Keine Palastrevolution bei der NZZ

Etienne Jornod bleibt Verwaltungsratspräsident der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ). Er wurde an der Generalversammlung in Zürich mit deutlicher Mehrheit für weitere vier Jahre gewählt – trotz massiver Kritik an seiner Amtsführung.

Alles bleibt beim Alten bei der «Neuen Zürcher Zeitung»: Die Verwaltungsratsmitglieder wurden für vier Jahre wiedergewählt. Weil die Amtsdauer der Verwaltungsräte vier Jahre dauert, mussten sich nur drei der neun Mitglieder der Wiederwahl stellen: Neben Präsident Jornod waren dies Christoph Schmid und Bernd Kundrun. Alle drei Verwaltungsratsmitglieder wurden klar bestätigt.

Eine Aktionärsgruppe um den früheren NZZ-Auslandredaktor Reinhard Meier hatte zuvor den Antrag gestellt, Jornod abzuwählen, wie die NZZ auf Twitter meldete. Kritisiert wurde vor allem seine Rolle bei der Ernennung des neuen Chefredaktors.

Meier bezeichnete das Manöver mit «Blocher-Mann Somm» als Anschlag auf die Seele der NZZ und als «schrecklichen Mangel politischer Urteilsfähigkeit».

Weiterer Angriff abgewehrt

Ebenfalls keine Chance hatte ein weiterer Antrag, die Amtszeit der Verwaltungsräte auf ein Jahr zu beschränken. Diesen Vorschlag hatte die Aktionärsgruppe «Freunde der NZZ» um Erhard Lee, Oliver Benz und Edwin van der Geest eingebracht. Sie warf dem Verwaltungsrat vor, es fehle ihm an verlegerischem und publizistischem Know-how. Der Antrag auf eine Statutenänderung wurde jedoch mit 8919 gegen 16'610 Aktionärsstimmen deutlich abgelehnt.

Einen ungewöhnlichen Empfang hatten die Aktionäre der «Neuen Zürcher Zeitung» beim Eintreffen im Kongresshaus in Zürich erlebt: Sie wurden von ehemaligen Redaktionsmitgliedern aufgefordert, Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod und CEO Veit Dengler das Vertrauen zu entziehen.

Auf einem Flugblatt wurden ungewohnt harte Töne angeschlagen. Verwaltungsrat und Unternehmensleitung wurde vorgeworfen, sie hätten das einstige Flaggschiff der Schweizer Presse in eine Krise geführt, es der Lächerlichkeit preisgegeben und unverantwortbaren Risiken ausgesetzt.

Die Aktionäre wurden deshalb aufgefordert:

  • der Führung die Entlastung zu verweigern
  • die Wiederwahl des Verwaltungsratspräsidenten zu verhindern
  • eine ausserordentliche Generalversammlung zu beauftragen und einen neuen Verwaltungsrat zu wählen

Unruhe im Traditionsblatt

Bei der NZZ herrscht seit dem vergangenen November Unruhe, nachdem bekannt wurde, dass die Druckerei in Schlieren geschlossen wird. 125 Angestellte verlieren damit Mitte Jahr ihren Job.

Für noch negativere Schlagzeilen sorgte der Verwaltungsrat um Jornod im Dezember, als NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann gehen musste und bekannt wurde, dass dieser durch den Chefredaktor der «Basler Zeitung» und Christoph Blocher nahe stehenden Markus Somm ersetzt werden sollte.

Aufgrund des öffentlichen Drucks und Protesten wurde schliesslich vor einem Monat eine interne Lösung getroffen. Als Chefredaktor ernannt wurde Auslandchef Eric Gujer.

Der Macher: Etienne Jornod

Der Macher: Etienne Jornod

Der breiten Öffentlichkeit wurde Etienne Jornod eher als glückloser Präsident der NZZ bekannt. Der Mediennovize führt aber in erster Linie den Milliardenkonzern Galenica – und dies äusserst erfolgreich. SRF hat ihn einen Tag lang begleitet.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Etienne Jornod unter Druck

    Aus 10vor10 vom 10.4.2015

    Etienne Jornod steht der erfolgreichen Berner Pharmagruppe Galenica vor und nennt Wachstum ohne Grenzen als sein Erfolgsrezept. Doch muss er Morgen an der Generalversammlung um seine Wiederwahl fürchten. Wegen verschiedenen Aktionen steht er in der Kritik. Ein Porträt von einem Mann, dem vorgeworfen wird, es fehle ihm am publizistischen Knowhow.