Keine Geschenke: US-Notenbank kündigt Ende des Billiggelds an

Nun ist es so weit: Die US-Währungshüter haben den Einstieg in den Ausstieg bekanntgegeben. Künftig soll weniger billiges Geld in den Markt gepumpt werden. Doch was bedeutet das für die Schweizer Wirtschaft? Zweierlei, meint der Chefökonom des Bankhauses Sarasin.

Die US-Notenbank leitet angesichts besserer Konjunkturaussichten einen langsamen Kurswechsel ihrer äusserst aggressiven Geldpolitik ein. An den Finanzmärkten reagierten Anleger weltweit erleichtert – auch in der Schweiz.

Der SMI notierte am späten Vormittag (11 Uhr) um 1,3 Prozent höher auf 7985 Punkten. «Viele Anleger hatten die Fed-Entscheidung wohl schon eingepreist und waren dann überrascht darüber, dass die Fed der Wirtschaft mehr Zeit lässt als ursprünglich angenommen», sagt dazu Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin.

Niedrigzinsen auch bei boomender Wirtschaft

Die Federal Reserve (Fed) hatte am Mittwochabend angekündigt, den Ankauf von langfristigen Staatsanleihen im Januar um zehn Milliarden Dollar zu drosseln. Ende 2014 könnten die Käufe ganz versiegen.

«Es musste ja irgendwann mal passieren», kommentiert Jan Poser den jüngsten Fed-Entscheid. Er räumt aber auch ein, dass das Ganze für ihn nun doch früher komme als erwartet. Letztlich sei der Entscheid zwar ein Schritt nach vorn, gleichzeitig gehe die Fed aber auch wieder zwei zurück, lautet Posers Einschätzung.

Denn ihren Kurswechsel bei dem Anleihekaufprogramm milderte die US-Notenbank direkt wieder ab. So sicherte sie zu, dass die Leitzinsen längerfristig auf dem historischen Tief an der Nullmarke bleiben werden. Das Ganze solle auch dann gelten, wenn sich Konjunktur und Arbeitsmarktlage weiter verbessern.

Für Poser ein Zeichen dafür, dass auch die US-Währungshüter dem wirtschaftlichen Aufschwung nur bedingt vertrauen. «Momentan ist die Konjunktur in der Tat weder in den USA noch weltweit robust genug, um durch höhere Zinsen möglicherweise gedämpft zu werden.»

Er gehe deshalb auch davon aus, dass die Fed flexibel auf die Marktsituation reagieren werde. «Angedacht ist derzeit, die Anleihekäufe im 6-Wochen-Rythmus jeweils um zehn Milliarden Dollar herunterzufahren.» Wenn der Wirtschaftsmotor jedoch stottern sollte, werde man wohl aber von diesem Fahrplan abweichen.

Franken bleibt weiter teuer

Für die Schweiz ist der jüngste Fed-Entscheid aus Sicht des Chefökonoms allerdings ein zweischneidiges Schwert. «Positiv ist, dass durch niedrige Zinsen weiter versucht wird, die US- und damit auch die Weltkonjunktur anzukurbeln.» Das sei gut für die Schweizer Wirtschaft.

Weniger gut hingegen sei, dass es aufgrund des Niedrigzinses für Anleger keinen Grund gibt, aus dem Franken auszusteigen und in den Dollar zu gehen.» Laut Poser wird deshalb der Druck auf den Franken weiter anhalten.

Fed-Entscheid vor Monaten angekündigt

Der US-Leitzins liegt seit Ende 2008 auf dem historischen Tiefstand zwischen Null und 0,25 Prozent. Damals hatte sich die schwere Finanzkrise ausgebreitet und eine weltweite Rezession ausgelöst.

Der Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik gilt als eine extrem schwierige Aufgabe. Das Risiko dabei ist, dass die Finanzmärkte und Weltwirtschaft mit Nervosität reagieren und die Konjunktur einen Rückschlag erleidet.

Da sich die US-Wirtschaft langsam erholt, hatte die Fed aber bereits vor vielen Monaten angekündigt, die Notenpresse auf lange Sicht schrittweise zu drosseln. Die Entscheidung kam kurz vor dem Ende von Bernankes Amtszeit als Fed-Chef.

Jan Poser ist seit zwölf Jahren bei der Bank Sarasin – davon die letzten fünf als Chefökonom. Seit dem Frühjahr leitet er auch das Asset Management (Vermögensverwaltung) des Bankhauses.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • US-Notenbank kürzt Konjunkturprogramm

    Aus 10vor10 vom 18.12.2013

    Die amerikanische Notenbank Fed fährt ihr Konjunkturprogramm zurück und drosselt die monatlichen Käufe von Staatsanleihen um zehn Milliarden Dollar.