Korruptionsaffäre wird für Petrobras zum Eigentor

Der brasilianische Ölkonzern Petrobras schreibt im 2014 mehr als 6 Milliarden Euro Verlust, nach einem Gewinn im Vorjahr von rund 7 Milliarden Euro. Ein Teil des Verlusts geht zurück auf die anfangs Jahr publik gewordene Korruptionsaffäre.

Der von einem Korruptionsskandal betroffene brasilianische Ölkonzern Petrobras ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Das staatlich kontrollierte Unternehmen verbuchte im Jahr 2014 ein Minus von 21,6 Milliarden Reais (umgerechnet 6,9 Milliarden Franken).

Davon seien 6,2 Milliarden Reais (rund 2 Milliarden Franken) Verlust im Zuge der Korruptionsaffäre entstanden. Daneben lasteten die niedrigen Öl- und Gaspreise sowie die gesunkene Nachfrage nach Petrochemie-Produkten auf der Bilanz. Petrobras hatte 2013 noch einen Gewinn von 23,6 Milliarden Reais (7,6 Milliarden Franken) erzielt.

Eine Ölförderplattform von Petrobras.

Bildlegende: Petrobras soll zwischen 2004 und 2012 auch illegal Gelder an prominente Politiker abgegeben haben. Keystone

PWC hatte die Bilanz zunächst nicht abgesegnet

Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) hatte sich geweigert, eine erste Fassung der Bilanz zu Jahresbeginn gutzuheissen, weil in dieser die durch illegale Zahlungen verursachten Verluste nicht korrekt verbucht worden waren.

Petrobras und andere Konzerne stehen seit Monaten im Fadenkreuz von Staatsanwaltschaft und Polizei. Es geht um Korruptionsvorwürfe in Milliardenhöhe, bei denen Firmen jahrelang im Gegenzug für Petrobras-Aufträge Schmiergelder gezahlt haben sollen, die zum Teil auch an Parteien flossen.

Ehemaliger Einkaufsdirektor verurteilt

Bevor der brasilianische Ölkonzern die Jahreszahlen präsentiert hat, ist ein ehemaliger Einaufsdirektor von Petrobras wegen Veruntreuung und Geldwäsche zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Paula Costa und weitere fünf Angeklagte wurden für schuldig befunden, bei dem Bau einer Raffinerie in Pernambuco einen unberechtigten Kostenanstieg von anfänglich 2,5 Milliarden Reais (750 Millionen Franken) auf über 20 Milliarden Reais ( 6 Milliarden Franken) zur eigenen Bereicherung organisiert zu haben. Weil sich Costa bereit erklärt hatte, als Zeuge in dem milliardenschweren Korruptionsskandal auszusagen, hat er ein reduziertes Strafmass erhalten.

Auch Politiker in Haft

Der staatlich kontrollierte Konzern soll zwischen 2004 und 2012 illegal auch Gelder an prominente Politiker der Regierungskoalition abgegeben haben. Drei ehemalige Abgeordnete sowie der Schatzmeister der Arbeiterpartei (PT) der Staatschefin Dilma Rousseff befinden sich aufgrund der Aussagen Costas in Haft.