Holcim und Lafarge verhandeln: Kommt es zur «Zementhochzeit»?

In der Zementbranche könnte ein neuer Marktriese entstehen: Holcim und Lafarge, die beiden grössten Zementhersteller der Welt, verhandeln über eine mögliche Fusion. Die Gespräche sind offenbar weit fortgeschritten.

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Holcim plant offenbar Megafusion

2:23 min, aus Tagesschau vom 4.4.2014

Die Gespräche über eine mögliche Fusion zwischen den Marktführern Holcim und Lafarge sind fortgeschritten. Allerdings sei noch keine Übereinkunft erzielt worden, teilten die beiden Unternehmen mit.

«Zusammenschluss unter Gleichen»

Beide Unternehmen seien überzeugt, dass sich ihr Geschäft hervorragend ergänze, schreibt Holcim. Ein möglicher Zusammenschluss biete Vorteile für Kunden, Beschäftigte und Aktionäre.

Bei den Gesprächen gehe es um einen «Zusammenschluss unter Gleichen», der auf den «Stärken und der Identität der beiden Firmen aufbaue». Es gebe aber keine Gewissheit, dass die Gespräche tatsächlich zu einer Vereinbarung führten, betont Holcim.

Das Schweizer Unternehmen bestätigte damit überraschend Gespräche mit seinem französischen Konkurrenten Lafarge. Die geheimen Gespräche hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf «mit der Sache vertraute Personen» publik gemacht.

Zementriesen ergänzen sich gut

Gemäss Bloomberg käme eine kombinierte «französisch-schweizerische» Gesellschaft auf einen Marktwert von mehr als 50 Milliarden Dollar. Vor allem kartellrechtliche Bedenken könnten das Vorhaben allerdings noch platzen lassen, schrieb die US-Nachrichtenagentur.

«Es dürfte mögliche Wettbewerbsprobleme in den Vereinigten Staaten, Kanada, Brasilien und Frankreich geben, wo die beiden Unternehmen nach der Fusion eine marktbeherrschende Positionen hätten», erklärte Abdelkader Benchiha, Analyst bei der französischen Natixis, auf Anfrage von Reuters.

Für eine mögliche Fusion sieht Benchiha indes – vor allem geografisch – gute Gründe. «Lafarge ist stark in Afrika und dem Mittleren Osten. Dort ist Holcim praktisch inexistent.» Dagegen sei Holcim sehr präsent in Südamerika, wo Lafarge wiederum nicht etabliert sei. Ausserdem ergänzten sich die beiden Unternehmen auf dem asiatischen Markt gut.

Abbau von Überkapazitäten

Laut Bloomberg dürfte eine Fusion der beiden Firmen zu bedeutenden Kosteneinsparungen durch die Zusammenlegung ihrer Prozesse führen. Zudem könnten damit weltweite Überkapazitäten abgebaut werden. Dies gilt insbesonders dort wo die Nachfrage nach Baustoffen durch die jüngste globale Rezession gedämpft worden ist.

Der Schweizer und der französische Zementkonzern verfügen über eine ähnliche Grösse: Die etwas grössere Holcim ist mit rund 71'000 Mitarbeitenden in etwa 70 Ländern präsent. 2013 hat das Unternehmen einen Umsatz von gut 19,7 Milliarden Franken ausgewiesen. Die französische Lafarge beschäftigt rund 65'000 Angestellte in 64 Ländern. Sie erreichte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro.

Kurssprung

Die Fusionsgespräche katapultierten am Freitag die Aktienkurse der Branchengrössen nach oben. Holcim legte als bester Wert im Swiss Market Index (SMI) um mehr als acht Prozent zu, während Lafarge an der Spitze des französischen Börse CAC40 fast acht Prozent gewann.