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Wirtschaft Kuoni verkauft Europageschäft nach Deutschland

Dass Kuoni sich aus dem Geschäft als Reiseveranstalter zurückziehen will, ist seit längerem bekannt. Nun steht auch fest, an wen der Schweizer Konzern verkauft: Das Europageschäft geht an den deutschen Detailhandelsriesen Rewe.

Legende: Video Rewe übernimmt Kuonis Reisesparte abspielen. Laufzeit 1:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.06.2015.

Der Schweizer Touristikkonzern Kuoni hat den geplanten Verkauf seines Feriengeschäfts grösstenteils unter Dach. Das europäische Reiseveranstaltergeschäft werde für einen ungenannten Betrag an die deutsche Rewe Group veräussert, teilte Kuoni mit.

Der Bereich erzielte im vergangenen Jahr mit 2350 Beschäftigten rund zwei Milliarden Franken Umsatz. «Mit dem Verkauf des gesamten europäischen Reiseveranstaltergeschäfts können wir die strategische Neuausrichtung der Kuoni Group schneller vollziehen als geplant», wird Verwaltungsratspräsident Heinz Karrer zitiert.

Mitarbeiter und Standorte sollen bleiben

Nach Angaben von Kuoni sollen sämtliche Aktivitäten der Einheiten in der Schweiz, Grossbritannien, Skandinavien und Benelux in die Reisesparte des deutschen Rewe-Konzerns überführt werden. Sämtliche Mitarbeitende, Standorte und Geschäfte sollen übernommen werden. Auch die Marken Kuoni, Apollo und jene der Spezialisten – wie Helvetic Tours – blieben bestehen, heisst es von Kuoni. Der Spartenverkauf wird Kuonis Ergebnis in der ersten Jahreshälfte um rund 180 Millionen Franken schmälern.

Für die verbliebenen Reiseveranstalteraktivitäten in Indien und Hong Kong/China soll die Suche nach neuen Eigentümern im Laufe des Jahres abgeschlossen werden.

Kuoni sei vor dem Entscheid gestanden, entweder einen grossen Schritt vorwärts zu machen, damit das Massengeschäft rentiert – oder aber ganz auf das Massengeschäft zu verzichten, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr. «Kuoni hat sich für letzteres entschieden.»

Dafür mache nun die Tourismus-Sparte von Rewe mit dem Zukauf Kuonis einen grossen Schritt vorwärts. Das Kuoni-Geschäft sei eine ideale Ergänzung, gerade bei den Badeferien, so Lieberherr weiter. «Rewe hat mehr Macht beim Einkauf, weil das Unternehmen grössere Volumen einkaufen kann. Das macht den Einkauf günstiger. Damit kann Rewe auch den Kunden günstigere Reisen anbieten.» Nicht zu vergessen auch, dass Rewe nun plötzlich ein grosser Player auf dem Schweizer Markt sei. Und hier sei bekanntlich viel Geld zu holen.

Lukratives Visa-Geschäft für Regierungen

Nach dem Verkauf des Feriengeschäfts zieht sich Kuoni auf das Geschäft mit anderen Unternehmen zurück. Kuoni positioniert sich als Dienstleister für die globale Reiseindustrie, etwa als Grossist und Anbieter von Hotel-Übernachtungen und weiteren Reisedienstleistungen für andere Unternehmen. Zudem bleibt Kuoni Veranstalter von Gruppenreisen und organisiert Transport, Unterkunft, Ausflüge und andere Aktivitäten, etwa für Reisegruppen aus Asien, die durch Europa touren.

Ausserdem übernimmt Kuoni für Regierungen die Bearbeitung von Reise-Visa. Bereits heute ist Kuoni Partner von 45 Regierungen und betreibt für sie 1400 Visa-Antragszentralen in 117 Ländern. «Das ist ein sehr lukratives Geschäft. Diese Sparte hat sich unterdessen zur eigentlichen Perle in der Kuoni-Gruppe entwickelt», sagt Wirtschftsredaktor Lieberherr.

Aufsichtsbehörden müssen zustimmen

Der traditionsreiche Reisekonzern hatte Mitte Januar bekannt gegeben, sich ganz aus dem Geschäft als Reiseveranstalter zurückziehen zu wollen. Dem angepeilten Verkauf an Rewe müssen die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen. Er soll im dritten Quartal des Jahres vollzogen werden.

Kuoni-Chef: «Beste Lösung»

Kuoni-Chef: «Beste Lösung»

«Die Rewe-Lösung ist die beste Lösung für alle Beteiligten: Die Kunden, Mitarbeiter und Standorte», sagt Kuoni-Chef Peter Meier im Interview. Das ganze Europa-Ferienreise-Geschäft gehe in die Hand eines einzigen Anbieters über. Vor allem deshalb sei nicht ein Schweizer Reise-Anbieter wie etwa Hotelplan zum Zug gekommen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von A. Vonlanthen, Fribourg
    Frechheit! Es sollte verboten werden etablierte grosse Geschäfte an einen ausländischen Konzern zu verkaufen. Es gab sicherlich genug Schweizer Interessenten wie z.B. Hotelplan, mit welchen einen vernünftiger Preis verhandelbar gewesen wäre. Aber wieder einmal wird das Geld über alles gestellt! Getragen werden diese Bürden wieder von den kundennahen Mitarbeitern. Mit dieser Politik werden wir einer noch viel schlimmeren Scherengesellschaft (Reich / Arm) entgegen gehen! Bravo
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    1. Antwort von Charly Ball, Zürich
      @A.Vonlanthen: Sie haben den Beitrag nicht genau gelesen. Der Kuoni Chef sagt darin ja explizit, dass der Verkauf an REWE die beste Lösung für alle Beteiligten ist. Und wenn ein Manager das sagt, wird er wohl schon bei der Wahrheit bleiben, oder nicht....??? :-))
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  • Kommentar von K. Räschter, Thurgau
    Wie sich Premium-Anbieter Kuoni und die anderen Billig-Anbieter unter dem REWE-Dach vertragen, muss erst bewiesen werden. Man muss wohl befürchten, dass das heute bekannte Kuoni-Reisebüro gänzlich verschwinden wird und sich die Kuoni-Kunden nach einen neuen Premium-Anbieter umsehen müssen; denn gerade der Service stand bei Kuoni hoch im Kurs (die REWE-Reisebüros bieten nie diese Service-Qualität). Denn die "Geiz-ist-geil" Methode verträgt sich nun mal nicht mit dem Kuoni-Gedanken.
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  • Kommentar von Roland Hofmann, Basel
    Ob das Massengeschäft in der Schweiz mit Vektor Reisebüro wirklich funktioniert, wäre noch zu beweisen. Kuoni hat sich in den vergangenen Jahren im Premium-Segment positioniert und spricht damit kaufkräftige Kunden mit Spezialwünschen an. Wie Rewe die Zukunft von Kuoni gestalten wird, ist also noch völlig offen.
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