Hypotheken-Boom: Rote Karte für Schweizer Banken

Schweizer Banken haben sich zu viele Ausnahmen von den eigenen Spielregeln erlaubt. Und sie haben die Preise für Immobilien zu wenig hinterfragt. Das rächt sich jetzt: Die Finanzmarktaufsicht Finma will einschreiten.

Schlüssel mit Haus-Modell

Bildlegende: «Flächendeckendes Phänomen» – die Finma hält die Selbstregulierung der Banken bei der Kreditvergabe für zu schwach. Colourbox

Mitte 2012 gab es bereits die gelbe Karte: Schweizerische Nationalbank SNB und Bankenaufsicht Finma drängten die Schweizer Banken dazu, ihre Selbstregulierungs-Richtlinien für die Hypothekarkredit-Vergabe zu verschärfen. Genützt hat es kaum. Nun gibt es rot: SNB und Finma zwingen die Banken, ihre Hypotheken mit mehr Eigenkapital zu unterlegen (Kapitalpuffer). Zudem wollen sie direkt in die Kreditvergabe eingreifen, in das Kerngeschäft der Banken.

Verschärfung der Selbstregulierung innert sechs Monaten

Im Januar kam es zum Spitzengespräch zwischen der zuständigen «Kommission Kundengeschäft Schweiz» (KKG) der Schweizerischen Bankiervereinigung und Vertretern von SNB und Finma. In einer E-Mail der KKG an ihre Mitglieder, das «ECO» einsehen konnte, heisst es zusammenfassend: «Die Finma hat klar zum Ausdruck gebracht, dass sie innerhalb des nächsten halben Jahres eine Verschärfung der Selbstregulierung erwartet.»

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Tobias Lux, Finma, zur Hypotheken-Vergabe der Banken

1:27 min, vom 3.2.2014

Konkret will die Finma die Spielräume bei der Amortisation einschränken: Hypothekar-Nehmer sollen in Tiefzins-Phasen stärker amortisieren. Zudem will die Aufsicht eine genauere Definition von «Marktwert», «Einkommen» und «anrechenbare Eigenmittel».

Für die Finma führt an einer weiteren Verschärfung der Spielregeln kein Weg vorbei – für die gesamte Branche. «Wir stellen fest, dass es nicht nur ein Phänomen ist bei einer einzelnen Bank oder ein paar wenigen Banken, sondern dass es ein flächendeckendes Phänomen ist. Bei der Hälfte der Banken hat das Hypothekar-Volumen in den letzten Jahren regelmässig fünf Prozent zugenommen. Von daher sehen wir wirklich, dass man flächendeckend und systematisch neue Massnahmen finden muss, die wirken», so Finma-Sprecher Tobias Lux gegenüber «ECO».

«ECO» hat die nach Bilanzsumme 17 grössten Schweizer Banken befragt, wie sie bei der Hypotheken-Vergabe vorgehen. Nur drei Banken geben an, wie hoch bei ihnen die Ausnahmen von der Regel, sogenannte Exceptions to policy, sind. Die Mehrheit der Banken gibt diese Zahl nicht bekannt oder behauptet, entweder nur geringe oder gar keine Ausnahmen zu machen. Dafür behaupten alle unisono, sich generell an die Spielregeln zu halten.

Bankiervereinigung: Keine staatlichen Hypothekarmärkte

Die Bankiervereinigung SBV lehnt denn auch einen weiteren Eingriff in ihre Geschäftstätigkeit ab: «Wir wollen Ausgestaltungsfreiheiten in der Art und Weise, wie unsere Mitglieder das Hypothekargeschäft betreiben und nicht übertrieben verstaatlichte Hypothekar- und Immobilienmärkte», sagt SBV-Direktionsmitglied Markus Staub gegenüber «ECO».

Intern haben sich die Banken offenbar bereits mit einer weiteren Verschärfung ihrer Standesregeln abgefunden. In besagter E-Mail empfiehlt die KKG: «Trotzdem sollte ein Entgegenkommen (…) in Betracht gezogen werden.»

«ECO»-Umfrage

Tragbarkeit, Immobilien-Bewertung, Amortisation, «Exceptions to policy» – die Antworten der befragten Banken sehen Sie hier.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Banken vergeben zu leichtfertig Hypotheken

    Aus ECO vom 3.2.2014

    Die Schweizerische Nationalbank, die Finanzmarktaufsicht Finma und das Finanzdepartement warnen schon lange vor einer Immobilienblase. Bereits zweimal haben sie die Spielregeln der Hypotheken-Vergabe verschärft. Genützt hat es wenig. Denn die Schweizer Banken erlauben sich zu viele Ausnahmen von den Regeln und hinterfragen die Immobilienpreise zu wenig. Das rächt sich: Die Finma plant bereits den nächsten Schritt.

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