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Kryptowährungen boomen Ein Hype, der an die Dotcom-Blase erinnert

Über tausend Kryptowährungen gibt es, täglich werden es mehr. Der Grund: Jungunternehmen finanzieren sich immer häufiger über ein sogenanntes «Initial Coin Offering» (ICO) und schaffen dabei neue Kryptowährungen. Die Schweiz ist ein Magnet für ICOs. Beobachter warnen vor einer Blase.

Legende: Video So entstehen Kryptowährungen abspielen. Laufzeit 00:55 Minuten.
Aus ECO vom 17.10.2017.

Worum geht es? Anstatt über Banken oder Wagniskapitalgeber Geld für eine Geschäftsidee einzusammeln, setzen immer mehr Jungunternehmen auf ein sogenanntes «Initial Coin Offering» (ICO). Dazu veröffentlicht ein Jungunternehmen eine Geschäftsidee im Internet und lädt Investoren ein, etablierte Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether bereitzustellen. Im Gegenzug erhalten die Investoren Coins (auch Tokens genannt), die das Jungunternehmen neu kreiert. Die so geschaffenen Coins bilden eine neue Kryptowährung, die auf Internetbörsen in andere Kryptowährungen oder traditionelles Geld getauscht werden kann. 4 der 6 grössten ICOs fanden in der Schweiz statt (s. Tabelle).

Wozu wird eine neue Kryptowährung gebraucht? Die neu geschaffenen Kryptowährungen haben unterschiedliche Funktionen. Manche Coins sollen als Zahlungsmittel oder als Zugangsberechtigung zu den Dienstleistungen dienen, die das Jungunternehmen später anbieten will. Andere Coins ähneln Aktien, mit oder ohne Stimmrecht, wieder andere ähneln Einlagen. Wozu der Besitz ermächtigt, entscheidet das Jungunternehmen bei der Schaffung der Coins. Hat das Jungunternehmen Erfolg, steigt der Preis seiner Kryptowährung an den Tauschbörsen. Davon profitieren die Besitzer der jeweiligen Coins.

Warum boomen ICOs? Für Jungunternehmen kann die Schaffung neuer Kryptowährungen durch ICOs eine schnelle und einfache Art sein, Geld für ihre Geschäftsidee zu sammeln. So konnten ICOs seit Januar 2017 Kryptowährungen im Wert von über 2 Milliarden US-Dollar einsammeln. Anders als zum Beispiel die Geldaufnahme durch einen Börsengang sind ICOs im Moment international noch kaum reguliert. Inzwischen sind die Finanzaufsichtsbehörden in mehreren Ländern zwar aktiv geworden, doch noch immer finden ICOs in einem rechtlichen Graubereich statt.

Blockchain

Keine Kryptowährungen ohne Blockchain-Technologie. Sie ermöglicht die Erstellung einer dezentralen Datenbank, in der Informationen fälschungssicher gespeichert werden können. Die allermeisten Jungunternehmen, die Geld über ein ICO einsammeln, setzen in ihrer Geschäftsidee auf das Potential der Blockchain-Technologie. Viele Beobachter glauben, die Blockchain-Technologie könnte viele Bereiche unseres Lebens in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Wegen dieses Optimismus fliesst sehr viel Geld in Jungunternehmen, die auf Blockchain setzen.

Gibt es eine Blase? Die Situation der ICOs erinnert an die Dotcom-Blase der späten 90er Jahre. Damals wurden Firmen mit Geschäftsideen für das damals neue Internet mit Millionen- und Milliardenbewertungen an den Börsen gehandelt. Im März 2000 folgte der Absturz, viele Unternehmen gingen pleite, ihre Versprechen auf künftige Gewinne liessen sich nicht halten. Ähnliches sagen Beobachter auch für Kryptowährungen und ICOs voraus: Mehreren Jungunternehmen gelang es innerhalb weniger Tage Kryptowährungen im Wert von über 100 Millionen Dollar einzusammeln. Aber nur sehr wenige der Versprechen, mit Blockchain die Welt zu revolutionieren, können eingelöst werden. ICOs sind deshalb eine höchst riskante Investition.

Was sind andere Gefahren? ICOs sind im Moment von Spekulanten getrieben, die Preise für Kryptowährungen fluktuieren stark. Weil ICOs zudem noch kaum reguliert sind, ist der Markt für Geldwäscher und andere Kriminelle interessant. Die FINMA hat bereits auf Betrüger aufmerksam gemacht und zudem angekündigt, «eine detailliertere Aufsichtspraxis zu ICOs (zu) entwickeln.» Auf Anfrage von «ECO» schreibt auch das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen: «Die aktuelle Herausforderung liegt in der Schaffung klarer und möglichst einfacher regulatorischer Vorgaben für eine legale und individuelle Ausgestaltung von ICOs».

Die grössten «Initial Coin Offerings» (ICO) seit Mai 2016

ICO
Eingesammeltes Kapital (in Mio. USD)
Land
Tezos238Schweiz
Filecoin204USA
EOS159USA
Bancor157Schweiz
The DAO
143Schweiz
Status95Schweiz


Quelle: PWC

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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Die Frage sei erlaubt, wie sich unsere Währungshüter eine Welt ohne nationale Währungen vorstellen. Als Privatbanken in der Schweiz zu Hauf ungedecktes Geld druckten, gründeten wir in der Schweiz die Kantonalbanken. Johann Jakob Keller sagte hierzu um 1860: „Wir brauchen diese Staatsbank, um den nur am Eigennutz Interessierten Privatbanken gehörige Konkurrenz entgegen zu stellen. Den Zins zu bekämpfen und den kleineren und mittleren Gewerbestand vor der Ausbeutung der Privatbanken zu schützen“.
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