Hausbesitzer in Osteuropa sind verzweifelt

Der Entscheid der Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzugeben, hat auch in Osteuropa Besorgnis ausgelöst. Denn in Polen und Ungarn haben viele Hausbesitzer Darlehen in Schweizer Franken aufgenommen. Diese werden nun teurer.

Ein Stapel 100-Zloty-Noten auf einer Auslage von verschiedenen Schweizer Banknoten.

Bildlegende: Erst haben sie vom niedrigen Zins profitiert, nun zahlen Besitzer von Hypotheken in Franken drauf. Reuters

Der Höhenflug des Frankens, den die Schweizerische Nationalbank mit ihrer Abkehr vom Euro-Mindestkurs ausgelöst hat, kommt rund 700'000 Haushalte in Polen teuer zu stehen. Sie müssen ihre Immobilienkredite in Schweizer Franken abbezahlen. Die Währung Zloty verlor im Vergleich zum Franken fast 20 Prozent an Wert.

Zusätzliche Belastung für Haushaltskasse

Neben Polen ist auch Ungarn stark betroffen, weiss SRF-Osteuropa-Korrespondent Urs Bruderer. «In diesen beiden Ländern waren Darlehen in Franken vor der Finanzkrise 2008 sehr in Mode.» Die Banken boten sie an – und die Leute griffen zu. «Weil diese Kredite zu sehr viel tieferen Zinsen zu haben waren als in Zloty oder Forint.»

Für einen Haushalt in Polen oder Ungarn bedeutet der nun plötzlich viel teurere Franken, dass jeden Monat mehr bezahlt werden muss für eine solche Hypothek. «Das drückt natürlich aufs Budget.» Einigen Betroffenen droht der Verlust des Daches über dem Kopf. Bruderer rechnet zwar damit, dass die meisten den geschuldeten Betrag «schon irgendwie herausschwitzen» werden.

Ungarische Regierung schiebt einen Riegel

Doch die höheren Raten führen dazu, dass den Kreditnehmern weniger Geld für andere Anschaffungen zur Verfügung steht. Das könnte sich auf die gesamte Volkswirtschaft auswirken. «Weil in Polen so viele Leute von dem Problem betroffen sind, fehlt das Geld für den Konsum.» Angesichts dieser Aussichten ist die polnische Börse im Anschluss an den Entscheid der Nationalbank getaucht.

In Ungarn sei die Lage etwas anders, erklärt der Korrespondent. «Die Regierung hat dort kürzlich den Wechselkurs für solche Darlehen in Schweizer Franken – und allgemein in anderen Fremdwährungen – fixiert.»

Damit seien sie für Kreditnehmer weniger interessant geworden. Doch es bestünden noch viele Leasingverträge in Franken. «Etwa 200'000 Ungaren haben ihre Autos in Franken geleast. Deren Raten steigen jetzt natürlich auch um 20 bis 25 Prozent.»

Rückblickend könne man sagen, die Gesetzgeber in Polen und Ungarn hätten dem Treiben zu lange zugeschaut: «In Österreich zum Beispiel wurden solche Hypotheken 2008 verboten. Seitdem dürfen nur noch Personen eine Hypothek in Franken abschliessen, die auch tatsächlich Schweizer Franken verdienen.»