbranche. Einer Studie der Grossbank Credit Suisse zufolge treibt der starke Franken zwar die Anleger erst recht dazu, Geld in Immobilien zu stecken. Das Interesse an Immobilienanlagen wird daher weiter zunehmen.

Gleichzeitig trifft aber der Frankenschock die Immobilienbranche unmittelbar an der Front: Unternehmen würden Raumkosten sparen wollen. Die Nachfrage nach Mietflächen würde daher zurückgehen.

Nicht alle Export-Unternehmen sind Verlierer

Für Philipp C. Bauer, Bereichsleiter Wirtschaft und Arbeitsmarkt beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, wird der Franken-Schock nicht alle Exportsegmente notwendigerweise hart treffen. «Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass einzigartige Produkte mit einem hohen Innovationsgrad oder Luxusgüter wie Uhren und Schmuck relativ preisunelastisch sind. Konsumenten sind auch dann noch bereit, diese Produkte zu kaufen, wenn ihre Preise in die Höhe schnellen, da diese Produkte nicht einfach austauschbar sind.»