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Kongress an der ETH Schweiz will Land der Drohnen bleiben

Bei Forschung und Technologie mischt die Schweiz ganz vorne mit. Das zeigt der Drohnenkongress in Zürich.

Legende: Audio «Switzerland – Home of Drones» abspielen. Laufzeit 3:35 Minuten.
3:35 min, aus Rendez-vous vom 26.06.2018.

Zuerst waren Drohnen vor allem ein Spielzeug von Hobbyfotografen, doch inzwischen gibt es immer mehr professionelle Anwendungen – und dabei spielt die Schweiz eine äusserst wichtige Rolle: «Die Schweiz ist ein Pionierland im Bereich der Drohnen», sagte Bundesrätin Doris Leuthard am Drohnenkongress an der ETH Zürich. Diesen Ruf wolle man bewahren und sogar ausbauen.

Spitze in Präzisionsmechanik und Sensorik

Das will auch Roland Siegwart. Der Professor für mobile autonome Roboter an der ETH Zürich betont, dass die weltweit erste Drohne in Zürich abgehoben habe – vor 15 Jahren an seiner Lehrstätte. Seither hätten die beiden ETHs in Zürich und in Lausanne dank ihrer Stärken die weltweit führende Stellung in der Drohnenentwicklung halten können.

Bei der Drohnenentwicklung gehe es um die Präzisionsmechanik sowie um Regelungs- und Sensortechnik – und in allen diesen Bereichen sei die Schweiz stark. «Wir bauen beides: Die Geräte und die dazugehörende Software», sagt Siegwart. «Das ist der Grund, wieso wir viel bessere Geräte bauen als andere.» Letztere würden sich bloss auf eines von beidem spezialisieren: entweder auf die Fluggeräte oder auf die Software.

Leuthard und ein Mann, dieser hat eine Drohne in der Hand und spricht zur Bundesräitn.
Legende: Doris Leuthard will den Drohnenbereich nur so stark regulieren, wie unbedingt nötig. Keystone

Tatsächlich gibt es in der Schweiz eine lange Tradition von hoher Präzision in der Mechanik. Hinzu kommen die Innovationen in der Sensortechnik. Aber die Schweiz ist nicht nur in der Drohnenforschung sehr gut aufgestellt, sondern auch in der Entwicklung und Fertigung von neuen Drohnen. Allerdings ist nicht die Massenproduktion eine Schweizer Stärke – diese findet praktisch ausschliesslich in China statt.

Spitze bei den Drohnen für Profis

Die Schweiz sei Spitze bei den Spezialdrohnen für Profis, sagt Siegwart. So gebe es im Drohnenbereich immer wieder neue Start-ups. Ausserdem sieht der ETH-Professor ein grosses Potenzial von noch nicht erforschten Drohnen-Anwendungen. «Ich bin überzeugt, dass die Schweiz hier weiter dabei sein wird.»

Die Drohnen-Regulierung soll viel ermöglichen – und nicht die Entwicklung verhindern.
Autor: Doris LeuthardBundesrätin und Uvek-Vorsteherin

Inzwischen nimmt auch die wirtschaftliche Bedeutung des Drohnen-Sektors zu. Der Bund schätzt, dass in der Drohnenindustrie inzwischen 80 Firmen entstanden sind, die rund 2500 Arbeitsplätzen geschaffen haben – Tendenz steigend. Deshalb spricht man in Anspielung auf das kalifornische Silicon Valley bereits vom Schweizer «Drone Valley».

Neues Regelwerk für Drohnen und ihre Piloten

Doch je mehr Drohnen in die Luft steigen, desto grösser wird das Risiko von Missbrauch oder von Unfällen. Deshalb sollen sich Drohnen-Piloten künftig registrieren müssen. «Es ist ein wichtiges Anliegen, dass man eine Drohne dem jeweiligen Piloten zuordnen kann», sagt Nicole Räz, Mediensprecherin beim Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL. Dieselben Bestrebungen seien auf europäischer Ebene im Gang.

Die neuen Regeln kommen voraussichtlich bereits im nächsten Jahr. Für Bundesrätin Leuthard ist dabei klar, dass die Drohnen nur so stark reguliert werden sollen, wie unbedingt nötig. Sie nennt als Beispiele Situationen und Orte, wo es gefährlich sein kann – etwa, weil es viele Menschen hat; oder den Bereich, in dem die Persönlichkeitsrechte betroffen sein könnten. «Die Regulierung soll viel ermöglichen – und nicht die Entwicklung von Anfang an verhindern», argumentiert sie.

Behörden, Forscher und Unternehmer sind sich einig: Die Schweiz will bei den Drohnen an der Spitze bleiben. Das «Drone Valley» soll weiterwachsen.

Drohnenkongress in Zürich

Die zweitägige Veranstaltung «Drone Innovators Network» wurde vom Uvek zusammen mit dem World Economic Forum organisiert. An dem Anlass an der ETH Zürich nehmen über 100 Personen aus Forschung, Industrie und Politik teil. Sie erörtern die Rollen und Aufgaben der verschiedenen Akteure und neue Trends in der Drohnenforschung und -anwendung.

Legende: Video Drohne rettet Leben abspielen. Laufzeit 0:35 Minuten.
Aus SRF News vom 21.06.2018.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Isler (SchweizerQualität)
    Jaja, der Bünzlischweizer denkt an Lärm und Spione. Ich frage: Warum können wir aus unserer Spitzenforschung kaum wirtschaftliches Kapital schlagen? Warum haben wir nur Drohnenfirmen die in Nischen operieren? Warum wird alles Talent von ausländischen Grosskonzernen aufgekauft..? Was tut die offizielle Schweiz um den Nutzen der Innovation im Land zu halten?!
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Der Himmel im Lebensumfeld muss frei von Mikrospionen, unfallprovozierendem fliegendem Schrott bleiben. Nein, wir müssen die nicht führend sein im Vernichten einer schönen, natürlichen Umwelt.
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Vielleicht spielen Drohnen sogar bald mal eine wichtige Rolle beim Individualverkehr. Klar, es gibt viele Fragen zu klären (Lärm, Sicherheit, Energieeffizienz, etc.) aber es könnte eine grosse Chance sein, diese Art von Verkehr zu verbilligen, da keine Verkehrswege gebaut werden müssen und statt eindimensionalen Strassen der dreidimensionale Raum benutzt werden könnte. Ein "Must" wird jedoch sein, dass die Steuerung der Drohnen nicht einem Menschen sondern einem Rechner überlassen wird.
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