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Wirkungsvolles Notbremssystem Lässt Luxus-Technik in Autos bald die Prämien schmelzen?

Versicherungen sehen einen markanten Rückgang der Auffahrunfälle. Einige von ihnen wollen bald Rabatte für Autos mit Fahrassistenz gewähren.

Legende: Audio Assistenzsysteme in Autos werden für Autoversicherungen zum Thema abspielen. Laufzeit 2:37 Minuten.
2:37 min, aus Info 3 vom 26.08.2017.

Wie hoch die Versicherungsprämie für ein Auto ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab – etwa vom Geschlecht des Versicherten. Frauen bezahlen in der Regel weniger, da sie meist vorsichtiger fahren. Vor allem junge Männer hingegen bezahlen mehr. Künftig dürfte ein weiterer Punkt hinzukommen: Die technische Ausstattung ihres Autos.

Bis zu 70 Prozent weniger Auffahrunfälle

Einfluss auf die Prämie könnten nämlich künftig auch die Assistenzsysteme in einem Auto haben. Bettina Zahnd, Leiterin der Unfallforschung bei der Autoversicherung Axa erklärt: «Insbesondere Fahr-Assistenzsysteme wie das Notbrems-Assistenzsystem zeigen bei uns einen deutlichen Rückgang von Auffahrkollisionen um 30 bis fast 70 Prozent, je nach untersuchtem Modell». Diese Entwicklung ist sehr erfreulich, sind die Aufahrkollissionen nach den Parkschäden doch die zweithäufigste Art von Unfällen.

Bei der Axa heisst es, man würde die Fahr-Assistenzsysteme bei der Prämienberechnung gerne berücksichtigen. Im Moment fehle dafür aber noch die Datengrundlage. Man müsse nun in einem ersten Schritt Erfahrungen sammeln. «Anfang nächsten Jahres werden wir dann einen Einmal-Rabatt einführen für Fahrzeuge mit einem Notbrems-Assistenz», gibt Zahnd von der Axa bekannt. Die Vaudoise-Versicherung ist einen Schritt weiter und gewährt bereits einen solchen Rabatt.

Der Notbrems-Assistent greift selbständig ein, wenn eine Kollision droht und der Fahrer nicht richtig reagiert.

Konsumentenschutz äussert Bedenken

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz macht allerdings ein Fragezeichen hinter eine solche Differenzierung der Versicherungsprämien: «Diese Assistenzprogramme haben tatsächlich einen Vorteil. Aber das Wichtigste wäre, dass eben diese Daten nicht an die Versicherungen gehen.»

Denn die Assistenzsysteme sammeln tatsächlich jede Menge Daten. Daten, die heute direkt an die Auto-Hersteller gehen. Daten, auf die Versicherungen heute nicht zugreifen können, für die sie sich aber auch interessieren. Allerdings ist bislang völlig unklar, wem eigentlich diese Daten gehören und was damit geschieht.

Bald Voraussetzung für günstige Prämien?

Stalder macht noch einen zweiten Vorbehalt, wenn es um die Differenzierung der Prämien geht: «Wir gehen davon aus, dass die Versicherungen jetzt noch freundlich sind und mit Prämienrabatten werben. Später könnte das aber mal als Kondition vorgeben werden. Man muss dann diese Assistenten im Auto drin haben, wenn man überhaupt zu einer günstigen Versicherungsprämie kommen will.»

Soweit ist derzeit noch kein Autoversicherer: Zwar stellen auch die anderen, grossen der Branche – wie die Zürich, die Mobiliar oder die Allianz – einen Rückgang bei den Unfällen fest, wenn die Autos mit modernen Assistenzsystemen ausgerüstet sind. Im Gegensatz zur Axa und der Vaudoise haben solche Systeme zum jetzigen Zeitpunkt allerdings bei ihnen noch keinen Einfluss auf die Versicherungs-Prämie.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Schwarb (Schwarb Walter)
    Erhöhen die Versicherungen dann wenigstens die Prämien für solche Autofahrer, die ohne Parkassistenz ihr Auto gar nicht mehr in einen freien Parkplatz manövrieren können oder nicht fähig sind, die einfachsten Kreiselregeln zu beachten?
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  • Kommentar von Claudio Bilgeri (alma63)
    Fahrassistenz Damit man in aller Ruhe sms schreiben kann! Ist in der heutigen zeit viel verlangt. sich beim Autofahren nur aufs fahren konzentrieren zu müssen.
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    1. Antwort von Martin Steffen (/\o/\)
      @ Claudio Bilgeri, Goldach: Genau! Nehmt den Fahrern all diesen überflüssigen und vom Verkehr ablenkenden Technikschrott weg (inkl. Smartphone), und die Unfallzahlen werden dadurch ganz automatisch drastisch reduziert! WENIGER Technik ist die Lösung, nicht mehr! Wer die Augen nicht vom Bildschirm lassen kann, benutze den ÖV - voilà! Ich lasse mich weder bevormunden, versklaven noch ausspionieren - ich denke und lenke selbst, basta! Und auch der Meinung von Frau Stalder kann ich nur beipflichten!
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Diese sogenannten Konsumentenschützer nerven mich zunehmend. 1. braucht die Versicherung keine Fahrdaten um die Risikoverringerung durch FAS zu messen, da reicht klassische Statistik. 2. Macht es teure Technologie günstiger, wenn Prämien sinken. Da diese Technologie Leben retten kann, ist das etwas Gutes. 3. Nicht zu sterben ist für mich ein höheres Gut meine anonymisierten Daten nicht ausgewertet zu kriegen.
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