Hypotheken – ein Zinsvergleich lohnt sich mehr denn je

Seit heute belastet die Nationalbank den Geschäftsbanken für deren Guthaben höhere Negativzinsen. Das sind vielversprechende Aussichten für Hypothekarschuldner. Steigt damit auch die Gefahr einer Immobilienblase?

Bei der Aufgabe des Euro-Mindestkurses sind sie fast ein wenig untergegangen, die von der SNB zeitgleich angekündigten Negativzinsen für Geschäftsbanken ab Donnerstag. Der Negativzins von aktuell 0,75 Prozent ist vor allem auch mit Blick auf den Hypothekenmarkt interessant.

Siedlung im Kanton Zürich.

Bildlegende: Verlockende Zeiten für Hypothekarschuldner – die jüngsten SNB-Entscheide machen es möglich. Keystone

Gross bewegt haben sich die Hypozinsen heute allerdings nicht mehr. Der Grund dafür ist, dass sie schon in den letzten Tagen rekordtief waren – bei ungefähr 1 Prozent für praktisch alle Laufzeiten.

Sehr gute Kunden, bei denen das Risiko klein ist, dass sie den Hypothekarkredit nicht zurückzahlen können, sollen sogar 10-jährige Hypotheken für etwas weniger als 1 Prozent erhalten haben, meldet beispielsweise der Vergleichsdienst Comparis.

Begrenzung der Laufzeiten

Gefragt sind derzeit vor allem Festhypotheken mit langen Laufzeiten, da sich mit diesen die rekordtiefen Zinsen ohne Aufpreis langfristig fixieren lassen. Was man allerdings auch hört: Verschiedene Banken überlegen sich bereits, die Laufzeiten auf 7 Jahre zu begrenzen und keine Hypotheken mit längerer Laufzeit mehr anzubieten.

Auffallend sind die relativ grossen Zinsunterschiede zwischen den einzelnen Instituten. Für eine 7-jährige Hypothek verlangt die teuerste Bank fast die Hälfte mehr als das günstigste Institut. Auch wenn es in den letzten Tagen so günstig war wie noch nie, eine Hypothek abzuschliessen, lohnt sich ein Zinsvergleich also mehr denn je.

Sehr gross sei der Spielraum nach unten bei den Hypothekarzinsen nicht mehr, bestätigt Martin Eichler, Chefökonom des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Basel: «1,0 Prozent ist die Grössenordnung, die man heute halten kann.»

Folgt nun ein Run auf Hypotheken?

Was die künftige Nachfrage nach langfristigen Hypotheken betrifft, so muss laut Eichler neben der Zinsbelastung das gesamte Umfeld betrachtet werden. So habe sich mit der Abkehr der SNB vom Mindestkurs die konjunkturelle Lage deutlich eingetrübt. Die Unsicherheit sei gestiegen, und vermutlich komme es auch zu Einkommensrückgängen.

«Das dürfte viel ausschlagender sein für die Nachfrage nach Immobilien in den nächsten Monaten als die leicht gesunkenen Zinsen», erklärt der Ökonom. Er geht davon aus, dass insbesondere beim Neuerwerb von Immobilien die Unsicherheit für viele zu gross sein wird. Umgekehrt dürfte bei der Verlängerung von Hypothekarkrediten durchaus die Tendenz zu längeren Bindungen bestehen.

Droht eine Immobilienblase?

Was die Gefahr einer Immobilienblase betrifft, so geht Eichler davon aus, dass der in den vergangenen Monaten festgestellte Trend anhalten wird, also die Preisanstiege limitiert wurden oder gar leicht gesunken sind.

Gerade bei Immobilienanlagen komme es nicht nur auf das Zinsniveau, sondern stark auch auf die künftigen Preiserwartungen für die Immobilien an: «Wenn wir hier eine Stagnation der Preise sehen, so ist das wesentlich entscheidender für die Anlageattraktivität als die tieferen Zinsen.»

Aus heutiger Sicht hat die SNB mit ihren Entscheiden gemäss Eicher keine neuen Probleme für den Immobilienmarkt geschaffen. Falls doch, habe die Nationalbank noch andere Mittel, um gegen einen weiteren Anstieg der Immobilienpreise vorzugehen. Etwa mit der weiteren Verschärfung des antizyklischen Kapitalpuffers; oder verschärften Kriterien für die Hypothekarvergabe bei Eigenkapitalanteil, Tragfähigkeitsrechnungen oder Amortisation.