Zum Inhalt springen

Wirtschaft Kann die New Yorker Börse den Libor rehabilitieren?

Der Finanzplatz London übergibt das Zepter der Wall Street. Sie soll den wichtigsten Zinssatz künftig berechnen. Das ist aber nur eine von vielen Massnahmen, um das Vertrauen in den Libor wiederherzustellen.

Legende: Video Libor wird künftig in New York festgelegt abspielen. Laufzeit 0:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.07.2013.

Der Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Deshalb gilt er als der weltweit wichtigste Zinssatz. Als vor einem Jahr aufflog, dass ihn mehrere Banken manipuliert hatten, geriet der Libor in Verruf. Als vertrauensbildende Massnahme soll er künftig von der New Yorker Börse berechnet werden, und nicht mehr von der britischen Bankiervereinigung.

Damit ist der zweite Punkt auf dem Zehnpunkteplan der britischen Finanzmarktaufsicht abgehakt. Sie fordert dort, dass das Vertrauen in den Libor zurückgewonnen wird.

Die Auslagerung der Libor-Berechnung sei ein wichtiger Schritt auf diesem Weg, sagt Manuel Ammann, Professor für Finanzen an der Universität St. Gallen. «Die englische Bankiervereinigung geniesst das Vertrauen nicht mehr. Deshalb braucht es einen Neubeginn mit einer neuen Institution, die diese Berechnung durchführt.»

Weitere Massnahmen geplant

Die neue Institution ist die New Yorker Börse. Sie muss nun auch noch die verbliebenen Punkte auf der Checkliste umsetzen. Besonders wichtig sei zum Beispiel, dass die Grundlage für die Libor-Berechnung angepasst werde, betont Ammann gegenüber SRF.

Es sei wichtig, dass dazu nicht nur hypothetische Eingaben von Banken benutzt würden. Die Eingaben müssten auf tatsächlich gehandelten Werten beruhen – auf Zinsen also, die die Banken auf realen Krediten bezahlen und erhalten. Das soll künftig die Basis für den Libor sein.

Weiter sollen mehr Banken Daten liefern. Mehr Daten gleich glaubwürdigere Zinsen, so die Idee der britischen Behörden, die auch in Zukunft die Aufsicht über den Libor haben.

Bis die New Yorker Börse alle zehn Punkte umgesetzt hat, dürfte es mindestens noch ein Jahr dauern. Ob das Vertrauen in den Libor überhaupt zurückkommt, bleibt offen. Kritiker stellen die Unabhängigkeit der New Yorker Börse bereits in Frage. Schliesslich werden an der Wallstreet Libor-Produkte gehandelt.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Walter Kathriner, Sarnen
    wenn wir ein EU Staat wären, hätten wir die Chance gehabt den Platz zu stellen. Solche verpassten Gelegenheiten haben wir alle unserem Oberguru und seinen Abhängigen zu verdanken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A. Guant, Sunnybeach
      Frankfurt hätte an Stelle von Wallstreet das spielend auch erfüllen können,aber das Zepter haben die UK sich selbst weiter gegeben um es nicht mit der EU teilen zu müssen,denn die USA sind eine Kronkolonie der City of London.BRD,A oder Luxemburg wurden gar nie angefragt;-), daher scheint Ihre Behauptung komplett an den Haaren herbei gezogen.Die Entscheidung der UK wurde nicht durch die EU getroffen;-)Für UK ist die EU-Mitgliedschaft wie eine Mitgliedschaft im Jassclub,mehr nicht
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Guant, Sunnybeach
    Wer rehabilitiert Staaten, die sich mit unlauteren Mittel wie z.B. Geheimdienstmethoden Insiderwissen aneignen um sich selbst zu übervorteilen? Mit Insiderwissen kann man jedes Geschäft zu seinen Gunsten entscheiden.Der Handlungs- u. Rechtspielraum von Konkurrenten verkommt zu einem Sturm im Wasserglas mit der operativen Bewegungsfreiheit eines Hamsterrades.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von S. Mosimann, Luzern
    Dass die Engländer die Festlegung des Libor den Amerikanern übertragen zeigt wie hoch das fehlende Selbstvertrauen wie tief das der Wille zu stabilen Verhältnissen innerhalb der EU ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen