Kollaps des Reederei-Riesen Hanjin: Schweizer Spediteure leiden

Nach der Insolvenz der südkoreanischen Reederei Hanjin sind mehrere dutzend Containerschiffe blockiert. Sie können nicht in die Häfen. Die Schiffe transportieren Waren im Wert von 14 Milliarden Dollar. Die Schweizer Spediteure sind von dem Kollaps betroffen.

Containerschiff der Firma Hanjin

Bildlegende: Dieses Containerschiff kann nicht weiterfahren Keystone

Noch dauert es einige Monate bis zum Weihnachtsfest. Bei den aktuell sommerlichen Temperaturen denken die wenigsten an das Einkaufen von Geschenken und auch die Wunschliste ist noch nicht gemacht. In der Logistikbranche hingegen ist das Weihnachtsgeschäft längst angelaufen. Die Containerschiffe transportieren all jene Waren rund um den Globus, die später bei uns in die Läden gelangen und dann auch unter den Weihnachtsbaum.

Dass nun in dieser vorweihnächtlichen Zeit eine der weltweit grössten Schifffahrtsgesellschaften zusammengebrochen ist, führt in der Branche zu einigen Turbulenzen. 89 Containerschiffe von Hanjin sind blockiert. Die Häfen lassen die Schiffe nicht an die Docks, weil unklar ist, wer die Kosten für das Abladen übernimmt. Hanjin fehlt das Geld. Mehrere Schiffe wurden von den Gläubigern konfisziert. Auf den blockierten Schiffen befinden sich rund 650'000 Container. Die Ware hat einen Wert von 14 Milliarden Dollar.

Schweiz ist betroffen

«Der Schweizer Aussenhandel ist von der Insolvenz betroffen», sagt Thomas Schwarzenbach, Direktor beim Branchenverband Spedlogswiss. Hanjin sei eine bekannte und grosse Reederei, die auch in der Schweiz vertreten sei. Am meisten betroffen seien die Spediteure, die nun grosse Schwierigkeiten hätten an die Ware auf den blockierten Schiffen zu kommen. Ein Problem sei insbesondere auch, dass Hanjin in einer Allianz eingebunden sei. Dies erschwere die Suche nach den fehlenden Containern.

«Wir bekommen zahlreiche Anrufe von Spediteuren, die sich beraten lassen», sagt Schwarzenbach weiter. Dabei gehe es auch um Versicherungsfragen. Der Verband informiert seine Mitglieder mit Merkblättern über die Folgen der Insolvenz. Zu Spedlogswiss gehören 340 international tätige Speditions- und Logistikunternehmen der Schweiz.

Container und Kräne in einem Hafen von Südkorea

Bildlegende: Hochbetrieb auf einem Hafen in Südkorea. Reuters

Notszenarien der betroffenen Firmen

Die Insolvenz von Hanjin hat vor allem auch Folgen für Firmen in Südkorea, die eng mit der Reederei zusammenarbeiten. Allein Samsung hat derzeit mehr als 600 Container auf den blockierten Schiffen - mit Waschmaschinen, Kühlschränken, Bildschirmgeräten und weiteren elektronischen Geräten. Nun plant Samsung mehrere Frachtflugzeuge einzusetzen, damit die Lieferfristen eingehalten werden können. Auch der amerikanische Computerhersteller HP spricht von mehr als 500 Containern, die auf den Schiffen blockiert sind.

Nahrungsmittel werden knapp

Gemäss Angaben von koreanischen Medien sind auf den Geisterschiffen mehr als 1000 Angestellte der Reederei festgehalten. Sie müssen nun den Gürtel enger schnallen. Die Esswaren sind knapp bemessen. Ungewiss ist vor allem auch wie lange die Warterei weitergeht. In den USA hat ein Gericht heute zwar beschlossen, dass die Schiffe an den amerikanischen Häfen Gläubigerschutz erhalten und nicht beschlagnahmt werden dürfen. Offen ist allerdings wer die Kosten der Hafenarbeiter übernimmt. Ohne Vorauszahlung werden die Schiffe nicht abgeladen.

Überkapazitäten in der Branche

Hintergrund für den Kollaps von Hanjin sind Überkapazitäten. Die Reedereien haben in den vergangen Jahren zu viele grosse Schiffe gekauft, zu einer Zeit, als der globale Handel noch florierte. Die Überkapazitäten haben dazu geführt, dass die Frachtpreise in den Keller gefallen sind und die Schifffahrtsgesellschaften grosse Verluste machen. Und so haben sich bei Hanjin Schulden von 6 Milliarden Dollar angehäuft.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die Schifffahrt in der Krise

    Aus Trend vom 3.9.2016

    Es ist die siebentgrösste Schifffahrtsgesellschaft der Welt: die südkoreanische Hänjing Shipping Company. Nun steht sie vor dem aus. Die Banken geben dem Unternehmen kein Geld mehr.Was ist das los?

    Manuel Rentsch