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Wirtschaft Hoffnungen der UBS ruhen auf China

Die Zahl der chinesischen Millionäre und Milliardäre wächst rasant. Kein Wunder also, hat die UBS diese Woche ihre zweite Niederlassung in Shanghai eröffnet. Doch chinesische Gelder zu verwalten birgt auch Risiken.

Legende: Video «Schweizer Banken im Reich der Mitte» abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.03.2016.

Ob in Europa oder in den USA: Die Banken kämpfen derzeit mit einem schwierigen Geschäftsumfeld. Turbulenzen an den Börsen, die europäische Tiefzinspolitik, der tiefe Erdölpreis: All dies bereitet den Vermögensverwaltern Kopfschmerzen.

Da verwundert es nicht, dass die Banken nun vermehrt alternative Märkte ins Auge fassen. Im Fokus steht Asien – und insbesondere China. In keinem andern Land sind die Menschen in den letzten Jahrzehnten so reich geworden. Und hinter den USA gibt es nirgends auf der Welt so viele Milliardäre, wie in der Volksrepublik. Das macht China auch für die Banken-Nation Schweiz zu einem Eldorado.

Nummer 1 unter den ausländischen Vermögensverwaltern

«In China steigt jede Woche jemand zum Milliardär auf, die Wachstumszahlen liegen bei 6,5 bis 7 Prozent. Ein solcher Ort ist für uns sehr attraktiv», schwärmt Jürg Zeltner, Mitglied der UBS-Konzernleitung. In der Wirtschaftsmetropole Shanghai hat die Grossbank nach Peking soeben eine zweite Filiale eröffnet.

Weltkarte des verwalteten Vermögens der UBS.
Legende: In Asien ist das Vermögensverwaltungs-Geschäft der UBS ist in den vergangenen drei Jahren am stärksten gewachsen. SRF

Tatsächlich hat die UBS in den letzten drei Jahren ihr Vermögensverwaltungs-Geschäft in Asien stark ausgebaut – die dort verwalteten Vermögen wuchsen um rund vierzig Prozent. In der Schweiz und in Nordamerika, dem grössten Markt, waren es lediglich je rund zwanzig Prozent. Das Geschäft in Europa hat sogar stagniert.

Bereits heute ist die UBS die Nummer eins unter den ausländischen Vermögensverwaltern in China. Auch die Schweizer Konkurrentin Credit Suisse mischt im Geschäft mit. Sie betreibt eine Filiale in Shanghai.

Die beiden Schweizer Grossbanken profitieren davon, dass die Vermögensverwaltung nicht zum Kerngeschäft der staatlichen chinesischen Banken zählt – mangels Know-how, wie Kurt Haerri, Präsident der Handelskammer Schweiz – China erklärt. «Die Chinesen erhoffen sich, dass die Präsenz ausländischer Bankinstitute zu einer Professionalisierung bei den einheimischen Banken führt», so Haerri.

«Bei Verfehlungen sind die Chinesen sehr konsequent»

Bei allem Optimismus: Der chinesische Markt birgt für ausländische Banken auch Risiken. Denn die meisten grossen chinesischen Bankinstitute sind in staatlicher Hand. «Derjenige, der die Regeln aufstellt, ist also zugleich der grösste Hauptkonkurrent der ausländischen Banken», gibt Kurt Haerri zu bedenken.

Legende: Video «Interview mit Kurt Haerri von der Handelskammer Schweiz-China» abspielen. Laufzeit 3:50 Minuten.
Vom 18.03.2016.

Zudem lastet auf den Banken ein enormer Druck. Hauptschwierigkeit ist, die rasant wachsenden chinesischen Vermögen gewinnbringend anzulegen. Denn Chinesen dürfen pro Jahr nur maximal 50'000 Dollar im Ausland investieren. Das Geld muss also grösstenteils in China angelegt werden. Bei den derzeit stark schwankenden chinesischen Aktien- und Immobilienmärkten gestaltet sich dies als schwierig.

Den auländischen Banken ist aber geraten, sich an die strengen chinesischen Richtlinien zu halten, denn bei Verstössen kennt der Staat kein Pardon. Gerade die UBS bekundete in der jüngeren Vergangenheit aber immer wieder Probleme, Compliance-Regeln bei den eigenen Mitarbeitern durchzusetzen. «Das ist ein grosses Risiko, denn bei Verfehlungen sind die Chinesen sehr konsequent», warnt Haerri.

9 Kommentare

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  • Kommentar von James Klausner (Harder11)
    An der chinesischen Börse erzockte Milliardenvermögen suchen nun dringend vor dem Crash den sicheren Hafen in Realwerten. Beängstigend! Die für die Schweiz Systemrelevante, durch Steuergelder gerettete UBS macht sich nun zum Werkeug für den grossen Ausverkauf in der Schweiz, beschönigend auch "Investitionen" genannt.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ausgerechnet auf China? Wird das Reich der Mitte letztendlich im Fall einer erneuten Finanzkrise unsere CH Bank retten müssen?
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    China hat sicherlich gigantische Probleme. Das wird zu strategischen Umbrüchen führen. Demgegenüber steht jedoch ein riesiges Heer von gut ausgebildeten und sehr ehrgeizigen Menschen. Viel Generationen lang im 19. und 20. JH waren Chinesen in Übersee vor allem billige, rechtlose Arbeiter. Erfolgreiche Chinesen sichern sich durch Investitionen ausserhalb Chinas ab. Immobilien sind nur ein kleiner Teil. Der weit aus Grösste sind Beteiligungen/Übernahmen von industriellen Branchen.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      An welche strategischen Umbrüche denken Sie? in welche Richtung gehen oder vermuten Sie diese? Das würde mich aufgrund Ihrer in allen Blogs fundierten Meinung, die ich äusserst schätze, brennend interessieren.
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    2. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      @Dudle: Umbrüche sehe ich in der Kohle-bzw. Energieindustrie. In Zukunft werden weltweit neue, modernste Quellen genutzt. Auch ein Wandel in der Herstellung von Grundrohstoffen aller Art (Metalle, Chemie etc.) zu Produkten mit grosser Wertschöpfung. Ziel wird die Produktion/Entwicklung von Hightech sein. Opfer werden wie überall Billiglohnarbeiter sein. Doch die Lösung für China kann nur saubere Energie/Produktion und Effizienz sein.
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    3. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Da bin ich absolut einverstanden. Nur frage ich mich, was mit den unzähligen Wanderarbeitern wird, die in den sich wandelnden arbeitsintensiven Bereichen auf die Strasse gestellt werden. Gerade im Primärsektor konzentrieren sich diese auf ganze Städte und Provinzen. An die Folgen in den in der Hightech führenden Gebieten der Welt will ich lieber nicht denken. Auch dort nimmt die Anzahl der Billigjobs bald stark ab, die Kaufkraft wird bei steigender Produktion einseitiger verteilt.
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