Karrer kann auf Wohlwollen zählen

Heinz Karrer soll es richten. Der bisherige Axpo-Chef soll den Wirtschaftsdachverband Economiesuisse aus der Krise führen. Erste Reaktionen zeigen: Karrer kommt bei den Politikern gut an.

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Heinz Karrer soll Economiesuisse leiten

3:40 min, aus 10vor10 vom 12.8.2013

Bei der Abzocker-Initiative erlitt der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse eine kolossale Niederlage. Der Verband braucht nun einen starken Mann.

In einem Communiqué streicht Economiesuisse deshalb Heinz Karrers Glaubwürdigkeit, seine Fähigkeit zum Dialog und seine guten Kenntnisse des politischen Systems der Schweiz hervor.

Erste positive Reaktionen

Karrer scheint das nötige Rüstzeug mitzubringen. SRF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp zählt Karrer zu den mediengewandtesten Managern in der Schweiz. «Er weiss, wie die Medien ticken. In den 90er war er Chef vom Ringier-Konzern.» Genau so einen brauche der Verband jetzt, sagt Lipp.

CVP-Ständerat Pirmin Bischof kritisierte den Wirtschaftsdachverband Anfang Jahr scharf, jetzt sagt er gegenüber SRF: «Die Hauptaufgabe für Heinz Karrer wird sein, das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung in die Schweizer Wirtschaftsspitze wieder herzustellen. Das ist beschädigt. Ich traue ihm als Person das zu.»

Auch FDP-Fraktionschefin Gabi Huber tut das: Karrer sei besser vernetzt als sein Vorgänger Rudolf Wehrli. Auch FDP-Präsident Philipp Müller schätzt Karrers «hohe Glaubwürdigkeit», wie er im Gespräch mit «10vor10» sagte.

Es gibt auch kritische Stimmen

Grüne Politiker bangen um die Energiewende, weil mit Karrer ein AKW-Befürworter an die Economiesuisse-Spitze wechselt. SP-Wirtschaftspolitikerin Susanne Leutenegger kommentiert die absehbare Wahl des Axpo-Chefs so: «Ich werte das als Schwächezeichen. Früher war die Economiesuisse der Verband der starken Unternehmer. Offenbar will sich hier niemand mehr zur Verfügung stellen. Die Axpo gehört den Kantonen und ist damit faktisch ein Staatsunternehmen.»

Vielleicht aber sei Karrer eine gute Wahl, sagt Leutenegger weiter. Karrer sei einer, der mit einer Banklehre begann und mit Swisscom und Axpo für zwei sehr staatsnahe Unternehmen arbeitete. Er sei ein Handwerker, und er kenne die Schweizer Politik. Von daher könne Karrer der richtige Mann sein, so Susanne Leutenegger gegenüber SRF.

Corrado Pardini, SP-Nationalrat und Unia-Geschäftsleitungsmitglied, räumt zwar ein, dass eine schwierige Aufgabe auf Karrer zukomme. Er stellt aber nicht Karrer, sondern den ganzen Verband in Frage. So wie der Verband in den letzten Jahren funktioniert habe – sei unklar, ob das ein Verband sei, den es noch brauche.

Karrer ist nun gefordert

In der Politik wird Karrer wechselnde Allianzen schmieden müssen. Zunächst mit den bürgerlichen Parteien gegen die Linke und ihre 1:12-Initiative, später dann gegen die SVP und ihre Initiative gegen Masseneinwanderung.

SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz, der mit Karrer befreundet ist, wird dann zum politischen Gegner: «Wenn man gleicher Meinung ist, dann ist Karrer ein guter Partner. Bei Differenzen ist er ein fairer Gegenspieler, der aber ernst zu nehmen ist.» Amstutz geht davon aus, dass «er mehr Bodenhaftung hat als sein Vorgänger».

«Grosse Ehre» für den Axpo-Chef

Für Karrer ist die Nomination eine grosse Ehre. Dies schreibt er in einer persönlichen Erklärung. Er sehe im Amt eine herausfordernde und spannende Aufgabe. In seiner elfjährigen Tätigkeit als Axpo-Konzernchef habe er gemerkt, wie wichtig die politischen Rahmenbedingungen für das Gedeihen der Wirtschaft seien.

Die Wahl wird am 29. August abgehalten. Karrer werde die Geschäfte schrittweise übernehmen. Wie schnell der designierte Präsident die volle Verantwortung übernehmen kann, hängt davon ab, wie rasch Axpo die Nachfolge von Konzernchef Karrer regelt.

In der Zwischenzeit führen wie bislang die drei Vizepräsidenten von Economiesuisse die Geschäfte des Präsidenten.

Dachverband in der Kritik

Bei Economiesuisse gaben im Frühsommer sowohl Direktor Pascal Gentinetta als auch Präsident Rudolf Wehrli ihren Rücktritt bekannt. Der Wirtschaftsdachverband ist zuletzt wegen des verlorenen Abstimmungs-Kampfs um die Abzocker-Initiative in die Kritik geraten.

Im Februar gab zudem der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie wegen eines Konflikts um den Schutz der Marke «Swiss Made» den Austritt aus dem Dachverband bekannt.