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Wirtschaft Jahresabschluss von Alpiq tiefrot

Der Schweizer Energiekonzern hat 2012 erneut einen deutlichen Verlust eingefahren. Über eine Milliarde Franken fehlten unter dem Strich für ein ausgeglichenes Ergebnis. Mit Restrukturierungen und dem Verkauf von Vermögen will das Unternehmen jetzt gegensteuern.

Legende: Video Milliarden-Minus bei Alpiq abspielen. Laufzeit 01:39 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.03.2013.

Alpiq hat 2012 einen Verlust von insgesamt 1,086 Milliarden Franken geschrieben. Laut dem Energiekonzern sind Wertminderungen und Sondereinflüsse die Gründe dafür. Ohne diese Abschreiber hätte das Unternehmen einen Gewinn eingefahren. Allerdings hätte auch der noch um fast 15 Prozent tiefer gelegen als 2011.

Der Umsatz von Alpiq ist um 9,1 Prozent auf 12,71 Milliarden Franken gesunken – Analysten hatten hier mehr erwartet. Die UBS und die ZKB schätzten den Umsatz auf 12,91 Milliarden Franken beziehungsweise 13,15 Milliarden Franken.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging auf 985 Millionen zurück (-18,5 Prozent) – hier hat Alpiq die Erwartungen der Analysten übertroffen. Sie rechneten mit 926 Millionen Franken beziehungsweise mit 948 Millionen Franken.

Fehlinvestitionen und fallende Strompreise

«Alpiq hat in Europa fehlinvestiert und es verpasst, sich dem veränderten Markt anzupassen», glaubt SRF-Wirtschaftsredaktorin Susanne Giger. Zudem hätten Überkapazitäten im Stromangebot die Preise stark gedrückt. Das Unternehmen hatte mit Verlusten gerechnet und bereits im vergangenen November Massnahmen in Aussicht gestellt – ohne diese zu konkretisieren.

Milliarden-Darlehen und Verkauf von Vermögen

Nun kündigt Alpiq ein nachrangiges Darlehen an, um die Kapitalbasis zu stärken: in der Höhe von 800 Millionen Franken bis zu einer Milliarde Franken. Dieses Darlehen sei ein «sehr starkes Signal der Sozialaktionäre», sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin gegenüber SRF. Diese würden bis zu 50 Prozent der Aktien zeichnen.

«Wir müssen den Gürtel enger schnallen» sagte Staiblin weiter. Auch müsse das Devestitionsprogramm «konsequent» umgesetzt werden, Alpiq verkauft also weitere Vermögenswerte. Dies gebe die wesentliche und solide Basis für die Zukunft, zeigte sich die Alpiq-Chefin überzeugt.

In der Energiewende sieht Staiblin eine Chance für Alpiq: «Ich sehe uns in einer Know-how-Geberin, um die Energiewende aktiv zu gestalten». Es sei in Zukunft entscheidend, dass man über Wasser- und Gaskraftwerke verfüge, um die Netzstabilität zu garantieren.

Restrukturierungen am Laufen

Bereits im November 2011 hatte Alpiq begonnen zu restrukturieren. Unter anderem wurden 450 Stellen gestrichen, 170 davon in der Schweiz. Die Zahl der Mitarbeiter sank per Ende 2012 von 11'208 auf 7926 – das ist ein Abbau von fast 30 Prozent.

Doch auch in der Führungsspitze bleibt wenig beim Alten. Nachdem vor einem Jahr bereits der CEO gehen musste, kommt es nun zu einem Rutsch im Verwaltungsrat. Sechs von 13 Räten müssen ihren Hut nehmen und werden ersetzt.

