Loch bei Frührenten verspricht heissen Herbst im Baugewerbe

Die allseits gelobte Sitftung für Rentenalter 60 auf dem Bau wird 2016 in Unterdeckung geraten. Denn jetzt kommen auch die «Babyboomer» in die Jahre. Die Gewerkschaft Unia will zusätzliche Lohnprozente und ist kategorisch gegen Leistungsabbau. Das verspricht heisse Herbsttage für die Baumeister.

Bauarbeiter auf Gerüst.

Bildlegende: Stiftung für Rentenalter 60 auf dem Bau in Schieflage: Unia befürchtet eine Unterdeckung bereits 2016. Keystone/Archiv

Die Arbeit auf dem Bau zehrt an den Kräften. Nicht nur jetzt in der brütenden Sommerhitze. Baumeister und Gewerkschaften schufen deshalb bereits vor über zehn Jahren ein modernes System für einen vorzeitigen Altersrücktritt mit 60 Jahren.

Bereits 13'500 Bauarbeiter liessen sich seither mit 60 vorzeitig pensionieren. Das sind mehr als erwartet. Finanziert ist der flexible Altersrücktritt über eine Stiftung mit vier Lohnprozenten von Arbeitgebern und einem Lohnprozent der Arbeitnehmer.

Deckungsgrad bereits merklich gesunken

«Die Rente mit 60 ist etwas vom Wichtigsten für die Bauarbeiter», unterstreicht Nico Lutz von der Gewerkschaft Unia. Auch der Direktor des Baumeisterverbandes Daniel Lehmann spricht von einem «guten und erfolgreichen Modell».

«  In den nächsten zehn Jahren werden wir vorübergehend mehr Bauarbeiter haben, die in Pension gehen.  »

Nico Lutz
Gewerkschaft Unia, Sektorleiter Bau

Mit den geburtenstarken Jahrgängen, die ins Pensionsalter kommen, ziehen jetzt aber Wolken über der Stiftung auf. Bereits im letzten Jahr nahm der Deckungsgrad von 118 auf 113 Prozent ab. Im kommenden Jahr dürfte er unter 100 Prozent fallen, womit die Stiftung eine Unterdeckung aufwiese.

Nach den Worten von Unia-Vertreter Lutz muss deshalb dringend gehandelt werden: «In den nächsten zehn Jahren werden wir vorübergehend mehr Bauarbeiter haben, die in Pension gehen. Für diese Phase braucht es mehr Mittel, um die Rente mit 60 sichern zu können.»

Unia: Bei Unterdeckung entscheidet die Stiftungsaufsicht

Lutz will den Bedarf über anderthalb bis zwei zusätzliche Lohnprozente sicherstellen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam zu tragen hätten. Mit dieser Forderung bissen die Gewerkschaften allerdings bei den Baumeistern bereits Anfang Jahr auf Granit:

«Wir wollten die Beiträge per sofort anpassen, was verweigert wurde», erklärt Lutz. Massnahmen per Anfang kommenden Jahres müssten jetzt ergriffen werden, denn bei einer Unterdeckung werde die Stiftungsaufsicht wohl Leistungskürzungen – sprich tiefere Renten oder ein höheres Rentenalter – verlangen.

«  Man kann aber auch die Leistungen anschauen, und schliesslich besteht auch die Möglichkeit für einen Mix. »

Daniel Lehmann
Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbandes

Die Baumeister legen sich noch nicht fest. Sie wollen zuerst sämtliche Szenarien durch Versicherungsexperten durchrechnen lassen. «Beitragserhöhungen sind eine Möglichkeit. Man kann aber auch die Leistungen anschauen, und schliesslich besteht auch die Möglichkeit für einen Mix», sagt Lehmann.

Baumeister sehen Spielraum

Er schliesst also Abstriche bei den Leistungen ausdrücklich nicht aus, auch wenn das nicht das Ziel sei. Bei den grosszügigen Leistungen bestehe aber durchaus Spielraum: Heute erhielten Frührentner 80 bis 90 Prozent ihres letzten Netto-Lohns. Zudem zahle die Stiftung die Pensionskassenbeiträge in den fünf Jahren bis zur ordentlichen Pensionierung: «Auch in Zukunft wird es für jeden Mitarbeiter möglich sein, in diesen flexiblen Altersrücktritt einzutreten.»

«  Die Bauarbeiter haben die Rente mit 60 mit einem Streik erkämpft und sie sind auch bereit, diese mit einem Streik zu verteidigen. »

Nico Lutz
Gewerkschaft Unia, Sektorleiter Bau

Dies stellt Lutz vehement in Abrede. Für ihn kommen tiefere Renten ebenso wenig in Frage wie eine Erhöhung des Rentenalters: «Das werden die Bauarbeiter nicht akzeptieren. Sie haben die Rente mit 60 mit einem Streik erkämpft und sie sind auch bereit, diese mit einem Streik zu verteidigen.»

Die Unia droht den Baumeistern also bereits mit einem heissen Herbst. Die Fronten sind verhärtet – wie schon so oft in der Baubranche.