Heberlein in Wattwil: Industriegeschichte ohne Happy End

Mit dem Buch «Heberlein 1835 - 2015» kommt ein Stück Schweizer Industriegeschichte in den Handel. Es erzählt die Geschichte eines Familienunternehmens, das einmal zu den zwanzig grössten Industriebetrieben der Schweiz gehörte und dann doch aufgeben musste.

Warum Georg-Philipp Heberlein vor 180 Jahren nach Wattwil kam, wissen auch seine Nachkommen nicht so genau. Und hätte er nicht so schön Klavier spielen können, wäre er dort vielleicht auch nicht angestellt worden. Tatsache ist: Dieser Mann hat die Geschichte Wattwils im Toggenburg geprägt.

Aus dem Angestellten bei einer Garnfärberei wurde der Gründer eines Industriebetriebes, der einmal über 5000 Leute beschäftigte, über 2000 in Wattwil selbst. Es gab Krisen und Rückschläge, aber die Nachkommen Heberleins steuerten das Unternehmen durch Exporteinbrüche während zwei Weltkriegen, durch die Grosse Depression.

Dank Verkaufsschlagern wie Socken, Strumpfhosen, Skihosen und Unterwäsche aus Helanca konnte selbst die Billigkonkurrenz aus Entwicklungsländern den Konzern zunächst nicht unterkriegen. Trotzdem war im Mai 2001 Schluss: Die letzten 220 Beschäftigen in Wattwil wurden entlassen, die Empörung darüber war gross.

Der letzte Verwaltungsratspräsident der Heberlein Holding erinnert sich an jenen traurigen Tag. Robert Heberlein ist ein Nachkomme jenes Mannes, der dank seinem Klavierspiel 1835 in Wattwil angestellt wurde und das Unternehmen gründete. Er ist einer der Autoren des Buches und hat die Geschichte der Heberlein-Familien recherchiert, aus denen unter anderem Crossair-Gründer Moritz Suter und die ehemalige Bundesrätin Elisabeth Kopp stammen.