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Kahlschlag im Detailhandel Ex Libris schliesst 43 Filialen

Der Schweizer Detailhändler kämpft mit der Digitalisierung. Deswegen schliesst er den Grossteil seiner 57 Filialen, 114 Mitarbeiter sind davon betroffen. Der Geschäftsführer erklärt, warum es zu diesem Schritt kommen musste.

Legende: Video Abbau bei Ex Libris abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.01.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ex Libris schliesst 43 der bisher 57 Filialen. Der Detailhändler möchte sich verstärkt auf das Online-Geschäft ausrichten.
  • 114 der 340 Mitarbeiter fallen den Schliessungen zum Opfer.
  • Die Migros-Tochter begründet den Abbau mit der Digitalisierung und daraus resultierenden Umsatzeinbussen, besonders beim Verkauf von Tonträgern und Filmen.

SRF News: Warum kommt dieser massive Abbau gerade jetzt?

Daniel Röthlin: Wir haben in den Filialen in den letzten zehn Jahren rund 60 Prozent Umsatz verloren, insbesondere in den Produktgruppen Musik und Film. Das ist vor allem auf die Digitalisierung der Produkte durch Streaming und Downloads zurückzuführen.

Sie müssen über 100 Mitarbeiter entlassen. Was geschieht mit ihnen?

Zunächst werden wir gestaffelt entlassen. Je mehr Zeit ein Mitarbeiter hat, sich an einem neuen Ort zu bewerben, desto grösser sind seine Chancen. Zudem haben wir unterstützende Massnahmen nebst dem Sozialplan erstellt, um die Mitarbeiter wirklich fit zu machen für den Arbeitsmarkt.

Ex Libris gehört zum Migros-Konzern. Wäre es eine Lösung, die Mitarbeiter in anderen Filialen der Migros unterzubringen?

Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um unsere Angestellten innerhalb der Migros-Familie platzieren zu können. Das ist sicher das oberste Ziel. Aber der Detailhandel steht allgemein unter Druck, da müssen wir einfach die Chancen nutzen, die uns gegeben werden.

Hätten wir Fehler gemacht, wären wir wahrscheinlich nicht mehr da.

Das Geschäft wandert ins Internet ab, das hat sich abgezeichnet. Wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht, die zu diesem Abbau führten?

Hätten wir Fehler gemacht, wären wir wahrscheinlich nicht mehr da. Wir haben uns online wirklich sehr gut positionieren können über unsere Arbeit in den letzten Jahren. Der stationäre Handel ist seit Jahren rückläufig – jetzt stehen wir vor der letzten Konsequenz.

Ex Libris bleiben noch 14 Filialen, Sie sind dann eigentlich nur noch ein Online-Anbieter. Ist das die neue Strategie?

Ja, im Rahmen der digitalen Transformation gehen wir jetzt den Schritt vom stationären Handel mit Online-Shop zum Online-Händler mit einem stationären Netz. Diese 14 Filialen helfen uns, diesen stationären Teil abzudecken.

Warum setzen Sie mit diesen Filialen weiterhin auf den stationären Handel?

Die Läden sind ein klares Differenzierungsmerkmal gegenüber Mitbewerbern, vor allem den internationalen. Sie ermöglichen uns in dieser Phase, Mitarbeitern weiterhin eine Zukunft und Perspektive im Detailhandel anzubieten. Diese Standorte weisen auch eine Rentabilität aus. Es würde keinen Sinn ergeben, diese Filialen abzubauen.

Was passiert denn nun mit dem Angebot von Ex Libris?

Das Angebot wird sich sicher marktgerecht orientieren. In den Filialen gibt es eine klare Ausrichtung Richtung Buch, weil diese Warengruppe am wenigsten von der Digitalisierung betroffen ist. Das Kulturgut Buch hat einen anderen Stellenwert. Man liebt es noch immer, im Bett zu liegen und ein Buch in den Händen zu halten. Das ist anders bei einer CD oder einem Film.

Das Gespräch führte Daniel Daester.

Legende:
Filialnetz von Ex Libris Bereits in den letzten Jahren baute der Betrieb laufend Filialen ab. Nun wurde aber der weitgreifendste Abbau angekündigt. Migros / Ex Libris
Legende:
Umsatzentwicklung von Ex Libris Vor zehn Jahren erzielte der Medienhändler seine besten Zahlen. Seit 2011 sind die Umsätze jedoch stark rückläufig. Migros / Ex Libris

Zur Person

Zur Person

Daniel Röthlin ist Geschäftsführer von Ex Libris. Seit 2010 steht er an der Spitze der Migros-Tochter.

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