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Holzwirtschaft in der Kritik Brett vor dem Kopf?

Wir sitzen und schlafen auf Holzmöbeln, gemütliche Holzchalets gelten als typisch schweizerisch. Doch Holz ist mehr als all das: Holz ist Innovationsmaterial, wenn man es richtig nutzt. Das mache die Schweiz aber nicht, kritisieren Experten.

Legende: Audio Empfehlungen zur besseren Nutzung der Ressource Holz abspielen.
3:09 min, aus Rendez-vous vom 07.11.2017.

Es ist der Wurm drin in der Schweizer Holzbranche. Seit 10 Jahren wurde nicht mehr so wenig Holz geerntet wie im letzten Jahr. Das sagt Martin Riediker von der Leitungsgruppe «Ressource Holz».

«Heute werden die Wälder zu wenig gepflegt.» Anders ausgedrückt: Die Schweiz könne doppelt so viel Holz ernten, ohne dass dies den Wäldern schaden würde. «In der Schweiz haben wir Nachwuchs pro Jahr von 10 Millionen Kubikmeter. Im letzten Jahr haben wir nur 4,6 Kubikmeter geerntet. Das ist etwas weniger als die Hälfte.»

Wälder gehören oft Privatpersonen

Der Hauptgrund für die geringe Holzernte sei, dass viele Wälder Gemeinden oder gar Privatpersonen gehören. Das sind Waldbesitzer, die oftmals kein Interesse oder keine Ressourcen für eine professionelle Nutzung haben. «Wir eine sehr feingliedrige Waldbesitzerstruktur, die historisch gewachsen ist. Es gibt 250’000 Waldbesitzer in der Schweiz. Und das macht die effiziente Waldbewirtschaftung sehr schwierig.»

Die Waldbesitzer seien gefordert, sich besser zu koordinieren und ungenutzte Flächen abzugeben. Dann könnte mehr Holz für den Bau gewonnen werden. Bisher macht der Holzbau bei den Einfamilienhäusern nur etwa 15 % aus, bei den mehrstöckigen Gebäuden sind es nur gerade 8 Prozent.

Dabei boome die Innovation in diesem Bereich. Zum Beispiel ist die Technologie inzwischen so weit, dass mit Sägemehl eine Art leichter Beton hergestellt werden kann. Diese neuen Erkenntnisse gelte es zu nutzen.

Kunststoff aus Holz

Es gehe aber nicht nur um den Bausektor, so Martin Riediker. Sondern auch darum, was mit dem Holz geschieht, das nicht verbaut werden kann. Holz könne nämlich auch umweltschädliche Materialien ersetzen. «Grundsätzlich kann Verpackungsmaterial, das aus ölbasiertem Kunststoff hergestellt wird, aus biobasiertem Kunststoff hergestellt werden. Es können aber auch Kunststoffstühle und anderes hergestellt werden.»

Sogar als Treibstoff könne Holz einst verwendet werden.
Bis zu 0,9 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich könne die Schweiz einsparen, wenn die Ressource Holz nicht nur im traditionellen Sinne für die Chalet-Wand oder das Cheminee-Feuer genutzt wird, sondern auch als Hightech-Material und Bausubstanz.

Mehr Aus- und Weiterbildung

Die Forschungsgruppe fordert, dass nebst der Professionalisierung der Waldwirtschaft die Aus- und Weiterbildung im Bereich Holz gestärkt wird. Und dass die Schweiz eine Bio-Ökonomiestrategie erarbeitet, in der die Ressource Holz eine zentrale Rolle spielt.

Forschung am Werkstoff Holz

Das Nationale Forschungsprogramm «Ressource Holz» (NFP 66) entwickelte in Zusammenarbeit mit Industrie, Waldbesitzern und Behörden wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Lösungsansätze, um die Nutzung von Holz zu optimieren. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) wurde vom Bundesrat mit der Durchführung dieses Programms beauftragt.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Waldvogel (Martin Waldvogel)
    Das Hauptproblem warum zuwenig Holz genutzt wird, wird leider nicht einmal am Rande angesprochen. Es ist der Preis. Alle diese Ideen sind gut und recht, aber wenn der Transport so billig und der Zoll gleich null ist, kommt das Holz weiter aus Niedrieglohnländern oder es werden sogar diese Produkte gleich dort hergestellt. Die Meisten, welche einheimisches Holz schlagen, legen leider drauf und lassen es deshalb lieber sein.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Das ist der schönste Nebeneffekt der uns passieren kann ! In den Lehrbüchern der Schweiz wird einmal stehen - dank den Billiglohnländern haben wir unsere natürliche Schweizer Fauna und Flora erhalten können .
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  • Kommentar von Kurt Schrag (Hüo)
    Die Treibstoffherstellung aus Holz ist nicht Neues. Der Ursprung der Blocher'schen Ems-Chemie ist die Holzverzuckerungs AG, die während und einige Zeit nach dem 2.Weltkrieg das sogenannte "Emser Wasser" (Methanol) herstellte, das dem Benzin aus kriegswirtschaflichen Gründen zwangsweise beigemischt wurde. Um 1950 wurde derüber abgestimmt, ob dies im Hinblick auf künftige Schwierigkeiten bei der Benzinvesrorgung beibehalten werden soll. Die Vorlage wuder jedoch abgelehnt.
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  • Kommentar von Christian Anderegg (anderegg)
    Es wird endlich Zeit, dass man die Wälder nutzt. Leider fehlt eine leistungsfähige Holzindustrie dazu. Etwas weniger intensive Landwirtschaft dafür gepflegt Wälder würden dem Steuerzahler in Form von ganzheitlicher Landschaftspflege mehr nutzen. Holzernte bei 250.000 Besitzern kann nicht funktionieren. Subventionen sind nicht die Lösung. Die Studienverfasser sehen das absolut richtig.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Entgegen den Studienverfassern sehe ich den verteilten privaten Waldbesitz positiv. Der industrielle Abbau von Holz ist nicht das was die Verfasser unter dem Begriff Waldpflege propagieren.
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