Kunden profitieren vom tiefen Ölpreis – aber nur minim

Der Ölpreis ist in den letzten zwei Monaten um 20 Prozent gefallen, doch davon profitieren die Konsumenten nur minim und mit Verzögerung. Das müsse sich ändern, fordert Konsumentenschützerin Sara Stalder.

Grafik zur Preisentwicklung der Ölsorte Brent in den letzten drei Monaten.

Bildlegende: Die Preisentwicklung in den letzten drei Monaten. finanzen.net

Ein Barrel Erdöl der Nordseesorte Brent kostet zurzeit weniger als 40 Dollar, so wenig wie letztmals während der Finanzkrise 2008. Allein in den letzten zwei Monaten ging der Erdölpreis um fast 20 Prozent zurück. Die Benzinpreise aber sanken gleichzeitig nur um knapp 5 Prozent, das sind einige Rappen.

Eine Discount-Tankstelle wirbt auf einem Plakat für eine Aktion, bei der das Benzin fünf Rappen weniger kostet.

Bildlegende: In den letzten Tagen sind die Benzinpreise um einige Rappen gesunken. Keystone

Unterschiedliche Abgaben bei Benzin und Heizöl

Grund seien die hohen Abgaben und Steuern auf Benzin, sagt Roland Bilang, Geschäftsführer der Erdölvereinigung. «Mittlerweile sind das über 60 Prozent des Zapfsäulenpreises und nur auf dem Rest – das sind mittlerweile etwa 50, 55 Rappen – spielt dann das Preisniveau des Marktes.»

Etwas anders sieht es beim Heizöl aus, das stärker an den Erdölpreis gekoppelt ist. Denn die Abgaben machen einen kleineren Teil des Preises aus. Entsprechend sind die Ölpreise in den letzten Monaten stärker gesunken – um etwa 13 Prozent in den letzten zwei Monaten.

Kritik der Konsumentenschützerin

Das sei zu wenig, findet Konsumentenschützerin Sara Stalder. «Unsere Beobachtung über die Jahre ist, dass der Erdölpreis vielfach sehr zeitverzögert weitergegeben wird und sicher nicht in dem Umfang, wie es aus unserer Sicht gerechtfertigt wäre.» Entsprechend komme vom tiefen Ölpreis zu wenig bei den Konsumenten an. Dem widerspricht die Erdölvereinigung. Der Markt spiele gut, einzelne Unternehmen könnten die Preise nicht künstlich hoch halten, heisst es.

Klar ist, dass sich die Konsumenten auf weiterhin tiefe Benzin- und Heizölpreise freuen können, denn Analysten gehen davon aus, dass der Ölpreis wegen des grossen Überangebots an Öl noch mehrere Monate tief bleiben wird.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Der Öl-Preis und die Folgen

    Aus 10vor10 vom 15.12.2015

    Erdöl ist das Schmiermittel der Weltwirtschaft. Doch der Öl-Preis ist im Keller, es herrscht Ausnahmezustand. «10vor10» kennt die Hintergründe und Folgen des anhaltenden Preissturzes.

  • Ölpreis sackt ab

    Aus Tagesschau vom 8.12.2015

    Der Ölpreis hat gestern seit sieben Jahren wieder seinen Tiefststand erreicht, auf den er in der Finanzkrise gestürzt war. Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind.

  • Der Ölpreis spielt verrückt

    Aus Trend vom 5.9.2015

    In den letzten Monaten ging es steil abwärts mit dem Ölpreis. Ende August war das Fass Rohöl so günstig wie seit Beginn der Finanzkrise nie mehr. In der letzten Woche nun gab es heftige Kursausschläge - sowohl nach oben wie nach unten. Wir fragen: Was ist denn da passiert?

    Thomas Oberer im Gespräch mit Samuel Emch