IWF sieht Schweizer Wirtschaft auf gutem Weg

Der Internationale Währungsfonds (IWF) attestiert der Schweiz in seiner neusten Länderprüfung eine stabilitätsorientierte Finanz- und Geldpolitik. Den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken hält der IWF für angemessen. Laut den Experten wird das wirtschaftliche Wachstum 2013 aber bescheiden ausfallen.

Der IWF stellt der Schweizer Wirtschaft in seinem jährlichen Länderreport ein gutes Zeugnis aus. Im Finanz- und Immobiliensektor seien stabilisierende Massnahmen getroffen worden, und auch den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken hält der IWF für angemessen.

So empfiehlt der IWF der Schweizer Nationalbank (SNB), den Euro-Mindestkurs «vorläufig dort zu belassen, wo er ist», wie IWF-Chefprüferin Enrica Detragiache vor den Medien in Bern sagte. Dieses «stabilisierende Element» solle aufrechterhalten werden, so lange die wirtschaftliche Erholung nicht gesichert sei und keine Anzeichen einer Inflation auszumachen seien.

Euro-Noten und Schweizer Münzen

Bildlegende: Die Schweiz soll laut IWF vorläufig an der Euro-Mindestgrenze von 1.20 Franken festhalten. Keystone/symbolbild

Jedoch mahnt der IWF die SNB dazu, die Situation bei den «selten so gross gewesenen» Devisenreserven im Auge zu behalten. Würde nämlich der Franken deutlich stärker, so verlören die derzeit bei 427,7 Mrd. Fr. liegenden und vornehmlich in Euro, Dollar, Yen und Pfund angelegten Fremdwährungsreserven massiv an Wert. Solche Verluste könnten laut Detragiache letzten Endes «die Unabhängigkeit der SNB gefährden».

Als Gegenmittel zu einem erneuten Aufwertungsdruck des Frankens schlägt der IWF vor, negative Zinssätze auf den Überschussreserven  der Geschäftsbanken bei der SNB einzuführen. Auch solle die SNB die Eigenmittel erhöhen, um den Risiken einer gestiegenen Bilanzsumme besser zu begegnen.

«Keine typischen Anzeichen einer Immobilienblase»

Äusserst zufrieden zeigte sich die IWF-Delegation mit den Massnahmen, welche die Schweizer Behörden, namentlich das Finanzdepartement, gegen eine mögliche Blase im Immobilienmarkt ergriffen haben. Zwar seien noch immer einige lokale «Hot Spots» auszumachen, alles in allem liessen die Daten für die Gesamtschweiz aber «keine typischen Anzeichen» einer Immobilienblase erkennen.

Um die Risiken im Immobilienmarkt weiter zu senken, legt der IWF der Schweiz nahe, die steuerpolitischen Anreize bei der Hypothekenvergabe zu überdenken. Dass Hauseigentümer die bei Hypotheken anfallenden Zinsen von den Steuern abziehen könnten, trage zu einer Destabilisierung des Systems bei. Gemessen am Bruttoinlandprodukt würden nur in wenigen Ländern der Welt so viele Wohnungs- und Hausbaukredite vergeben wie in der Schweiz.

Mehr internationale Koordination gefordert

Was den Finanzsektor anbelangt, so lobte der IWF die verschärfte Regulierung und Überwachung der Banken- und Versicherungsbranche. Insbesondere die Kapital- und Liquiditätsvorgaben von Basel III hätten zu dieser Verbesserung beigetragen. Wichtig sei es nun, dass die systemrelevanten Grossbanken den Abbau der risikogewichteten Aktiven weiter vorantrieben.

Nachholbedarf besteht nach Ansicht des IWF auch noch bei der Koordination der nationalen mit den internationalen Regulierungsmassnahmen. Die Schweizer Behörden werden ermutigt, sich «mit Nachdruck in diese Richtung zu bewegen». Ein globales System zur Eindämmung der Relevanz von einzelnen Grossbanken für das Finanzsystem sei nämlich noch immer nicht gefunden.

«Bescheidenes» Wachstum für Schweizer Wirtschaft

Die Perspektiven für die Konjunktur in der Schweiz betitelte IWF-Delegationsleiterin Detragiache als «bescheiden». Im Jahr 2013 dürfte die Schweizer Wirtschaft gemäss IWF-Prognose zwischen 1 und 1,5 Prozent wachsen. 2014 werde es dann gar etwas mehr sein, fügte sie hinzu, ohne präziser zu werden.

Der IWF führte sein diesjähriges Länderexamen in der Schweiz vom 8. bis 18. März durch. Die Finanz- und Wirtschaftslage seiner Mitgliedsländer regelmässig zu beurteilen, gehört zur wirtschaftspolitischen Überwachungstätigkeit des Währungsfonds.