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Wirtschaft Im Libor-Skandal drohen der UBS nun Sammelklagen

Die UBS muss für ihre Libor-Manipulationen teuer bezahlen. Und das ist noch nicht alles: Die Busse von 1,4 Milliarden liefert Rechtsanwälten willkommene Munition. Nun drohen die Zivilklagen – zum Beispiel von der Stadt Baltimore.

Skyline der Stadt Baltimore
Legende: Auch die Stadt Baltimore soll durch die Libor-Manipulationen Geld verloren haben. zvg

«It ain't over, till it's over». Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist. Das treffe auch auf den Libor-Fall zu, sagt Hilary Scherrer, Partnerin der Anwaltskanzlei Hausfeld in Washington. Auch wenn sich die UBS und die Aufsichtsbehörden geeinigt hätten – vorbei sei es für die UBS noch lange nicht. Nun kämen die Zivilklagen und die befänden sich erst in der Anfangsphase.

Auch eine Stadt will klagen

Eine dieser Klagen betreut die Kanzlei Hausfeld. Es ist eine Sammelklage gegen die UBS und 15 weitere Libor-Banken. Mit Sammelklagen kennt sich die Kanzlei aus, sie vertrat im Zusammenhang mit den nachrichtenlosen Vermögen aus Nazi-Deutschland die Interessen von Holocaust-Opfern und deren Angehörigen.

Im Libor-Fall sind die Klienten eine Pensionskasse für Polizisten und Feuerwehr-Leute aus Connecticut sowie die Stadt Baltimore. Diese habe Geld in Zinspapiere angelegt und wegen der Libor-Manipulationen Geld verloren, behauptet die Anwältin. Dieses Geld habe später gefehlt – für neue Strassen, für die Löhne der Feuerwehrleute. Ziel der Klage: dieses Geld zurückfordern.

Noch nicht zugelassen

Die neuen Erkenntnisse der Behörden würden dabei sehr hilfreich sein. In den Unterlagen habe es Emails, Informationen über interne Abläufe, von denen sie bisher nicht wussten, das fliesse sicher in ihre Sammelklage ein.

Diese liegt im Moment auf dem Pult einer Richterin in New York. Sie muss entscheiden, ob sie die Klage überhaupt zulässt.

Die UBS wollte sich auf Anfrage nicht zu einzelnen Klagen äussern. Auch nicht zu jener der Kanzlei Hausfeld. Im dritten Quartalsbericht hält die Bank allerdings fest, dass in der Tat mehr als eine Sammelklage in New York eingereicht worden sei.

Schaden muss bewiesen werden

Allerdings: Auch wenn die Libor-Einigung tatsächlich Bewegung in die Sache brächte und die Richterin die Sammelklage zuliesse, würde es für Anwältin Scherrer und ihr Team alles andere als einfach. Sie müssten eine spezifische Schadenssumme beweisen, und die berechnen die Ökonomen der Kanzlei noch. Sie müssten auch belegen, dass der Schaden eine Folge der Libor-Manipulationen ist. Auch das ist eine knifflige Aufgabe.

In der Regel sind die geforderten Beträge bewusst sehr hoch angesetzt. So soll Druck aufgebaut werden. Denn oft sind die Beklagten irgendwann bereit, die Sache statt mit einem jahrelangen Prozess mit einem Vergleich zu regeln.

Darauf hofft Rechtsanwältin Hilary Scherrer auch im Fall der UBS. Die Milliardenbusse fliesse in die Staatskasse, doch die Opfer der Libor-Manipulationen, wie sie ihre Klienten nennt, seien bis jetzt leer ausgegangen. Die Opfer müssten nun entschädigt werden. Und auch die Kanzlei Hausfeld, versteht sich.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Mit bzw. von Sammelklagen kann man bekanntlich und auch offensichtlich auch sehr gute Geschäfte machen. Und wieder mal trifft es die UBS. Man darf wohl fragen, was als nächstes Theater auf diese UBS zukommt. - Vielleicht sollte sich die UBS nun wirklich aus den USA verabschieden, sonst wird sich demnächst "unfreiwillig verabschiedet".
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  • Kommentar von Markus Gasser, Freiburg CH
    Wenn die Konkurrenz unter den Banken dazu verleitet kriminell veranlagte Menschen einzustellen, die im wesentlichen nur an ihren eigenen Profit denken, so liegt das Problem im System. Das Bankenwesen muss so gestaltet werden, dass es der Gesellschaft dient und da ist die Politik gefordert. Wenn heute eine Welt untergehen soll, so ist es die Nebenwelt der Banken. Btr. UBS: Wer redet von "weiterem Reputationsverlust" - etwas das man schon lange nicht mehr hat kann man auch nicht verlieren!
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  • Kommentar von Jan, Zürich
    Und was machen bitte die Leute bei den Aufsichtsbehörden, dass sie jahrelang nichts von den Manipulationen merken? Tee trinken und Zeitung lesen - so geht der Tag bei den meisten Ämtern
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    1. Antwort von Bernhard Meile, Schüpfen
      Es ist natürlich schwierig, jedem Banker quasi einen Polizisten beizustellen, damit nichts Verbotenes geschieht. Aber Sie haben recht, die vorhandenen Überwachungsprozesse scheinen ungenügend eingeführt oder umgesetzt worden zu sein. Ob das immer gern gehörte Klischee mit dem Zeitung lesen und dem Tee trinken in Ämtern dieser Diskussion dienlich ist, wage ich zu bezweifeln, obschon Behörden selbstverständlich immer unsere kritische Aufmerksamkeit verdienen.
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