Lichterlöschen bei «Joiz» – 75 Entlassungen

Der Verwaltungsrat von «Joiz» hat beim Konkursgericht Zürich die Bilanzen deponiert. Das Unternehmen habe es nicht geschafft, auf eigenen Füssen zu stehen und blieb seit jeher ein Startup, urteilt SRF-Medienredaktor Philip Meyer.

«Joiz»-Mikrofone auf einem Glastisch mit Apero-Gebäck und Wassergläsern.

Bildlegende: «Joiz» publizierte nie konkrete Zahlen. Ob der Spartensender also jemals den Break-Even geschafft hat, ist unklar. Keystone / Archiv

Aus für eine quirlige Plattform für junge Menschen: Der Verwaltungsrat des Jugendsenders hat die Bilanzen der beiden Firmen «Joiz Schweiz AG» und «Joiz IP AG» beim Konkursgericht Zürich hinterlegt.

Von der Schliessung sind 75 Mitarbeitende betroffen. Sie teilten sich 57 Vollzeitstellen.

Meyer: «Joiz war immer ein Startup»

SRF-Medienredaktor Philip Meyer meint, dass das Unternehmen es nicht geschafft habe, in nützlicher Frist – also in drei Jahren, wie Joiz versprochen hatte – gewinnbringend zu sein. «Mit einer Expansion nach Deutschland hat man sich kurzfristig Luft verschafft. Nachdem diese auch nicht wie gewünscht funktioniert hat, wurde es ganz schwierig.»

Ob Joiz überhaupt jemals schwarze Zahlen geschrieben habe, kann Meyer schwer beurteilen. Es könne sein, dass der Sender zuletzt genug Geld generiert habe, um die laufenden Kosten zu decken. «Allerdings war das Unternehmen immer noch ein Startup, das vor allem auf den guten Willen von Investoren setzen musste, um neues Geld für Investitionen zu bekommen», sagt Meyer. Und Investoren investierten nicht nur in gute Ideen, sondern auch in zukünftige Gewinne.

Joiz Deutschland bleibt

Das Management versuche derzeit, wenigstens die digitale Plattform von «Joiz Global» zu retten – entweder über einen Weiterbetrieb oder Verkauf, hiess es in der Medienmitteilung. Die Plattform wurde immerhin in den letzten Monaten erfolgreich in Deutschland, den Niederlanden, Russland und in den USA lizenziert.

Mann mit Brille neben Frau in Edelweisshemd, die an Bildschirm sitzt.

Bildlegende: SRF-Urgestein Kurt Schaad gründete 2010 den Jugendsender «Joiz»– hier bei einem Redaktionsbesuch 2015. SRF

Weitergeführt wird gemäss dem Unternehmen der deutsche Ableger. Für ihn liege das Angebot eines neuen Mehrheitsaktionärs vor, der den Sendebetrieb weiterführen wolle. Das deutsche Sendesignal soll neu auch in der Schweiz ausgestrahlt werden.

«Joiz» wurde 2010 in Zürich gegründet und ging im Februar 2011 auf Sendung. Das Unternehmen betreibt in der Schweiz und in Deutschland zwei HD-Fernsehsender.

SRF-Medienredaktor Philip Meyer zu Joiz

Haben Spartensender für Junge eine Zukunft?
Joiz hat es wie niemand vorher verstanden, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sind. Und hat sie zum Mitmachen angeregt. Man hat von Anfang an auf das Internet und die sozialen Medien gesetzt. Aber die Grundidee war halt auch, die Masse über das klassische Medium Fernsehen zu holen – mit qualitativ gutem Programm, technisch wie inhaltlich gesehen. Und klassisches Live-Fernsehen kostet eine Menge Geld. Und dafür hat der Spartensender wohl doch zu wenige Zuschauer gefunden.
Konsumieren Jugendliche überhaupt klassisches Fernsehen?
Vor allem die ganz jungen Zuschauer, also die Joiz-Einsteiger, sitzen schon noch immer viel vor dem heimischen Bildschirm. Sobald sie aber ins Internet einsteigen, sind sie für den klassischen Sender verloren. Vielleicht hätte man hier noch konsequenter vom Web her denken sollen, wie dies zum Beispiel die Youtube-Netzwerke tun. Und günstigeres Internet-Fernsehen machen, das man parallel noch auf einem Spartenkanal ausspielt.

Sendung zu diesem Artikel