Jugendarbeitslosigkeit im Ausland kann Schweiz nicht egal sein

Die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz ist gering. Im Ausland dagegen trifft es Junge seit der Finanzkrise noch stärker. Der neue Jugendarbeitsmarktindex der KOF/ETH vergleicht erstmals die Ursachen auch international und ermöglicht wichtige Rückschlüsse – auch in Bezug auf die Zuwanderung.

Ein Stellensuchender liest den Stellenanzeiger

Bildlegende: Der neue Jugendarbeitsmarktindex der KOF/ETH vergleicht international und erlaubt neue Perspektiven. Keystone

Die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz ist derzeit tief. Schweizer Jugendliche sind gut ausgebildet. Die meisten verdienen genug, um finanziell über die Runden zu kommen. Entsprechend steht die Schweiz im neuen Jugendarbeitsmarktindex der Konjunkturforschungsstelle der ETH derzeit gut da.

In vielen Ländern ist das anders. Das wird in der globalisierten Welt zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Schweiz haben. «Wenn Jugendliche nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden können, ist das sozialpolitisch hochproblematisch. Es wird zu grösseren Migrationsströmen führen, wenn der Zustand andauert», betont Ursula Renold, Forschungsleiterin Bildung bei der KOF.

Abwanderung mit vielfältigen Nachteilen

Das heisst, dass viele junge Menschen ihr Heimatland verlassen und anderswo Arbeit suchen werden. Damit verlieren die Ausgangsländer wichtige Fachkräfte. In den Zielländern, also auch in der Schweiz, gerät dafür der Arbeitsmarkt unter Druck. Entsprechend sollten die Probleme möglichst vor Ort gelöst werden.

Bisher fehlten den politischen Behörden und der Forschung dafür allerdings die nötigen Informationen. Der neue Jugendarbeitsmarktindex der KOF könnte Abhilfe schaffen. Denn dort wird nun unter anderem auch erfasst, wie es in den jeweiligen Ländern um die Bildung der Jugendlichen steht, ob die Qualität der Arbeit stimmt und wie leicht die ausgebildeten Jugendlichen überhaupt Arbeit finden.

Ein vertiefter Blick auf die Ursachen

Renold erklärt dies am Beispiel von Spanien, wo die Lage bei den Jugendlichen besonders prekär ist: Viele arbeiten beispielsweise unter kurzfristig befristeten Arbeitsverträgen. Oder arbeiten sonntags und absolvieren Nacharbeit, also atypische Arbeit. Viele sind zugleich an der Armutsgrenze beschäftigt, haben also eine sehr tiefes Einkommen.

«Das sind Daten, wie wir neu haben und welche die Lage der Jugendlichen besser beschreiben», unterstreicht Renold. Die KOF bietet den Index allen interessierten Ländern an. So kann beispielsweise auch Spanien einfacher herausfinden, wo Veränderungen nötig sind.

Rechtzeitig reagieren

Die Schweiz kann nach den Worten von Renold aber auch direkt vom neuen Index profitieren. So kann die Politik dank dem Ländervergleich eigene Defizite ausloten und beispielsweise abklären, ob die Schweiz tatsächlich jene Ausbildungen anbietet, welche die Wirtschaft in Zukunft braucht. Oder es kann rechtzeitig erkannt werden, wenn die Arbeitsbedingungen für inländische junge Fachkräfte anderswo plötzlich attraktiver werden.

(brut)

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Gute Beschäftigungslage für Schweizer Jugendliche

    Aus Tagesschau vom 27.8.2014

    Die Schweiz ist bei der Jugendarbeitslosigkeit besser dran als die EU. Das geht aus dem neuen Jugend-Arbeitsmarkt-Index der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hervor. Der Index bildet nicht nur die Arbeitslosigkeit ab, sondern auch die Bedingungen, zu denen junge Menschen arbeiten.