Hollande erklärt Fall Paribas zur Chefsache

Wenn die beiden Präsidenten Frankreichs und der USA heute abend zusammen dinieren, dürfte die Stimmung ziemlich angespannt sein. Hollande will bei Obama intervenieren, weil die US-Justiz die französische Bank BNP Paribas seines Erachtens zu hart an packt.

Hollande und Obama verlassen das Podium nach einer Pressekonferenz anlässlich Hollandes Besuch bei Obama letzten Februar, im Hintergrund die US- und Frankreichfahne.

Bildlegende: Hollande will beim Nachtessen mit Obama über Paribas sprechen. Reuters Archiv

Frankreichs Präsident Hollande ist aufgebracht: Gerüchten zufolge will die US-Justiz der Bank BNP Paribas eine Busse von rund 10 Milliarden Dollar aufbrummen. Die grösste französische Bank soll gegen US-Sanktionen im Iran und in anderen Staaten verstossen haben. Hollande findet, 10 Milliarden Dollar seien weder gerecht noch verhältnismässig.

Mögliche Konsequenzen für Eurozone?

Seinen Unmut soll Hollande bereits Anfang April in einem Brief an Obama geäussert haben. Heute beim Diner will er Obama direkt darauf ansprechen, wie Hollande am Mittwochabend am Rande des G7-Gipfels in Brüssel ankündigte. Er verwies darauf, dass die BNP Paribas eine führende Bank der Eurozone sei. Deswegen könnten die Sanktionen sogar finanzielle und wirtschaftliche Konsequenzen für die gesamte europäische Währungsgemeinschaft haben.

Hollande dürfte auf Granit beissen

Ob er damit bei Obama allerdings Gehör findet, ist fraglich. Schliesslich ist es ein offenes Geheimnis, dass Obama die US-Justiz anhält, endlich hart mit fehlbaren Banken ins Gericht zu gehen. Erst vor Kurzem musste dies die Credit Suisse erfahren. Die Schweizer Grossbank muss 2,8 Milliarden Dollar Busse bezahlen und öffentlich ihre Schuld eingestehen, reichen Amerikanern beim Steuernhinterziehen geholfen zu haben.

Für BNP Paribas dürfte die Strafe noch happiger ausfallen: gerade deshalb nimmt sich nun Präsident Hollande der Sache persönlich an und erklärt den Fall quasi zur Chefsache.