Fessenheim kostet Alpiq Geld

AKW Fessenheim
Legende: keystone

Ende 2016 soll das elsässische AKW Fessenheim abgeschaltet werden. Der Ausstieg hat auch Folgen für die Schweiz. Die Energieversorger Alpiq, Axpo und BKW sind zu je 5 Prozent am Meiler beteiligt. An anfallenden Stilllegungskosten müssten sich also auch die Schweizer Konzerne beteiligen. Pro AKW wird mit Kosten von 1 bis 3 Mrd. Franken gerechnet.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von J. Nehru, Solothurn
    Ist das erstaundlich? Ist doch ein altest Tuch. Wer sich als unternehemer den Markansprüchen nicht anpasst, geht flöten. Wo und wie Alpiq investiert hat, oder musste, konnten wir alle in den schlagzeilen mitvervolgen. Mal sehen, villeicht haben sie aus den fehlinvestitionen und "Sondereinflüssen" gelernt, und passt sich nun endlich dem veränderten Markt an, anstelle sich dem entgegen zu stellen.
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  • Kommentar von Paul Bürger, Schweiz
    sicherlich haben sich die manager wieder herrlich bedient, trotz milliardenloch und fehlinvestitionen... wie immer zahlen die kleinen arbeiter den schaden mit der kündigung. toll gemacht ihr manager! bravo!
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  • Kommentar von Benedikt Jorns, 3047 Bremgarten b. Bern
    Die "Energiewende" ist der grösste Irrtum in der Schweizerpolitik. Der Atomausstieg ist nur in dem Masse sinnvoll, wie die Energieeffizienz und die erneuerbaren Energien imstande sind, unseren Strombedarf abzudecken. Strom aus vorwiegend im Ausland stehenden Gas- und Kohlekraftwerken wollen wir nicht. Dies als "Übergangslösung" zu bezeichnen, basiert auf unrealistischen "Träumereien". Auf ch-strategie.ch ist ein Vorschlag für eine Volksinitiative zur Anpassung unseres Energieartikels in der...
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    1. Antwort von jc.heusser, erstfeld
      Da bin ich Ihrer Meinung Herr Jorns. Es gibt leider viel "Energie-Träumer" in unserem Land. Die Realität sieht aber eben anderst aus. Energieefizients heisst eben Wärmedämmung an bestehenden Gebäuden und Energiespaaren fängt eben schon in jedem Haushalt an. Wenn ich sehe was da für Elektrogeräte und Hilfsmittel für den Alltagsgebrauch im Umlauf sind kann ich mir schwer vorstellen wie wir zur "2000W Gesellschaft" werden ! ! !
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    2. Antwort von Ulrich Bauer, Schönenberg ZH
      Die Energiewende muss auch die finanziellen Verhältnissen der Bevölkerung angepasst sein. Die Löhne und Renten bleiben fast stabil und die Energiekosten sollen markant steigen. Wir können ja dann die massiven Preisaufschläge unseren drei Bundesrätinnen in Rechnung stellen, welche mit dem Atomausstigen kopflos entschieden haben, ohne dass ein überzeugender "Businessplan" vorhanden war.
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    3. Antwort von H. Wach, Luzern
      163 Staaten auf der Welt haben keine AKW - nur 30. Somit gibt es für diese keine Stromlücke. Z. B. versorgt sich Norwegen (obwohl Öl- & Gas-Exporteur) zu 98% mit Gratis-Wasserstrom zu sehr billigen Verbrauchstarifen. Wegen den grossen Schwankungen aus Wind- & Fotovoltaik-Strom braucht es Speicherseen um Grund- & Mittellast zu erzeugen. LEIDER werden CH Stau- & Speicherseen immer noch wegen Langzeitverträgen mit F & D durch teuren Atom- & Kohlestrom gefüllt!!
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    4. Antwort von H. Wach, Luzern
      Die Sachlage ist anders: Der Strommarkt in Europa basiert auf 3 Sektoren: Grundlast-Mittellast-Spitzenlast auf der Basis Flusskraftwerke + Wasserkraft aus Stauseen & Speicherseen = erneuerb. Energie + Kohle, Gas & Atom = NICHT –erneuerb. Energie. Rentabel arbeiten diese nur, wenn sie das ganze Jahr Strom mit Volllast produzieren. Grosse Mengen Strom aus Gratis-Wind & Gratis-Sonne werden allein in D an der Leipziger EU-Strombörse in Spitzenzeiten (fast gratis) auch in die CH verkauft.
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    5. Antwort von K. Räschter, Schweiz
      @H. Wach, Luzern: Sie finden dies wahrscheinlich toll, dass extrem subventionierter Öko-Strom aus Deutschland andere Strom-Produzenten kaputt machen, welche nicht von Subventionen profitieren. Dieses Grossgehabe von der EU und Deutschland mit ihren Extrem-Subventionen in Agrar, Strom, etc. kann es nicht sein. Da wird der Wettbewerb ebenso ausgehebelt wie mit Schutzzöllen. Ohne diese Extrem-Subventionen hätten unsere Stromkonzerne nicht so Probleme.
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