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Ingenieure für die Wirtschaft MINT-Fächer boomen an den Unis

Legende: Video Immer mehr Studierende entscheiden sich für technische Fächer abspielen. Laufzeit 3:43 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.05.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Schweiz fehlen Ingenieure und Informatiker. Abhilfe könnten mehr Ausbildungen im MINT-Bereich schaffen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).
  • Obwohl keine andere Fachrichtung an den Unis so zulegen konnte wie MINT, bleibt das Problem Fachkräftemangel bestehen.
  • Um eine Trendwende auszulösen, ist die Wirtschaft auf Fachpersonal aus dem Ausland angewiesen.

Sie gelten auf dem Arbeitsmarkt landläufig als heiss begehrt: MINT-Absolventen der Universitäten, also Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker. In den letzten Jahren klagten Wirtschaftsvertreter vor allem bei Ingenieuren und Informatikern immer wieder über einen Fachkräftemangel.

Bund und Kantone haben verschiedene Initiativen ins Leben gerufen, um Schüler und gerade auch Schülerinnen von einem Studium im MINT-Bereich zu überzeugen.

Technische Fächer haben Hochkonjunktur

Wie eine Auswertung von Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigt, erfreuen sich die durch die Initiativen angepriesenen Fächer inzwischen einer immer grösseren Beliebtheit. An Universitäten und den Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) war in den letzten Jahren keine Fachrichtung so erfolgreich beim Anziehen neuer Studierender wie der MINT-Bereich.

Die Fachrichtungen «exakte und Naturwissenschaften» verzeichnete zwischen 2005 und 2017 einen Anstieg der Eintritte auf Lizenziat- oder Bachelor-Ebene um 62 Prozent. In der Fachrichtung «technische Wissenschaften» waren es 2017 42 Prozent mehr Eintritte auf dieser Stufe als noch 2005.

Anzahl Studierender nach Fächergruppen an Hochschulen

Die Wirtschaft zeigt sich über diese Entwicklung erfreut. Robert Rudolph, Bereichsleiter Bildung und Innovation beim Branchenverband Swissmem (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie), sagt: «Der Bedarf ist weiter gross und steigt noch, was man in den letzten 15 Jahren auch klar ausweisen kann.»

Gleichzeitig kämen in den nächsten Jahren demografische Effekte dazu, zum Beispiel zahlreiche Eintritte ins Pensionsalter. «Wir rechnen mit einem Aufholbedarf von 1000 Personen pro Jahr», betont Rudolf.

«Firmen werden weiterhin auf Zuwanderer zurückgreifen»

Für die Wirtschaft sind nicht nur Absolventen der Universitäten von grosser Bedeutung, sondern auch die Absolventen der Fachhochschulen. Auch in der Gesamtschau der Hochschulen ist der Trend klar: zwischen 2010 und 2015 verzeichneten Bachelor-Eintritte in MINT-Fächer an allen Hochschultypen ein Plus von 14 Prozent.

Arbeitsmarktökonom Michael Siegenthaler wertet die Zahlen als erfreulich für den Schweizer Arbeitsmarkt. Doch eine Trendwende beim Fachkräftemangel sei deshalb noch nicht angesagt. Die aktuellen Zahlen wahrscheinlich nicht ausreichen, ist Siegenthaler überzeugt. Schon in den letzten Jahren seien immer auch Zuwanderer nötig gewesen, um das Problem anzugehen.

«Die Firmen werden wahrscheinlich auch weiterhin auf Zuwanderer zurückgreifen müssen, um ihren Bedarf an Fachkräften in diesem Bereich zu decken», sagt der Ökonom.

Gefragte Studenten – gute Chancen

Für die Studierenden hat die Situation zurzeit auch Positives, denn auf dem Arbeitsmarkt sind sie gefragt wie noch nie.

Diese Erfahrung machte auch Roland Siegwart, Professor für Robotik an der ETH Zürich: «Sie werden schon weggeholt, bevor sie fertig studiert oder doktoriert haben. Ich glaube, das ist schön für die jungen Leute und motiviert vielleicht auch die nächste Generation hier einzusteigen.»

