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Schweizer Apotheken Immer weniger unabhängige Betriebe

Im Apothekengeschäft geht der Trend eindeutig hin zu grossen Verkaufsketten und Gruppierungen. Entscheidend für den Erfolg sei vor allem der Standort, sagt Etienne Jornod, Verwaltungsratspräsident von Galenica. Sein Gesundheitskonzern betreibt das grösste Apothekennetzwerk der Schweiz.

Legende: Video Etienne Jornod: "Die besten werden gewinnen" abspielen. Laufzeit 01:50 Minuten.
Aus News-Clip vom 14.03.2017.

Mit Medikamenten lässt sich viel Geld verdienen: Heute hat der Berner Gesundheitskonzern Galenica einen Gewinn von 324 Millionen Franken präsentiert. Galenica besitzt das grösste Apothekennetzwerk der Schweiz, das Unternehmen betreibt zum Beispiel die Apothekenketten Amavita und Sunstore. Die Herausforderungen seien aber gross, betont Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod: «Die Behörden wollen die Preise und die Margen senken. Darauf müssen wir Antworten finden.»

Galenica betreibt nicht nur eigene Apothekenketten, sondern agiert auch als Dienstleister für unabhängige Apotheken. Auch für diese habe es Platz, ist Jornod überzeugt. «Aber diese unabhängigen Apotheken müssen absolut Profil haben und am richtigen Standort sein», sagt der 64-jährige.

Nur noch 12 Prozent der Apotheken sind unabhängig

Die Statistik zeigt hingegen, dass die Anzahl unabhängiger Apotheken in den letzten zehn Jahren dramatisch zurückgegangen ist. Waren 2005 noch 45 Prozent der Apotheken unabhängig, schrumpfte dieser Anteil bis 2015 auf zwölf Prozent. Ungefähr jede dritte Apotheke gehört heute zu einer Verkaufskette. Zudem haben sich viele einst komplett unabhängige Apotheken zu Gruppierungen zusammengeschlossen, um so konkurrenzfähig zu bleiben.

Doch während etwa in Deutschland die Anzahl Apotheken seit Jahren sinkt, nimmt sie in der Schweiz langsam, aber stetig zu. Trotzdem liegt die Apothekendichte mit 21 Apotheken pro 100 000 Einwohner deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 31. In seinem Geschäftsbericht schreibt der Branchenverband Pharmasuisse aber, dass der Ertrag der Apotheken aufgrund verschiedener Sparmassnahmen seit Jahren rückläufig sei. Da der Standort für Apotheken entscheidend ist, bedroht diese Entwicklung besonders Geschäfte in Randregionen.

Apothekenketten in der Schweiz

Kettenapotheken
2015
2010
Galenica-Gruppe (Amavita, Sun Store, Coop Vitality)
315
299
BENU-Apotheken (ehem. Capitole)
81
77
Dr. Bähler-Dropa
50
45
Topwell-Apotheken35
24
Pharmacie Populaire de Genève
18
21
Mini-Ketten46
27
Total Kettenapotheken
545305

Apotheken-Gruppierungen in der Schweiz 2015

Gruppierungen
2015
Feelgood's Apotheken
161
TopPharm
122
Salveo Automedication
116
fortis102
Pharmapower
97
Rotpunkt Apotheken
93
pharmacieplus89
Pharmavital74
DirectCare56
Spazio Salute
28
MedicaPlus21
Grischa-Pharma20
apoplus15
Amavita Partner
15
Total Gruppierungen
1009

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Das Geschäft mit Pharma-Produkten floriert.....und die allmächtige Pharmalobby lenkt von oben alles....
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    "Wettbewerb führt immer zur Zerstörung kleinräumiger Strukturen - und zur Monopolbildung". Das hat Norbert Elias in seinem Werk "über den Prozess der Zivilisation" wissenschaftlich hergeleitet. Apotheken sind nur eine Seite - die Vertriebsseite. Weil weniger Apotheker einkaufen, entsteht das gleiche Monopolyspiel auch auf der Einkaufsseite - also bei den Herstellern von Medikamenten. Wird Zeit, dass Wirtschaftswissenschafter sich um Fakten bemühen. Selten waren die Märkte so unfrei wie heute.
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Natürlich, und trotzdem wird gerade von der Linken die freie Marktwirtschaft als Ursache allen Übels ins Feld geführt, obwohl es sie absolut nicht gibt, wie Sie gerade festgestellt haben. Angefangen von Löhnen die durch Gesamtarbeitsverträge festgelegt werden bis hin zu strengen Vorschriften bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen, frei ist in der westlichen Marktwirtschaft gar nichts.
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    2. Antwort von nathalie wernz (Frau Wer)
      W.S: und sie meinen ohne diese 'gesetzlichen Bestimmungen' (Umweltauflagen, Tierschutz, Arbeitnehmerrechte, Konsumentenschutz,...) würde das 'System' besser funktionieren? Für wen? Können sie diese Szenario skizzieren, so ich die Logik begreife?
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