Jagd auf Renditen birgt grössere Risiken

Die tiefen oder sogar negativen Zinsen bringen die Pensionskassen, die viel Geld lang und sicher anlegen müssen, zunehmend in Bedrängnis: Sie verschieben immer mehr Geld in neue Anlagekategorien, die tendenziell mehr Risiken bergen.

Symbolbild: Schweizer Banknoten liegen durcheinander, im Zentrum des Bildes eine Tausendernote.

Bildlegende: Wohin bloss mit alle dem Geld der Versicherten? – fragen sich die Pensionskassen. Imago

Not macht erfinderisch: Die Pensionskassen sind auf Renditen angewiesen, denn sie müssen das angesparte Kapital ihrer Versicherten mehren. Auf der Suche nach Rendite stecken sie nun immer mehr Geld in so genannte alternative Anlagen. Dabei geht es um Rohstoffe, Hedgefonds, Infrastruktur-Projekte oder auch um Wertpapiere, die an Versicherungsrisiken gekoppelt sind.

Renditen suchen

Dies habe mit dem Tiefzins-Umfeld zu tun, sagt Heinz Rothacher, Chef des Pensionskassenberaters Complementa. Er nimmt die Risiken der Pensionskassen jedes Jahr in einer Studie unter die Lupe. «Wenn man für Bundesobligationen keinen Zins mehr erhält – oder sogar einen Zins bezahlen muss – muss man andernorts mögliche Renditen holen.» In den alternativen Anlagen gebe es diese Möglichkeiten.

Im letzten Jahr hätten die Vorsorgeeinrichtungen schweizweit rund 15 Milliarden Franken von Bankkonti und Obligationen abgezogen und in alternative Anlagen gesteckt, schätzen die Experten von Complementa gestützt auf ihre jüngste Branchen-Umfrage. Die Pensionskassen würden also bei weitem nicht mit all ihrem Geld in alternative Anlageformen abwandern, sagt Rothacher. Im Durchschnitt seien derzeit rund 8,5 Prozent des Gesamtvermögens der Pensionskassen in solchen Anlagen investiert.

Dieser Anteil ist zwar überschaubar, aber er ist deutlich höher als noch vor einem oder vor zwei Jahren. Das hat auch mit dem Angebot zu tun: Heute gibt es mehr von diesen Anlagemöglichkeiten, zudem ist das Investieren in spezielle Finanzkonstrukte einfacher geworden.

Risikomanagement «in den Kinderschuhen»

Besonders begehrt sind alternative Anlagen bei grossen Pensionskassen. Das sei wenig überraschend, sagt Rothacher. Denn schliesslich brauche es für solche Anlagen auch mehr Knowhow und im Grunde genommen auch ein bewussteres Risikomagement. «Dieses steckt unseres Erachtens aber immer noch in den Kinderschuhen», stellt der Pensionskassenberater fest. Gerade mittelgrosse Kassen hätten beim Risikomanagement Nachholbedarf.

Einige Kassen hätten das Defizit erkannt, würden aber ihr Risikomanagement trotzdem noch nicht ausbauen, heisst es dazu in der Studie von Complementa. Sei es, weil sie die Kosten scheuen, oder weil sie sich zu wenig davon erhoffen. Zuständig für die Anlagepolitik einer Pensionskasse ist übrigens der Stiftungsrat. Er muss auch sicherstellen, dass die Kasse ihre Anlagerisiken unter Kontrolle hat.

Laut Gesetz dürfen Kassen maximal 15 Prozent ihres Geldes in alternative Anlagen investieren. Zahlreiche Einrichtungen können ihr Engagement in diesem Bereich also noch ausbauen. Doch der Löwenanteil der Vorsorgegelder bleibt per Gesetz in Anleihen, Aktien und Immobilien investiert. Das heisst, die Pensionskassen müssen den Grossteil der benötigten Renditen noch immer mit diesen klassischen Anlagen verdienen.

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