Hottinger-Konkurs: Das sind die Gründe

Mit einer Bilanzsumme von 145 Millionen Franken und 1500 Kunden zählte die Privatbank Hottinger zu den Kleinbanken. Doch nicht nur die Grösse besiegelte ihr Schicksal. SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind und Unternehmensberater Daniel Kessler über die Gründe, die zum Scheitern führten.

Der Paradeplatz von oben betrachtet.

Bildlegende: Mit der Liquidation der Privatbank Hottinger verliert der Standort Zürich eine Bank. Keystone

Dass die Privatbank Hottinger liquidiert werden muss, ist vor allem auf folgende vier Gründe zurückzuführen:

  • Fehlende Erträge und steigende Kosten.
  • Offene Rechtsfälle und ungenügendes Eigenkapital für notwendige Rückstellungen.
  • Negativzinsen: Die wirken sich zunehmend belastend auf die Bank. Im Unterschied zu Grossbanken können Privatbanken wie die Privatbank Hottinger Negativzinsen nicht mit Hypotheken querfinanzieren.
  • Fehlende Grösse: Hottinger war eine reine Vermögensverwaltungsbank. Um im aktuellen Marktumfeld zu überleben, ist eine Grösse von etwa 10 Milliarden Franken nötig. Mit etwa 1500 Kunden hat Hottinger diese notwendige Grösse nicht erreicht. Dieser Punkt ist aber für alle Kleinbanken heikel.
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Unternehmensberater Daniel Kessler über das Hottinger-Aus

1:58 min, vom 26.10.2015

«Weitere Institute werden verschwinden»

Auch Daniel Kessler, Chef der Boston Consulting Group Schweiz sieht ähnliche Gründe für das Verschwinden der Bank Hottiger. «Kleinere Banken sollten sich in Zukunft viel mehr auf einzelne Teilbereiche konzentrieren.» Unter anderem werden Funktionen wie die Abwicklung oder Kontrolle von Bankgeschäften immer mehr ausgelagert.

Kessler ist zuversichtlich, dass das Vermögensverwaltungsgeschäft in der Schweiz weiter wachsen wird. Allerdings geht er von einer sogenannten Konsolidierung aus: «Weitere Institute werden vom Markt verschwinden und die Vermögen werden wohl in die Hände der grösseren Firmen fallen.»