Zum Inhalt springen

Wirtschaft IWF erwartet Schwächeperiode der Schwellenländer

Der Internationale Währungsfonds geht auch in der jüngsten Prognose von einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent aus. Dabei zeigt sich aber: Für die Industrieländer sind die Aussichten rosiger als vor einem halben Jahr, für die Schwellen- und Entwicklungsländer dagegen deutlich düsterer.

IWF-Chefökonom Olivier Blanchard.
Legende: IWF-Chefökonom Olivier Blanchard: Weltwirtschaft bleibt stabil, aber es gibt Verschiebungen. Keystone

Steigendes Wachstum für die hochentwickelten Volkswirtschaften, rückläufige Werte in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Mit diesen Worten fasst IWF-Chefökonom Olivier Blanchard die neusten Prognosen des Währungsfonds zusammen. Damit hat sich die Gewichtung innert eines halbes Jahres klar verschoben.

Die Sorgenkinder der Weltwirtschaft sind die Schwellenländer. Viele leiden unter den tiefen Preisen für Öl und andere Rohstoffe. Schwärzer als vorher fällt die Prognose für Russland und Brasilien aus. Auch das Wachstums Chinas als inzwischen zweitgrösster Volkswirtschaft der Welt dürfte sich nach Einschätzung des Fonds weiter abschwächen.

Schockresistenz ausgelotet

Die Sorge über die Lage vieler Entwicklungsländer wird auch im Centre for Global Development geteilt, das nahe des IWF-Hauptquartiers in Washington liegt. In der Denkfabrik hat die Ökonomin Liliana Rojas-Suarez einen Index entwickelt, der die Krisenanfälligkeit von 21 Entwicklungsländern misst. Und zwar anhand von Kriterien wie Staatsverschuldung, Inflation oder Abhängigkeit von ausländischen Krediten.

Sie ging der Frage nach, ob Schwellenländer besser für einen externen Schock wie etwa eine rasche Zinserhöhung in den USA gewappnet sind. «Viele sind es nicht», stellt die Ökonomin fest. Am allerwenigsten Argentinien, was angesichts der miserablen Wirtschaftsdaten aber nicht verwundere.

Drohende Ansteckungsgefahr

Viel überraschender sei dagegen, dass selbst einige der früher hochgelobten BRICS-Staaten wie Indien und Brasilien am unteren Ende des Index landeten. Beide Länder hätten aber in den Boomzeiten nicht genügend vorgesorgt. Sie hätten hohe Auslandsschulden, wenig Währungsreserven und daher viele weniger Spielraum als vor der letzten Finanzkrise 2007, um einen externen Schock abzupuffern.

Als gefährlich bezeichnet Rojas-Suarez die drohende Ansteckungsgefahr: «Wenn grosse Schwellenländer schwächeln, könnten internationale Investoren auf die Idee kommen, sich aus allen aufstrebenden Entwicklungsländern zurückzuziehen.»

ING: Kapitalflucht im Gang

Das aber geschieht offenbar längst: Gemäss Berechnungen der Finanzgesellschaft ING haben die 15 grössten Schwellenländer im zweiten Halbjahr 2014 die grösste Kapitalflucht seit der Finanzkrise erlebt. Als Erklärung nennen die Experten einerseits die Schwäche der Schwellenländer, andererseits die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA.

Das zeigt: Die Lage ist ernst. Für einmal könnte der IWF Recht behalten.

5 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Zu IWF und dessen Machenschaften gibt es ein ganz interessantes Video: Weltmacht IWF mit Ernst Wolf
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Der IWF ist der Befehlsausführer der USA. Wo der wütet findet radikaler Sozialabbau und Ausverkauf der Länder statt. Ein Land konnte sich bisher aus dessen Klauen befreien, dank eines intelligenten Staatsoberhauptes. Die BRICS-Staaten und auch andere haben dies schon längst gemerkt und wollen daher einen Gegenpool zu IWF oder dem Dollar aufbauen. Die haben auch die Lehren daraus gezogen, was mit anderen Staatsführer, welche ähnliche Gedanken hegten, passierte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Der IWF vertritt die Interessen der USA - weltweit. Mittlerweile haben die BRICS-Staaten die "Die New Development Bank" gegründet und daraus die “Asian Infrastructure Investment Bank”. Diese Banken wollen den Dollar als Leitwährung konkurrenzieren. Es ist ein Machtkampf im Gang. In Argentinien ist Mr. Soros ein Grossinvestor. Er hat im Feb. dieses Jahres vor einem Londoner Gericht einen wichtigen Etappensieg im Streit um arg. Staatsanleihen errungen. Die Chancen auf eine Auszahlung stehen gut
    Ablehnen den Kommentar ablehnen