Korruptionsvorwürfe überschatten Alstom-Deal

Der Deal zwischen Alstom und General Electric (GE) steht auf der Zielgeraden: Die französische Regierung sicherte sich die Option, 20 Prozent der Anteile des Energie- und Transportkonzerns zu übernehmen. Doch gleichzeitig kommen Korruptionsvorwürfe gegen Alstom an die Öffentlichkeit.

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Wie geht es bei Alstom Schweiz weiter?

1:04 min, aus Tagesschau vom 23.6.2014

In den USA wird nach Informationen des «Spiegel» wegen Korruption gegen Alstom ermittelt. Dem Unternehmen könnten Bussgelder in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar drohen, berichtete das Nachrichtenmagazin. Dabei geht es angeblich um ein von den USA aus angebahntes Geschäft zur Lieferung von Komponenten für ein Kraftwerk auf der indonesischen Insel Sumatra im Volumen von rund 118 Mio. Dollar.

Nach Erkenntnissen der US-Behörden sollen Manager eines US-Ablegers von Alstom zwischen 2002 und 2009 Millionenbeträge an Berater geschleust haben, um Politiker oder ranghohe Angestellte des Auftraggebers zu bestechen. Es habe bereits Verhaftungen und erste Anklagen gegeben, schrieb der «Spiegel». Alstom erklärte dem Bericht zufolge, die Summen seien «reine Spekulation».

Einigung mit Grossaktionär

Der französische Konzern Bouygues und die Regierung in Paris hatten sich zuvor auf die Modalitäten geeinigt, unter denen die Allianz zwischen Alstom und GE zustande kommen soll. Das gaben Bouygues und die Regierung am Sonntag in getrennten Mitteilungen bekannt.

Paris kann wie geplant 20 Prozent von Alstom übernehmen und so grösster Aktionär werden. Dies war Bedingung der Regierung für ihre Zustimmung zum Angebot von GE für Kooperationen mit der Energiesparte von Alstom.

Mindestens 35 Euro pro Aktie

Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Die Entscheidung des Alstom-Verwaltungsrats für die Allianz mit GE sei einstimmig gefallen, hatte das Unternehmen in Paris mitgeteilt. Die Pariser Regierung hatte GE am Freitag in dem wochenlangen Bieterrennen den Vorzug vor der deutschen Siemens und seinem japanischen Verbündeten Mitsubishi Heavy Industries gegeben.

«Weltmeister der Energie»

Alstom-Chef Patrick Kron sagte dem «Journal du Dimanche», es gebe drei Sieger bei dem Projekt: Alstom, das seine Stellung und seine Arbeitsplätze verstärken werde, GE und den französischen Staat. Die geplante Allianz «scheint mir perfekt auf die Sorgen der Regierung in Sachen Energie und Transport zu antworten», sagte Kron. Er kündigte an, nach dem Abschluss der Allianz zurückzutreten.

GE-Chef Jeffrey Immelt sprach von einem «grossartigen industriellen Projekt», das einen «Weltmeister der Energie» schaffen werde.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Staatsintervention bei Alstom

    Aus Echo der Zeit vom 21.6.2014

    Im langen Poker um den angeschlagenen französischen Industriekonzern Alstom will der französische Staat 20% der Aktien übernehmen und mit General Electric weiter verhandeln. Siemens und Mitsubishi sind damit draussen. Gespräch mit Rudolf Balmer.

    Peter Voegeli