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Im Bann der Sanktionen Sulzer will Oligarch Vekselberg keine Dividenden zahlen

  • Sulzer konnte im ersten Quartal des Jahres den Auftragseingang um 18,8 Prozent auf 900 Millionen Franken steigern.
  • Die US-Sanktionen gegen russische Oligarchen wird das Winterthurer Unternehmen Kosten in Höhe von rund 10 Millionen Franken verursachen.
  • Sulzer zahlt ausserdem keine Dividenden an seinen Grossaktionär Viktor Vekselberg.
Viktor Vekselberg in Anzug und Krawatte.
Legende: Vorerst gibt es keine Dividenden-Gelder für den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg. Keystone

Es fliessen keine Dividenden, bis die US-Sanktionen gegen den russischen Oligarchen und Unternehmer aufgehoben sind.«Das Geld verbleibt solange in der Firma», sagte Sulzer-Chef Greg Poux-Guillaume dazu während einer Telefonkonferenz. Das Geld sei aber nicht blockiert. Sulzer könne es frei verwenden. Allerdings blieben die Dividenden geschuldet, sagte Poux-Guillaume.

Sulzer werde die aufgelaufenen Dividenden an Vekselbergs Holding Renova zahlen, wenn die US-Sanktionen aufgehoben würden. Für das letzte Jahr beläuft sich die Summe der aufgelaufenen Dividenden auf rund 80 Millionen Franken. In Zukunft werden die Dividenden gegen 60 Millionen Franken jährlich betragen – sofern die Dividende gleich hoch bleibt wie für das Jahr 2017.

Wir konnten teilweise die Angestellten nicht mehr zahlen, wir konnten keine neuen Aufträge annehmen, wir waren gelähmt.
Autor: Greg Poux-GuillaumeKonzernchef Sulzer

Sanktionen waren für Sulzer ein Schlag

Am 6. April hatte die US-Regierung Sanktionen gegen russische Oligarchen, Regierungsvertreter und Firmen verhängt. Washington begründete dies mit «andauernden und immer dreisteren boshaften Aktivitäten der russischen Regierung überall in der Welt». Dies schlug auch auf Sulzer durch, weil der russische Milliardär Viktor Vekselberg mit gut 63 Prozent über die Hälfte am Winterthurer Traditionskonzern besass.

Bankkonten von Sulzer wurden blockiert. Der Industriekonzern konnte auf der ganzen Welt keine Überweisungen mehr in Dollar tätigen. «Wir konnten teilweise die Angestellten nicht mehr zahlen, wir konnten keine neuen Aufträge annehmen, wir waren gelähmt», sagte Poux-Guillaume anfangs Woche gegenüber SRF.

In einer Notfallübung kaufte Sulzer deshalb 5 Millionen eigene Aktien im Wert von 546 Millionen Franken von Vekselbergs Firma Renova zurück, damit der Anteil von Vekselberg unter die Schwelle von 50 Prozent sank.

Renova hält gemäss letzten Angaben 48,83 Prozent an Sulzer. Der Kaufpreis für die Aktien werde erst in sechs Monaten fällig. Seit letzter Woche seien auch die Vermögenswerte von Sulzer in den USA wieder vollständig deblockiert, so der Konzernchef.

Sulzer sichert sich ab

Sulzer werde das Geld für die Aktien aber nicht an Renova bezahlen, sondern auf ein Sperrkonto, sagte Poux-Guillaume. Zudem werde nicht der volle Kaufpreis überwiesen, sondern lediglich 80 Prozent.

Die restlichen 20 Prozent behalte Sulzer als Absicherung gegen einen allfälligen Kursrutsch der Sulzer-Aktien. Renova habe sich verpflichtet, einen tieferen Aktienpreis auszugleichen. Sulzer habe indes keinen Zwang, die fünf Millionen Aktien zu verkaufen. Zudem müssten erst nach 180 Tagen 80 Prozent des Kaufpreises bezahlt werden.

Der Konzern habe durch den US-Bannstrahl derweil keinen Schaden genommen. Es gebe keine Anzeichen, dass Sulzer-Kunden aufgrund der Sanktionen keine Aufträge mehr gegeben hätten.

Deutlich mehr Aufträge

Im ersten Quartal – vor den US-Sanktionen – konnte Sulzer den Auftragseingang um 18,8 Prozent auf 900 Millionen Franken steigern, wie Sulzer weiter mitteilte. In allen Bereichen hätten mehr Aufträge hereingeholt werden können.
Übernahmen steuerten 44 Millionen bei, darunter durch die Firma JWC, die Siebe, Schredder oder Trennsysteme zur Entfernung von Gegenständen aus dem Abwasser herstellt.
Sulzer zeigte sich überzeugt, die Ziele für 2018 zu erreichen und bestätigt seine Prognose. Der Bestellungseingang dürfte um 5 bis 7 Prozent und der Umsatz um 4 bis 6 Prozent steigen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Beim gängigen finanzkapitalistische Investitionsmodell, hat irgendeiner ohne den geringsten Bezug zur Firma, Belegschaft und Produkt, einfachso nur, weil er etwas Geld einbringt, das Recht den erarbetetn Mehrwert abzuschöpfen. Das ist sowas von entfremdend und auch dumm. Wieviel Stunden pro Jahr arbeiten Mensche in einer Firma einzig und allein um Zinsen, Dividenden, ungerechtfertigt Hohe Kaderlöhne und hypertrophe Werbeabteilingen zu 'bedienen'?
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Der Zirkus um die US-Sanktionen/Vekselberg kosten also 10 Millionen Franken. Finde ich gut. Der Ausverkauf unseres Landes darf gerne öfters einen hohen Preis für die jubelnden Aktionäre haben.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Von der einen Macht laesst man sich in die Embargos ziehen. Und den Handlangern der anderen werden die Fruechte nicht in die Staatskasse eingezogen, sondern fuer die Umgehung aufbewahrt. Schaendlich und schaebig....
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