Je länger, je onliner: Bald nur noch Showräume anstatt Läden?

Bücher, Kleider, Schuhe, Leuchten, Handys, ja sogar Möbel. Immer mehr Produkte werden auch online angeboten und gekauft. Diese Entwicklung geht an der Migros nicht vorbei: Ihr Onlineumsatz ist um fast 50 Prozent gewachsen.


Die Online-Strategie der Migros

3:52 min, aus Rendez-vous vom 13.04.2016

Die Vermischung vom Onlinegeschäft und klassischem stationärem Handel werde immer wichtiger, sagt Migros-Chef Herbert Bolliger. Das bedeutet: Online bestellen und im Laden abholen.

Bereits heute kann ein Kunde beim Onlinehändler Digitec, der ebenfalls zur Migros gehört, im Internet einen Drucker kaufen, und ihn beispielsweise in einer Migros-Filiale abholen. «Der Kunde möchte heute alles überall und das am liebsten 24 Stunden. Wir haben mit unseren 2000 Standorten ein sehr dichtes Netz, um das Abholen zu ermöglichen», sagt Bolliger. Damit habe die Migros gegenüber reinen Onlinehändlern einen Vorteil.

Anteil am Umsatz noch gering, aber das ändert sich

Das Onlinegeschäft macht bei der Migros zwar erst einen kleinen Anteil aus. Rund 1,5 Milliarden Franken Umsatz war es im letzten Jahr. Gemessen an einem Gesamtumsatz von rund 27 Milliarden Franken ist das noch wenig. «Doch das Onlinegeschäft wächst deutlich stärker als das übrige Geschäft und wird deshalb immer wichtiger», sagt Bolliger. «Wir haben in allen Onlinebereichen über 10 Prozent Wachstum. Das heisst, dass dieser Bereich auch in Zukunft stark wachsen wird.»

Dieses Wachstum wird auch einen Einfluss darauf haben, wie die Ladenflächen in Zukunft aussehen, darin sind sich Onlinehandelsexperten einig. Thomas Lang vom Beratungsunternehmen Carpathia sagt: «Ich denke, die Läden werden mehr zu Showrooms, in denen man die Dinge noch anschauen kann. Sie werden dann direkt nach Hause oder in den Kofferraum geschickt.» Das werde die Ladenflächen fundamental verändern. Tendenziell werden sie kleiner.

Ladenfläche wird schrumpfen

Es gebe bereits Beispiele dafür, sagt auch Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener: «Wir haben heute schon Konzepte mit nur noch 150 Quadratmetern, nicht mehr mit 1000 Quadratmetern oder 2000 Quadratmetern. Im Laden sind dann nur noch die Leaderprodukte zu sehen, den Rest kann man online bestellen.» Die Ware werde den Kunden zugeschickt, oder er könne sie irgendwo abholen. Das Onlinegeschäft werde sich je länger je mehr mit den klassischen Ladenflächen vermischen.


Migros-Chef Herbert Bolliger im SRF-Interview

3:11 min, aus SRF 4 News aktuell vom 13.04.2016

Migros Chef Bolliger betont aber, dass sich über die ganze Migros Gruppe gesehen, die Ladenfläche nicht verkleinern werde. Es werde einfach Verschiebungen im Sortiment geben. So könnte es zum Beispiel sein, dass an den Migros-Standorten in Zukunft weniger Elektronik, dafür mehr Lebensmittel angeboten würden. Die Migros müsse sich hier Gedanken machen. «Welche Non-Food-Sortimente werden wir im drei M in Zukunft auf der Fläche noch anbieten? Das ist die Herausforderung, die uns betrifft.»

Gemessen am Umsatz ist die Migros heute im Onlinegeschäft schweizweit bereits Marktführer. Wächst sie weiterhin so schnell, wird sich wohl auch die Ladengestaltung bald verändern.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Migros: «Schwieriges Jahr»

    Aus Tagesschau vom 13.4.2016

    Die Migros hat vergangenes Jahr 4,2 Prozent weniger Gewinn gemacht. Migros-Chef Herbert Bolliger spricht von einem schwierigen Jahr wegen des starken Frankens.