Zum Inhalt springen

Wirtschaft Leitzins im Euroraum nähert sich der Nulllinie

Überraschender Entscheid: Die EZB senkt den Leitzins auf nie dagewesene 0,05 Prozent. Sie erhöht zudem die Strafzinsen für Banken, die überschüssiges Geld bei ihr zwischenlagern wollen.

EZB-Chef Mario Draghi
Legende: Hat den Leitzins quasi abgeschafft: EZB-Chef Mario Draghi Reuters

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Euroraum auf 0,05 Prozent gesenkt. Der Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank leihen, ist damit so niedrig wie nie zuvor in der Geschichte der gemeinsamen Währung.

Strafzins erhöht

Zudem verschärften die Währungshüter eine bereits im Juni eingeführte geldpolitische Massnahme. Sie erhöhten den so genannten Einlagenzins von minus 0,1 auf minus 0,2 Prozent.

Der Negativzins bedeutet, dass Banken, die überschüssiges Geld bei der EZB parken wollen, dafür eine Strafe bezahlen.

Und noch ein Griff in die Instrumentenkiste

Schliesslich greift die EZB noch zu einem weiteren geldpolitischen Instrument: Wie ihr Chef Mario Draghi bekanntgab, will die EZB ab Oktober mit Krediten besicherte Wertpapiere – so genannte Asset Backed Securities (ABS) – kaufen. Zum selben Zeitpunkt sollen zudem sogenannte gedeckte Anleihen – Covered Bonds – erworben werden. Dazu gehören etwa Pfandbriefe.

Legende: Video «Einschätzungen zur Zinspolitik der EZB» abspielen. Laufzeit 0:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.09.2014.

Mit Verbriefungen können Banken ausstehende Forderungen aus Krediten an den Markt bringen und ihre Bilanzen entlasten. Damit haben sie mehr Luft zur Vergabe neuer Darlehen.

Mit allen drei Massnahmen reagieren die Währungshüter auf die schwache Konjunktur im Euroraum und auf die besorgniserregend tiefe Inflation. Diese war im August auf 0,3 Prozent gefallen – den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Das schürt Ängste vor einer gefährlichen Deflation und liegt weit unter der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent Inflation.

Euro auf Talfahrt

Nach dem überraschenden Zinsentscheid ging der Euro auf Talfahrt. Die Gemeinschaftswährung rutschte um fast einen US-Cent auf 1,3038 Dollar und notierte damit so niedrig wie seit Juli vergangenen Jahres nicht mehr. Auch zum Franken verlor der Euro. Er fiel auf 1,2044 Franken und war damit so billig wie wie zuletzt Anfang Dezember 2012.

Wie die EZB Geld billig macht

Wie die EZB Geld billig macht

Die EZB hat die Geldschleusen nochmals geöffnet. Die neuen Massnahmen im Überblick. Mehr.

16 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christina Bernegg, Horw
    Die finale Krise steht erst noch bevor!Die EZB erzwingt den Einheitsstaat in Europa. Die EU ist eine wirtschaftliche und demokratische Katastrophe.Der Euro hat schon Millionen von Menschen in Schwierigkeiten grbracht.Und in Zukunft werden es hunderte Millionen sein,weil das ganze Projekt auf einer Lüge beruht.Ein Zitat von J.Rau,nicht wir Politiker machen die Politik,sondern wir haben auszuführen was die Grosskonzerne und die Banken uns diktieren!Tolle Zukunft????
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B.Knie, Zürich
    Die Banken sind die Bösen und die Mafiosen ( die Reichsten der Welt ) sind Freigiebig? Nein gerade nicht. Es müsste anders gelöst werden indem die, die ihr Geld horten und nur Profitgierig sind und nach Milliardengewinnen suchten, ihnen müsste unabdingbar die Todestrafe blühen, weil andere Menschen dadurch verhungern oder unter ihrer unverschuldeten Schuldenlast zusammenbrechen, weil das ganze Leben heute so teuer ist wie noch nie und die Arbeitnehmer Vergleichsweise ein Sklavenlohn erhalten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      Geld als Tatwaffe! Wenn die Macht des ungerecht verteilten Kapitals zu Nötigung und Kurzschlusshandlungen der Geschädigten führt, wie wir es heute sehen, dann kann das durchaus so betrachtet werden. Ich möchte nicht wissen wie viele Familienväter in den Selbstmord geflohen sind, nach der Immobilienkrise in den USA und anders wo.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B.Knie, Zürich
    Jetzt wird Geld in die Gemeinschaft gepumpt und es wird so Dargestellt als wäre es etwas gutes. Genau das Gegenteil möchte man erreichen. Nicht die Unternehmen, sondern besonders die Bürger der verschiedenen Staaten sollen sich zutiefst verschulden, damit die Menschen Knechte der Staaten werden. Die heranwachsende Weltherrschaft / Dikatur lässt sich viel einfallen, um die verblödete, verblindete Menschheit an der Nase herumzuführen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen