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Wirtschaft «Knapp die Hälfte der Hotels in Tunesien sind geschlossen»

Diesen Sommer bleiben die Strände Tunesiens wohl leer: Zu unsicher scheint vielen Touristen die Lage, zu lebendig sind die Erinnerungen an mehrere blutige Anschläge. Nun hofft das Land auf den russischen Markt, wie Journalistin Annette Steinich erklärt.

Blick auf leere Liegestühle an einem tunesischen Strand.
Legende: Gähnende Leere: Badetouristen meiden tunesische Strände. Keystone

Nach den blutigen Anschlägen im vergangenen Jahr auf das Bardo-Museum in Tunis (März), ein Hotel in Sousse (Juni) und die Präsidialgarde (November) meiden Touristen Tunesien. Das Geschäft ist regelrecht eingebrochen. Die Folgen für das Land erklärt Annette Steinich, die für die NZZ aus Tunis berichtet.

SRF News: Wo zeigt sich der Einbruch im Tourismus?

Annette Steinich: Von den knapp 600 Hotels im Land sind in dieser Saison etwa 270 geschlossen, also knapp die Hälfte. In manchen Touristen-Zentren bleiben sogar 70 Prozent der Hotels geschlossen.

Es sind also auch deutlich weniger Touristen im Land zu sehen?

Ja, in den Touristen-Zonen sind die Strände und Hotel-Anlagen auffallend leer. Die Zahl der Übernachtungen ist im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent zurückgegangen. Grosse Reise-Agenturen wie beispielsweise Thomas Cook haben Tunesien bis mindestens diesen Oktober ganz aus ihrem Programm genommen.

Schlägt sich das nieder in einer steigenden Arbeitslosigkeit?

Vor der tunesischen Revolution haben etwa 400'000 Menschen in der Tourismus-Branche gearbeitet, und etwa zwei Millionen Menschen haben indirekt davon gelebt. Inzwischen ist die Arbeitslosenquote auf über 15 Prozent gestiegen, in manchen Regionen sogar auf 50 Prozent. Betroffen sind vor allem Jugendliche: Von fünf Jugendlichen haben zwei keine Arbeit.

Die tunesische Regierung hat viel in die Sicherheit investiert, besonders in Tourismus-Zonen.

In Ägypten, wo das Geschäft ebenfalls am Boden liegt, hat die Regierung ein Programm lanciert, um den Tourismus anzukurbeln. Gibt es in Tunesien auch solche Pläne?

Die tunesische Regierung bemüht sich sehr darum, der Wirtschaft zu einem Aufschwung zu verhelfen. Vor allem hat sie viel in die Sicherheit investiert, besonders in Tourismus-Zonen.

Es gibt auch eine Strategie des Tourismus-Ministeriums: Der Tourismus soll diversifiziert werden – weg vom Massen-Tourismus, hin zum Öko-Tourismus. Man arbeitet an der Qualität und an der «Marke Tunesien».

Mit Erfolg?

Man bemüht sich, neue Märkte zu erschliessen. Die Tourismus-Ministerin war zum Beispiel in Russland. Und die Zahl der Touristen aus Russland ist tatsächlich gestiegen. Auch dank sechs neuen Direktflügen von Russland nach Tunesien. Die Branche hofft jetzt sehr auf das Geschäft mit russischen Touristen.

Die Branche hofft jetzt sehr auf das Geschäft mit russischen Touristen.

Fazit: In Tunesien hat zwar die Demokratie gewonnen, aber der wirtschaftliche Aufschwung bleibt aus?

Ja, die Demokratie hat auf jeden Fall gewonnen. Tunesien ist ein Rechtsstaat, es gab freie Wahlen, eine frei gewählte Regierung. Die Regierung ist aber mit Blick auf Reformen zögerlich, auch im Tourismus. Da wünschen sich manche mehr Entschlossenheit.

Es gibt aber auch gute private Anstrengungen: kleine Hotels oder Initiativen im Kultur-Tourismus. Es gibt hier auch eine lebendige Start-up-Szene von jungen Unternehmensgründern. Insgesamt hat das Land viel zu bieten.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Diese Hotels wuerden billigst "all inclusiv" offerieren und so koennte man dort Fluechtlinge unterbringen.. sie muessten nicht erst in die CH kommen, aber wir wuerden bezahlen... kommt massiv billiger als sie in der CH zu haben...Ich habe DAS schon mal geschrieben ... was daran falsch und nicht netiquetteconform sein soll ist mir schleierhaft!!! Ein konstruktiver Vorschlag...
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Ohne innere Sicherheit wird es keine wirtschaftliche Erholung in diesen Regionen in Nordafrika gebe können. Das sollte die Leute da langsam auch selber gemerkt haben. Davonlaufen und einfach in Europa Asyl beantragen, löst das Problem eben auch nicht, sondern schafft zusätzliche Probleme.
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  • Kommentar von Franz Huber (R.)
    In die Türkei dürfen die Russen nicht mehr, nach Ägypten wollen sehr viele wohl momentan nicht mehr. Da bietet sich Tunesien als Alternative für die russischen Touristen schon an. Ich würde allerdings in keines dieser Länder in die Ferien gehen. Sondern in die traditionellen Strandferien Länder die zu Europa gehören, und die zurzeit ganz sicher auch mehr Touristen brauchen könnten. Italien, Spanien, Griechenland und Kroatien.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Huber: Im Augenblick ist es ratsam, sich von allen islamisch-fundamentalistisch orientierten Laendern fern zu halten. In all diesen Laendern gibt es erhebliche Gesellschaftsprobleme, die noch nicht überwunden sind. In den meisten dieser Ländern gibt es keine verlässliche Strukturen ausser eben Despoten, die mit drastischen Mitteln die Ruhe im Lande herstellen wollen. Es herrscht die Stunde der Despoten und Extremisten und der Hass auf alles Westliche.
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