23 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Baumann (Christian Baumann)
    Und was erwartet die MAS-Studis, -Doktoranden u. - Postdocs wenn sie endlich eine feste Anstellung in „der Wirtschaft“ gefunden haben? In der Regel ein langweiliger R&D-Fliessbandjob (brain wash and politics included) mit wechselnden, fachfremden Chefs („leaders“) und Personalverwaltungen für die strategic HR ein Fremdwort ist. Mein Rat an die MINT-Studis: Setzt Eure Ideen, die Ihr an der ETH/ Uni erworben habt in der Selbständigkeit um und pfeift auf den Mittelbau in „der Wirtschaft“.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Da gehe ich mit Ihnen einig, Herr Baumann, doch die ultralibertinäre Wirtschaft mag diese 'Happen' die Selbständigen ganz besonders. Da ist so noch weiter weg von arbeitgeberischen gesetzlichen und sozialen Verpflichtungen, wie Beiträge, etc ..Die Selbstständigen sind dann zwischen den Fronten der Zulieferer und dem gnadenlosen 'freien Markt'. Sie strampeln sich ab, leisten oft Pionierarbeit, sind erfinderisch ....und dann Schwups ohne, das sie es bemerken, vom Großen phagozytiert zu werden.
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    2. Antwort von Christian Baumann (Christian Baumann)
      @Antigone Kunz: merci für’s feedback. Wäre ich Erfinder würde ich mich gerne von einem Venture Fund nach einiger Zeit phagozitieren lassen, kommt drauf an wieviel er bietet. Die heutigen MINT Studis verkaufen Ihre Seele nach dem Abschluss auf die bequemste Art an HR Abteilung XYZ, obwohl abzusehen ist, dass es langfristig keine job satisfaction in der Firma geben wird. Es muss ein unternehmerisches (!) Umdenken bei den MINT-Absolventen stattfinden. Selbst ist der Mann/ die Frau.
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    3. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Nicht alle, Herr Baumann, und vor allem einige Freigeister, die Gutes entwickeln, möchten dieses nicht unbedingt in den Dienst von Konzernen stellen, die doch wesentlich am Raubbau der Welt beitragen. Solange nur am 'unternehmerisches (!) Umdenken' geschraubt wird bleiben mann/frau Spielball finanzkaptialistischer Märkte. Nicht die konkrete Arbeit muss verändert werden, sondern auf der höheren Ebene, der abstrakten Arbeit, was harte 'revolutionäre' politische Praxis ist.
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    4. Antwort von Christian Baumann (Christian Baumann)
      @Antigone Kunz: Richtig. Und genau aus diesem Grund sollte die akademische Forschung der Schweiz nicht mehr in Grosskonzernen zur Anwendung kommen, sondern in kleinen, universitätsnahen, eigenverantwortlichen agierenden Gründerzentren bei denen maximal ein loses, projektbezogenes Networking mit den „Grossen“ erlaubt ist, alles andere in erster Linie dem Wohl der CH-Bevölkerung dient (allem voran der Schaffung sinngebender und nachhaltiger Arbeitsplätze in der Schweiz).
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    5. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      In diesem Sinne und Geist Herr Baumann packen wir's an, wo immer wir sind, was immer wir tun. En garde! Ich wünsche mir viele hochpolitisierte, inter- und-intrasichundisziplinierede junge Menschen, die sich von der finanzkapitalistischen Einverleibung klug und strategisch nachhaltig entledigen. Sinnvoll dabei Lektüren wie Claude Didry, Alain Supiot und Simone Weil, wie die von letzteren, 1934 verfasste "la Condition ouvrère" .....
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    6. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Herr Baumann- stimme ihnen zu 100% zu -das ist die einzig mögliche Revolution in diesem, wie Sie es schreiben ( brain wash and politics included ) System, der bornierten verkrusteten Firmenstrukturen. Ich merkte das sehr rasch nach meinem Studium -und ging genau diesen Weg. Sehe heute, dass dieser Weg in die Selbständigkeit der Goldstandart war, wie die Medizin das ausdrückt.
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    7. Antwort von Christian Baumann (Christian Baumann)
      Liebe Frau Kunz. Ich bin selbst MINT Absolvent Baujahr 2002 und hatte bei all der Laborarbeit an der ETH keine Zeit für Philosophie. Vorschlag zur Einigung: Die MINTs kümmern sich um die R&D in den Gründerzentren und Sie kommen dann zu einem Seminarvortrag vorbei und erklären den MINTs wie die nächste Generation es besser machen kann und trotzdem nicht als Clochards endet. Einverstanden?
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    8. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      @kaiser das Attribuieren der entsprechenden Begriffe an die entsprechende Person, da ist Genauigkeit eine Form wissenschaftlicher Höflichkeit oder nicht? Es freut mich natürlich, dass Sie die Revolution aufnehmen .....
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    9. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Bin dafür zu haben Herr Baumann, würde mich freuen ...
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    '...gefragt wie noch nie.' Da lacht sich der freie deregulierte, globalentfesselte, Arbeitsmarkt ins Fäustchen. Ob EU oder CH da wird keine Politik für Menschen sondern, für die Finanzwirtschaft aufgegleist. Liebe Jungs&Mädels macht Euch politisch und strategisch schlau, denn es weht entgegen allen Versicherungen eine recht kompetitive Brise, wobei der Wettbewerb nichts mit Euch/den Produkten zu tun hat. Er ist einzig von steuerlichen und rechtlichen Discoutsituationen in den Regionen abhängig.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Nun wird wieder mit grossen Versprechen den Begabten vor gegaukelt - Master off ( MINT ) habe grosse Zukunft. Das wurde in den 70er auch gepredigt - ein Ing. verdiente ca. soviel wie ein Handelskaufmann damals 2200 bis max. 4000 Fr. in der Ostschweiz. Das ging so weit, dass der Ing. sich nicht mal seine eigenen Arbeitsergebnisse Leisten konnte. Die Folge war - nur noch Wenige studierten das Ing.-Fach. Ohne hervorragende Ing. geht gar nichts mit Robotern, das merken sie erst jetzt die Strategen.
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